Autor Thema: Der Ursprung von Religion  (Gelesen 1132 mal)

Offline Skirtedman

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Der Ursprung von Religion
« am: 01.02.2021 16:40 »
Was könnte der Ursprung sein von Religion?

Eigentlich will ich das zur Stunde gar nicht ausdiskutieren. Dennoch möchte ich ausgehend von diesem Beitrag:
MAS @ Thread "Männer, tragt Röcke. Gott ist auf eurer Seite."
und den inhaltlich vorausgehenden Beiträgen (nun chronologisch sortiert)
Holger Haehle @ Thread "Männer, tragt Röcke. Gott ist auf eurer Seite."
Skirtedman @ Thread "Männer, tragt Röcke. Gott ist auf eurer Seite."
nun doch noch ein paar Gedanken loswerden zu dem oben verlinkten Beitrag von MAS.

Denn diese würden den betreffenden Thread jetzt im Diskussionsfluss beeinträchtigen. Drum nutze ich hier ein neu eröffnetes Thema, um meinen Senf noch beizutragen:

Ich zitiere nochmals alle Aspekte von Michas Beitrag, da sie hier alle irgendwie relevant sind:
Lieber Wolfgang,
wann das Ganze angefangen hat ist ja unklar. Die ältesten Fund, die wir mit Religion in Zusammenhang bringt, sind Gräberfunde aus der mittleren Altsteinzeit. Es wird vermutet, dass, wer seine Toten beisetzt, in irgendeiner Form daran glaubt, dass diese noch leben. Vor allem, wenn Grabbeigaben dabei sind, liegt die Vorstellung nahe, dass die Verstorbenen diese noch gebrauchen werden. Und ob da ein Klüngel bestimmte, wo es lang ging und wie es gemacht wird, weiß keiner. Vielleicht, vielleicht nicht.

Sicher: Wenn Menschen religiöse Erfahrungen machen, die andere nicht machen, und die, die keine haben, die die welche haben als Wissende schätzen und sich von ihnen erklären lassen, wie es sich mit dem Transzendenten verhält, entstehen nach und nach die gemeinten Hierarchien. Dann gab es also irgendwann Schamanen, Propheten, Erwachte, Sieger, Lehrer, Priester, Philosophen, Theologen usw. Seltener -innen.

Und heute, über 1/2 Mio Jahre nach den ersten religiösen Äußerungen von Menschen? Wie sieht es heute mit uns aus? Heute, im Gegensatz zu "früher" sehen wir Religion als ein System neben anderen, wie z.B. Wissenschaft, Kunst, Wirtschaft, Politik, Sport, Technik usw. Und es gibt Menschen, die nicht in all diesen Systemen unterwegs sind, sondern z.B. mit Religion gar nicht am Hut haben.

Micha

Wiederholung Zitat:
Zitat
Es wird vermutet, dass, wer seine Toten beisetzt, in irgendeiner Form daran glaubt, dass diese noch leben.

Sehen das alle Wissenschaftler so?
Ich kann mir denken, dass diese Sichtweise sehr geprägt ist von der in christlicher Tradition stehenden Wissenschaft oder von Wissenschaftlern, die in der Denkweise von jenseitigen Heilsvorstellungen anderer Religionen aufgewachsen sind.

Ich kann mir vorstellen, dass der Beginn von Beisetzungen mit einer Intention belegt war, die Verstorbenen nicht fleisch- und aasfressenden Tieren (oder gar Menschen anderer Sippen) preiszugeben.
Ob die Ursache im Mitgefühl, Andenken, in der Ehrfurcht oder der Trauer an, in oder vor den Verstorbenen liegt, Beisetzungen zu starten, wage ich zu bezweifeln.

Ich denke, es wird zunächst die Entdeckung gewesen sein, durch besonnenes, geplantes Handeln auf diese Weise eben wilde Tiere nicht anzulocken und ein bewohntes Gebiet deswegen nicht aufgeben zu müssen, weil eine Leiche Wildtiere anlockt bzw. um die Verstorbenen nicht ausserhalb des eigenen Lebensradiusses hinaustragen zu müssen. Eine Leiche etliche Kilometer weit wegtragen zu müssen, wird wohl beschwerlicher gewesen sein als in relativer Nähe ein Erdloch auszuheben und anschließend wieder zu zu schütten. Oder einen schweren Steinhaufen über einer Leiche zu errichten.

