Autor Thema: Vielfalt und Wandel der deutschen Sprache(n)  (Gelesen 38373 mal)

Offline GregorM

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« Antwort #45 am: 23.04.2026 17:19 »
Lieber Micha und Wolfgang,

Mønster klingt überhaupt nicht wie Monster.

Wir haben übrigens nur drei Spezialbuchstaben: Æ, Ø und Å.

Ø = Ö; und Æ = Ä,, Mit Å ist es schwieriger. Hier gibt es nichts in der deutschen Sprache, das ähnlich klingt. Es klingt wie ein extrem offener O. Der Vokal ist kurz und endet abrupt mit einem Druck. Bei Stadtnamen wie Åbenrå (Apenrade auf Deutsch) schreibt man - wegen e-mail - wieder AA: Aabenraa.

Ü gibt es nicht. Hier verwenden wir immer Y. ß haben wir auch nicht. Z kennen wir nur bei Fremdwörtern wie „Benzin“ und „Zebra“. W existiert auch nur in wenigen Fremdwörtern. W und V werden immer gleich und wie we ausgesprochen.
Gruß
Gregor

Offline MAS

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« Antwort #46 am: 24.04.2026 00:44 »
Welch ein Mordstrum von Text Du da wieder verfasst hast, lieber Wolfgang! ;D

Dänisch ist aber keine deutsche Sprache, so dass das hier genau genommen nicht der richtige Thread dafür ist, sondern allenfalls eine germanische. Sei es trum drum, bleiben wir hier.

Lateinisch "monstrare" für deutsch "zeigen" stimmt als Wurzel für "monsturm/Monster" und dann vielleicht auch vor "Muster/mønster" sicher auch. Gut gedacht! Das kommt dann auch in "Demonstration", "Monstranz" usw. vor. (Die Pastafaris machten dann aus letzterem die "Monsteranz", was ich hier nur nebenbei erwähnten möchte.)

Aber ob "uhyre" und "Ungeheuer" dieselbe Wurzel haben? Immerhin heißt deutsch "ungeheuer" auf Dänisch "enorm", was wir im Deutschen ja auch kennen, und deutsch "geheuer" auf Dänisch "altid", also auf Deutsch zurück "allzeit". Meine Frage ist, ob das dänische "u" dem deutschen Präfix "un" als Verneinung entsprich, ob also "hyre" auch "geheuer" heißen kann. Aber nein, meint der Google-Übersetzer, "hyre" heißt "mieten", ähnlich dem niederländischen "huur", was an die Huren erinnert, deren sexuelle Dienstleistung man mieten kann.

Und nun eine Frage an Gregor:
Spricht man im Dänischen das Å so aus wie im Schwedischen oder anders? Ich frage, weil ich auch immer gelernt habe, man spreche es wie ein offenes O aus, also so wie im bairischen "i hab", was Michael Ende in "Der Goggolori" (vgl. https://michaelende.de/buch/der-goggolori) ja mit "I håb" schreibt. In Schweden lernte ich nun aber, dass man es wie ein geschlossens O ausspricht, also "Småland" wie "Smoland", wenn man es auf Deutsch schreiben würde. Oder wie ist es korrekt mit dem Å in den beiden Sprachen?

LG, Micha

 
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Offline GregorM

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« Antwort #47 am: Gestern um 11:57 »
Lieber Micha

Un auf Deutsch ist meistens u auf Dänisch:

Unsicher = usikker
Unmittelbar = umiddelbar
Undenkbar = utænkelig
Unglaublich = utrolig
Ungesehen  = uset

Beispiele wie man den dänischen Buchstaben å/Å ausspricht, kannst du hier hören:

https://speakdanish.dk/de/kurs/aussprache/alphabet-aa/

Die Aussprache ist im perfekten Dänisch.
Gruß
Gregor

Offline MAS

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« Antwort #48 am: Gestern um 15:52 »
Lieber Micha

Un auf Deutsch ist meistens u auf Dänisch:

Unsicher = usikker
Unmittelbar = umiddelbar
Undenkbar = utænkelig
Unglaublich = utrolig
Ungesehen  = uset

Danke, lieber Gregor!

Was bedeutet aber "hyre" in "uhyre"? "Nicht zu mieten"?




Beispiele wie man den dänischen Buchstaben å/Å ausspricht, kannst du hier hören:

https://speakdanish.dk/de/kurs/aussprache/alphabet-aa/

Die Aussprache ist im perfekten Dänisch.

Whow, die Aussprache ist ja ganz verschieden und von einem offenen o und ou und einem a alles dabei.

