Danke, Gofalski. Diese Quelle (das DWDS) hatte ich nicht gecheckt.
Dem gegenüber habe ich nun auch noch mal die Wörter 'Hure' und 'heuern' abgefragt.
Hure f. ‘Dirne, Prostituierte’, ahd. huora (8. Jh.), mhd. huore, mnd. aengl. hōre, engl. whore, mnl. hoere, nl. hoer, anord. hōra, schwed. hora sowie anord. hōrr, got. hōrs ‘Ehebrecher’, (ablautend) frühnhd. herge, mnd. herge, herie ‘Dirne’ sind wie ahd. (9. Jh.), mhd. huor, aengl. anord. hōr ‘Ehebruch, außerehelicher Beischlaf, Unkeuschheit’ verwandt mit lat. cārus ‘begehrt, lieb, teuer, wert’, lett. kārs ‘lüstern, lecker’, air. caraim ‘liebe’, carae ‘Freund’, kymr. car ‘Freund’. Sie führen auf ie. *kāro- ‘lieb, begehrlich’ bzw. ablautendes ie. *kər-. Zugrunde liegt die Wurzel ie. *kā- ‘gern haben, begehren’, wozu (mit anderem Suffix) aind. kā́maḥ ‘Wunsch, Begehren, Liebe’ gehört. Vom Substantiv abgeleitet
huren Vb. ‘mit Dirnen schlafen’, ahd. huorōn (9. Jh.), mhd. huoren, mnd. hōren, mnl. hoeren, horen, anord. hōra, schwed. hora.
heuern Vb. ‘engagieren, in Dienst nehmen, ein Arbeitsverhältnis auf einem Schiff annehmen’, älter ‘mieten, pachten’, mhd. behūren ‘durch Kauf oder Miete erwerben’, verhūren ‘verkaufen’, frühnhd. (md.) hūren ‘auf Mietpferden reiten, einen Mietwagen fahren’ (15. Jh.), ‘(ab)mieten’ (Anfang 16. Jh.), mnd. hǖren ‘pachten, mieten, ein Schiff chartern’, mnl. hūren, nl. huren ‘mieten, dingen’, aengl. hȳrian, engl. to hire. Dazu das Substantiv
Heuer f. ‘Lohn, den ein Seemann erhält, Anstellung eines Seemanns auf einem Schiff’, älter ‘Pacht, Miete’, asächs. hūria ‘Pacht, Miete’, mnd. hǖre ‘Pacht(vertrag), Miete’, mnl. hūre, nl. huur, aengl. hȳr, engl. hire. Die wohl vom Nd. ausgehenden Wörter bleiben besonders in der Seemannssprache lebendig und gelten mit den dort üblichen Bedeutungen auch in der heutigen Literatursprache. Sichere außergerm. Anknüpfungsmöglichkeiten fehlen, Herkunft ungeklärt. –
abheuern Vb. ‘abmieten’ (15. Jh.), ‘abwerben, abspenstig machen’ (16. Jh.), intransitiv ‘den Schiffsdienst quittieren, abmustern’ (20. Jh.).
anheuern Vb. ‘mieten’ (vereinzelt 18. Jh.), intransitiv ‘ein Arbeitsverhältnis auf einem Schiff annehmen’ (20. Jh.).
Ich wiederhole den Eintrag im DWDS zu "heuern":
"Sichere außergerm. Anknüpfungsmöglichkeiten fehlen, Herkunft ungeklärt."
Während eben die Grimms einen Zusammenhang sahen mit z.B. "geheien" sahen, was zum einen eng an "heiraten" geknüpft war (vereinigen), zum andern aber auch genau ins Gegenteil verkehrt beobachtet wurde im Sinne von "schänden", "besudeln" mit besonderem Fokus auf sexuelle Handlungen der nicht gesitteten, sondern gesellschaftlich verächteten Art. Bzw. im erweiterten, übertragenen Sinn als Umschreibung von "entweihen, die Ehre nehmen".
Wie es in den umfangreichen Zusammentragungen zu "ungeheuer", "Ungeheuer", "geheien" und "Heuer" bei den Grimms anklingt, scheinen sich da - und das DWDS untermauert dies mit seinen Eintragungen - Wörter aus ursprünglich verschiedenen Wortstämmen zu "kreuzen".
Ich finde diesen Ausdruck "kreuzen" ganz schön, weil es über Landschaften oder Epochen hinweg die gegenseitige Beeinflussung von unterschiedlichen Wörtern beschreibt, die u.U. anders gedeutet wurden, aber aufgrund der Ähnlichkeiten aufeinander abgefärbt haben.
So ähnlich vermute ich das bei den Wortbildungen "Heirat" und "Heimat", wo gerade letztes nur ein eng germanisches Wort ist. Ich halte eine 'Kreuzung' dieser beiden Wörter in ihrer Bildung für möglich. Beides enthält richtigerweise "hei-", "hy-", "heu-", und das Wortende "at" könnte überkreuz geschehen sein. Auch wenn für "Heimat" das DWDS das "Od" (wertvoller Rückzugsort, Kostbarkeit) als wahrscheinlich hält im Gegensatz zum "Rat" (Zeugs) in "Heirat". Aber darauf wollte ich sowieso noch einmal näher drauf eingehen irgendwann.
Übrigens fällt mir da der Namenforscher Prof. Udolph ein, der immer betont, dass er sein "Ud" ebenso wie z.B. in "Adolf" oder "Adalbert" eben auf das "Od" zurückführt, das er ebenso in den Worten wie "Adel" und "edel" verortet.
Dass sich unterschiedliche, aber ähnlich gelagerte Worte kreuzen, erleben wir z.B. auch in heutiger Zeit noch. So ist korrekt, "morgens" und "abends" zu schreiben. Vielfach färbt aber die Endung "-ends" auf "morgends" ab. Irgendwann wird sich vielleicht dieser häufige Fehler - eine analoge Interpretation - nicht mehr als Fehler in den Wörterbüchern finden, weil die Menschen eben in ihrem Gebrauch nach ihrem (zwar fehlerhaften) Verständnis dem Wort "morgens" eine neue Erscheinungsform gegeben haben.
(übrigens noch angefacht von der tatsächlich allerdings richtigen Schreibweise in der Verwendung in Partizip-Form: morgendlich)
Jedenfalls ist es interessant, wie wir recht oft immer an sehr ähnlichen Begriffen sozusagen hängenbleiben. Beispielsweise beim "Gehägnis" (ich hab´s hier 'verhochdeutscht') hatte ich
hier im Thread früher schon einmal u.a. auf skandinavisch "hygge" und engl. "hug" hingewiesen. Auf die sprachliche Verwandtschaft zu 'Engel' gehe ich jetzt nicht näher ein. Aber auch da steckt in "hygge" das Urwort "hy", "hi(w)-", "hiu-", "heu-" drin im Sinne von "heimisch", "vertraut", "geheuer". Und dass das Adjektiv "ungeheuer" in Englisch "huge" heisst, ist also nun gar nicht mehr so abwegig, kommt doch vieles im Englischen von den Sachsen aus Angeln. Und der Landstrich Angeln im heutigen Schleswig-Holstein war auch schon mal Dänisch. Also, da hängt vieles miteinander zusammen. Und die einen haben das so benutzt, die andern so.