Ich glaube, das Wissen darum, einen Steinhaufen errichten zu können, oder eine Begrabung durchzuführen, wird im Anschluss erst im Zuge der Weitergabe dieses Wissens dazu geführt haben, ein Andenken an die Verstorbenen, eine Ehrung der Verstorbenen und in Folge auch eine Trauer um die Verstorbenen zu entwickeln.
Und in Folge von all diesem wird sich meiner Vorstellung nach erst ein mystisches Verständnis von nach-todigem Heilsversprechen entwickelt und etabliert haben, das ja wohl in jeder Religion zentraler Bestandteil ist.

Ich kann mir vorstellen, dass der Umgang mit Toten aber nicht der primäre Ursprung von Religion gewesen sein wird. Bestimmt wird in dieser Phase schon eine Fähigkeit bestanden haben, sich mittels differenzierterer Sprache zu verständigen. Ich kann mir vorstellen, dass schon ein 'kulturelles' Verständnis von Links und Rechts im Sinne von relativen Ortsangaben vorhanden gewesen ist, und Erscheinungen wie Wasser, Wasserfall, Regen, Himmel, Sonne, Wind, Mensch, Leben und abstraktere Dinge benannt werden konnten.

Die eigene Unversehrtheit, das eigene Leben und Überleben musste gemeinsam gemeistert werden und bald nach Beginn der feineren sprachlichen Kommunikation werden sich Ängste und Ehrfurcht vor lebensbedrohenden Dingen und vor denen, die man damit in Zusammenhang gebracht hat, geäussert haben.

Und genau hier möchte ich die Ursprünge von Religion verorten - sofern sie überhaupt nur dem Menschen zueigen sind.

Heilsversprechen werden sich dann entwickelt haben, Sonnenkulte, Verehrung der Jagdbeute und Ratschläge - Wissensweitergabe - werden sich in konstruierten übersinnlichen Zusammenhängen ausgedrückt haben.

Die spätere Fähigkeit, die Toten - despektierlich gesagt - zu verscharren, wird dann erst weitere Bewusstseinebenen eröffnet haben, wie zum Beispiel das Konzept des endlichen Lebens, der Verlust von personengebundenen Weisheiten und später die erahnten Heilsversprechen von einem Weiterleben nach dem Tode - und allem, was sich nach und nach daraus ableiten ließ.

Der 'Klüngel', der MAS oben erwähnt, den ich in meinem obigen verlinkten Beitrag zum andern Thread einführte, gemeint als religiöse Führerschaft, der wird sich dann nach und nach entwickelt haben. Vermutlich war er - nach meiner gängig geprägten Vorstellung - lange zunächst auf eine einzige spirituelle Führungsperson innerhalb einer Sippe beschränkt gewesen sein. Vielleicht war die spirituelle Führungsperson auch identisch mit dem Anführer der Sippe, wobei bei zunehmender Professionalisierung, wo mehr als nur die Aufgaben "Mann" und "Frau" zu verteilen waren, bestimmt der Anführer sich mehr auf seine Fähigkeiten konzentriert haben wird und die Funktion des geistigen Zusammenhalts in die Hände einer anderen Person gelegt worden sein wird, kann ich mir vorstellen - vielleicht in die Hände des ehemaligen Anführers, sofern er den neuen noch erlebt hat.

So wird die geistige Führung mal mehr, mal weniger eng mit der Entscheidungsgewalt verflochten gewesen sein. Diese spirituelle Führungsperson wird noch ein, zwei Eingeweihte (Diener) an seiner Seite gehabt haben, um sie zur Nachfolge heranzuführen.

Und erst als man anderen Sippen nicht mehr genügend aus dem Weg gehen konnte, werden sich die Erklärungsmuster der geistigen, kultischen Wissenden verschiedener Sippen verschmolzen haben und der Bereich der Wissenden wird sich auf mehr Personen vergrößert haben. Ab da, wo ein Vorstellungsaustausch unter den Sippen stattfand, ab da, stelle ich mir vor, kann man vom Beginn einer institutionellen Religion sprechen.

Und mit dieser Erkenntnis beende ich mal meinen geistigen Erguss.


« Letzte Änderung: 01.02.2021 16:50 von Skirtedman »

Offline MAS

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Antw:Der Ursprung von Religion
« Antwort #1 am: 01.02.2021 19:17 »
Hey Wolfgang,

hast Du schon mal darüber nachgedacht, einen prähistorischen Roman zu schreiben?