Und keines ist so, wie Schweden es z.B. bei "Småland" ooder in "tåg" (dt. "Zug") aussprechen, nämlich eher wie ein normales o. Oder in "hej då" (dt. "tschüß") Vgl. https://de.babbel.com/de/magazine/schwedisches-alphabet

LG, Micha
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Offline Zwurg

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« Antwort #49 am: Gestern um 19:09 »
Die Norddeutschen  und ihre angrenzenden Sprachen und Dialekte sind mir eher unbekannt.
Da ich in Südostbayern zu Hause bin, nur 40 km von der österreichischen Grenze entfernt und meine Vorfahren aus dem Niederbayrischen Donau/bayrischer Wald Gebiet stammen, sind mir die südlichen Dialekte geläufiger.
In letzter zeit sehe ich oft diesen Südtiroler Comedian. (https://www.youtube.com/shorts/7CwfhOBPHOg) Und ich stelle fest das sich die bayrischen Dialekte, Oberbayrisch, Niederbayrisch; Oberpfälzisch, sehr ähnlich zu Oberösterreichisch, Kärtnerisch, Tirolisch ist.
Zumindest kann ich alle problemlos verstehen. Während wenn ich nach Westen gehe mit dem Schwäbischen bereits ab Augsburg schon Probleme haben kann.
Den größten Mut erfordert es den eigenen Weg zu gehen

Offline GregorM

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« Antwort #50 am: Gestern um 21:28 »

Was bedeutet aber "hyre" in "uhyre"? "Nicht zu mieten"?


Das Wort hyre hat mehrere Bedeutungen:

Substantiv:
Et uhyre = ein Ungeheuer. Hyre sollte aus Mitteldeutschem stammen und ursprünglich mit Hure Verbindung haben, und zwar aus der Zeit, wo Hure etwas Schönes war.
Uhyre ist deshelb etwas Unschönes.

En hyre kann auch ein Lohn für Seeleute sein.

En hyrevogn = ein Taxi (veraltet). Vogn = Wagen.

Verbum:
Hyre = etwas für kurze Zeit leihen oder mieten: Man kan hyre en bil = Man kann ein Auto mieten = hire im Englischen.
Normalerweise sagt man doch heute: man kann leje en bil. 
 
Gruß
Gregor

Offline MAS

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« Antwort #51 am: Gestern um 23:04 »
Die Norddeutschen  und ihre angrenzenden Sprachen und Dialekte sind mir eher unbekannt.
Da ich in Südostbayern zu Hause bin, nur 40 km von der österreichischen Grenze entfernt und meine Vorfahren aus dem Niederbayrischen Donau/bayrischer Wald Gebiet stammen, sind mir die südlichen Dialekte geläufiger.
In letzter zeit sehe ich oft diesen Südtiroler Comedian. (https://www.youtube.com/shorts/7CwfhOBPHOg) Und ich stelle fest das sich die bayrischen Dialekte, Oberbayrisch, Niederbayrisch; Oberpfälzisch, sehr ähnlich zu Oberösterreichisch, Kärtnerisch, Tirolisch ist.
Zumindest kann ich alle problemlos verstehen. Während wenn ich nach Westen gehe mit dem Schwäbischen bereits ab Augsburg schon Probleme haben kann.

Lieber Zwurg,

die von Dir genannten Dialekte in Bayern und Österreich und auch in Südtirol gehören alle um Bairischen (mit ai, ohne y). Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Bairisch 
Augsburg gehört nicht mehr zum Bairischen, sondern zum Schwäbischen: https://de.wikipedia.org/wiki/Schw%C3%A4bische_Dialekte

LG, Micha
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« Antwort #52 am: Gestern um 23:07 »

Was bedeutet aber "hyre" in "uhyre"? "Nicht zu mieten"?


Das Wort hyre hat mehrere Bedeutungen:

Substantiv:
Et uhyre = ein Ungeheuer. Hyre sollte aus Mitteldeutschem stammen und ursprünglich mit Hure Verbindung haben, und zwar aus der Zeit, wo Hure etwas Schönes war.
Uhyre ist deshelb etwas Unschönes.

En hyre kann auch ein Lohn für Seeleute sein.

En hyrevogn = ein Taxi (veraltet). Vogn = Wagen.

Verbum:
Hyre = etwas für kurze Zeit leihen oder mieten: Man kan hyre en bil = Man kann ein Auto mieten = hire im Englischen.
Normalerweise sagt man doch heute: man kann leje en bil.

Ja, danke, lieber Gregor!

Aber kam es vom "mieten" oder "leihen" zum "Ungeheuer"? Etwa weil sich ein Ungeheuer schlecht vermieten lässt?
Ich weiß, Sprachen entwickeln sich oft auch unlogisch, aber irgendwie versuche ich immer eine innere Logik oder Plausibilität zu finden.

LG, Michael
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Offline Skirtedman

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« Antwort #53 am: Heute um 01:07 »
Die Norddeutschen  und ihre angrenzenden Sprachen und Dialekte sind mir eher unbekannt.
Da ich in Südostbayern zu Hause bin, nur 40 km von der österreichischen Grenze entfernt und meine Vorfahren aus dem Niederbayrischen Donau/bayrischer Wald Gebiet stammen, sind mir die südlichen Dialekte geläufiger.
In letzter zeit sehe ich oft diesen Südtiroler Comedian. (https://www.youtube.com/shorts/7CwfhOBPHOg) Und ich stelle fest das sich die bayrischen Dialekte, Oberbayrisch, Niederbayrisch; Oberpfälzisch, sehr ähnlich zu Oberösterreichisch, Kärtnerisch, Tirolisch ist.
Zumindest kann ich alle problemlos verstehen. Während wenn ich nach Westen gehe mit dem Schwäbischen bereits ab Augsburg schon Probleme haben kann.

Lieber Zwurg,

die von Dir genannten Dialekte in Bayern und Österreich und auch in Südtirol gehören alle um Bairischen (mit ai, ohne y). Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Bairisch 
Augsburg gehört nicht mehr zum Bairischen, sondern zum Schwäbischen: https://de.wikipedia.org/wiki/Schw%C3%A4bische_Dialekte

LG, Micha

Lieber Micha,

das, was Du versuchst klarzustellen, schien mir in den Aussagen von Zwurg hinreichend bekannt zu sein.

Er meinte ja, dass er mit den Dialekten von etlichen Landstrichen hinweg er keine Verstehensprobleme hätte, aber in eine andere Richtung lediglich einen Landstrich weiter, nämlich Richtung Westen, er schon erheblich Verstehensschwierigkeiten habe, weil eben dort das Schwäbische beginnt.
Dass Männer nur Hosen tragen, ist weder körperlich noch geistig gesund.
Wie tief muss der psychische Knacks wohl sein, dass Männer sich nicht endlich auch mehr Freiheiten gönnen!?

Offline Skirtedman

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« Antwort #54 am: Heute um 02:08 »

Ja, danke, lieber Gregor!

Aber kam es vom "mieten" oder "leihen" zum "Ungeheuer"? Etwa weil sich ein Ungeheuer schlecht vermieten lässt?
Ich weiß, Sprachen entwickeln sich oft auch unlogisch, aber irgendwie versuche ich immer eine innere Logik oder Plausibilität zu finden.

LG, Michael

Ach Micha, ich glaube, das kann keiner von uns ergründen.

Ich hatte ja in meiner ursprünglichen Ausführung zum Wort "Ungeheuer" bewusst das gleichlautende Wort "ungeheuer" weggelassen, weil ich das als ein völlig anderes Wortgebilde aufgefasst hatte. Inwieweit das wirklich vom ungetümen "Ungeheuer" zu trennen ist, bleibt letztlich unklar.

Kurz einwerfen will ich noch, dass es in meiner Region den Ungeheuersee gibt. Dort sagen aber die Heimatforscher, das habe nichts mit dem Ungetüm Ungeheuer zu tun, sondern käme von "unge" und "heuer", das erste bedeutet irgendwie "Weide" und bei "heuer" weiss ich es nicht mehr genau, ob es nun Wiese, Vieh, oder Zaun im Sinne von eingehegtem Gebiet bedeuten soll.

Und schon sind wir mittendrin. Denn "hegen" von "einhegen" (vergleiche "Hag"; vergleiche "Unbehagen") scheint wohl auch mundartlich irgendwie "quälen", "mühen" zu bedeuten im Schwäbischen und im Niederrheinischen. Ebenso "keien". Und dieses "keien" scheint es wohl auch im Bairischen zu geben ("kaien"), auch mit einer eher lästigen Bedeutung. Und das alles hat auch mit dem uns mittlerweile eher unbekannten Wort "geheien" zu tun, was zeitweise über die Jahrhunderte hinweg mal als ein Kraftwort verwendet wurde für etwas abscheuliches, z.B. schwach übersetzt "besudeln" bis hin zu ungewollt begattet zu werden. Auf der anderen Seite wurde es landschaftlich und zeitweise auch immer mal als etwas überaus positives benutzt, sowas wie (sittlich) eine Familie gründen (daher kommt auch "heiraten") oder einen Hausstand mit Haus, Hof, Gesinde, Vieh und Frau. Die Bedeutungen von "geheien" gehen da sehr auseinander und sind sogar sehr widersprüchlich. Vermutlich - so lese ich das bei den Brüdern Grimm heraus - sind diese konträren Bedeutungen wohl damit zu erklären, dass von Gegend zu Gegend und von Zeit zu Zeit die Bedeutungen durch unterschiedliche Deutungen zu erklären sind. Was einem mal ein wohlgesonnenes, erstrebenswertes Ziel war, wurde wann/wo anders als Last, Belästigung gedeutet. Mir scheint, man kann das eher damit erklären, dass manch vertrautes Wort / manch vertrauter Umstand irgendwann mal als überholt gedeutet wurde und man diese Begriffe nur noch verächtlich verwendet hat, so als würde ein Comedian heutzutage ein Abendprogramm abhalten, und ab irgendeinem Punkt des Abends ist klar, dass jedesmal, wenn er fortan "Familie" sagt, ein ganzer Schwall von parodierten Umständen anklingt und das Publikum anfängt bei diesem Stichwort zu lachen.

"geheien" im positiven Sinne (mit Bedeutung ähnlich zu heiraten oder sesshaft werden mit Familienstand gründen) hat wohl sprachlich etwas damit zu tun, dass etwas einem vertraut wird -> geheuer wird. Ist einem etwas nicht ganz geheuer, dann ist es im übertragenen Sinne eben nicht vertraut, nicht geläufig. So kann das Adjektiv "ungeheuer" verstanden werden.
"ungeheuer viel" z.B. wäre dann eine Menge in einem Umfang, welcher einem nicht vertraut ist, also eine Menge, die man sich gewöhnlich dabei nicht vorstellen würde.

Nun vermerken aber die Gebrüder Grimm, dass nicht jedes Wort mit der Vorsilbe un- eine Verneinung sein muss. Eine Verneinung von "schön" wäre "unschön". Vielmehr kann bei etlichen Worten, egal welcher Wortgattung, ein vorgehängtes "un-" auch als Steigerung fungieren. Beispiel: Ungeziefer. Sie hatten noch eine Reihe weiterer Wörter aufgeführt. Ich finde aber die Stelle gerade nicht mehr.

Das mag bei dem Adjektiv "ungeheuer" vielleicht nicht vorliegen - oder doch, sofern man "geheuer" mit "geheien" in Verbindung bringt mit den verschiedenen Richtungen der Bedeutungen.

Es scheint sich das Ungetüm "Ungeheuer" wortmässig aber doch - nicht wie ich anfänglich es versucht habe aufzufassen - mit dem Adjektiv "ungeheuer" zu kreuzen. Und somit ist jede Art von Plausibilität der Wortbildung denkbar, aber auch wiederum widersprüchlich deutbar. Zumal nicht erst die Dänen das "-ge-" in "Ungeheuer" weggelassen haben, sondern auch z.B. das "geheien" auch als "keien", aber auch als "heien" in den überlieferten Schriften verschiedener Jahrhunderte und Regionen auftaucht. Und ist je nach Sichtweise dann das "un-" eine Verneinung? Oder doch eine Steigerung?

Die Hure hat wohl was mit dem Kraftwort "heien" zu tun (was es auch als "heigen" und "heiren" gibt). Allerdings sehen die Grimms das auch als engverwand mit "Harn" und "Urin" und vermuten einen Zusammenhang mit "fließen", Ausfluss, ja dann also auch im Sinne von "besudeln". Wiederum aber verwandt mit "hei", "hy" ("heuer"/vertraut werden, siehe "heiraten"). Und ich lege jetzt noch eine Deutung zu im Sinne von "nehmen": Man nimmt sich die Frau, man nimmt sich das Stück Erde für Haus, Hof, Vieh, man nimmt sich die Hure.
Der Kapitän nimmt sich seine Seeleute. Er heuert sie an. Solange ein Seemann unter der Heuer ist, ist er Teil des Hausstands des Kapitäns. Der Seemann ist geheuert, ja: er ist sogar "geheuer".
Im Sinne von "nehmen"/"sich nehmen" kann man auch die Bedeutung von "mieten" sehen.
Die Hure mietet man. Den Seemann mietet man. Den Hausstand auf Zeit (die Ferienwohnung) mietet man.
Es gibt da ungeheuer viele Möglichkeiten, und so langsam wird einem das dann doch ein wenig geheuer.
Dass Männer nur Hosen tragen, ist weder körperlich noch geistig gesund.
Wie tief muss der psychische Knacks wohl sein, dass Männer sich nicht endlich auch mehr Freiheiten gönnen!?


 

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