Also, man weiß solche Dinge, wie Du sie gerade gut nachvollziehbar Dir ausgedacht hast, nicht so exakt. Schriftliche Quellen sind allerhöchsten 7000 Jahre alt, also vergleichsweis neu. Man hat nur Materialfunde in Form von Knochen und von Gegenständen. Ich müsste jetzt nachschauen, welche Funde wie alt sind, und innerhalb des Zeitraumes von Mittelaltsteinzeit zur Jungsteinzeit hat sich einiges entwickelt, das aber auch interpretiert werden muss. Und nein, ALLE Wissenschaftler sind nie einer Meinung.

Es gibt jedenfalls Gräberfunde unter Herden. D.h. die Toten waren mitten im Wohnbereich beigesetzt. Sicher waren das Zeitbestattungen der Knochen nach der Verwesung des Fleisches, die wohl wonanders vor sich gegangen ist. Es gibt Schmückungen der Knochen, und es gibt Grabbeigaben. Es gibt auch Deponierungen von Schädeln der Toten im Wohnbereich oder an der Tür oder außerhalb der Grenze des Sippenbereiches.

Letzteres gibt es heute noch bei einem Volk in Ostsibirien. Dort markiert man die Grenze des eigenen Territoriums damit und sagt so zu den Nachbarn: Hier wohnen wir, hier wohnten schon unsere Ahnen, das ist unser Land.

Das zeigt jetzt auch, dass man immer wieder mal von heutigen indigenen Völkern auf die Prähistorie schließt, was nicht unumstritten ist.

Und es gibt noch eine Quelle für die Interpretation: Psychologie. Dass wir uns die Anwesenheit von nicht anwesenden Personen denken können ist ab einem gewissen Alter möglich. Dass wir uns mit dem Tod nicht gerne abfinden, ist auch allgemein menschlich. Beides zuammen genommen ermöglicht die Vorstellung einer Anwesenheit von weiterlebenden Verstorbenen. Ahnenverehrung ist bei vielen indigenen Völkern vorhanden. Das aus den Vorstellungen von lebenden Ahnen die Vostellung von mächtigen Ahnend wurde und aus diesen die Vorstellungen von Göttern ist möglich und erscheint mir sehr plausibel.
Auch Naturphänomene wurden oft vergöttlicht. Dem geht voraus, dass wir Menschen oft unpersönliche Bewegungen personalisieren. Das liegt uns in den Genen, vielleicht, weil es unser Überleben erleichterte, hinter unpersönlichen Bewegungen Absichten anzunehmen, vor allem, wenn es gefährliche Absichten waren, vor denen man sich schützen wollte.

Das mal so auf die Schnelle. Bin heute etwas krocki von langen technischen Onlineklausurvorbereitungen und habe gleich noch einen interrel. Dialog via Telefonkonferenz. Vorher muss ich aber noch spülen. Und vielleicht kann ich noch ein paar Minuten meditieren.

Literaturtipp: https://www.springer.com/de/book/9783642553318

LG, Micha
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Offline culture skirt

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Antw:Der Ursprung von Religion
« Antwort #2 am: 01.02.2021 21:02 »
und innerhalb des Zeitraumes von Mittelaltsteinzeit zur Jungsteinzeit hat sich einiges entwickelt, das aber auch interpretiert werden muss.
Wieso interpretiert? Da schwurbelt doch dann wieder jeder sein Fantasie rein, die er für richtig hält. So funktioniert Wissenschaft nicht. Es gibt ein eindeutiges Ziel mit einer klaren Definition, wofür was verwendet oder gebaut wurde. Das muss erforscht werden.

Offline MAS

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Antw:Der Ursprung von Religion
« Antwort #3 am: 01.02.2021 21:44 »
und innerhalb des Zeitraumes von Mittelaltsteinzeit zur Jungsteinzeit hat sich einiges entwickelt, das aber auch interpretiert werden muss.
Wieso interpretiert? Da schwurbelt doch dann wieder jeder sein Fantasie rein, die er für richtig hält. So funktioniert Wissenschaft nicht. Es gibt ein eindeutiges Ziel mit einer klaren Definition, wofür was verwendet oder gebaut wurde. Das muss erforscht werden.

Das wäre keine Wissenschaft nach heutigen Standards und erkenntnistheoretischem Wissen, Jule, sondern fundamentalistische Wissenschaftsgläubigkeit.

LG, Micha
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Offline chris-s

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Antw:Der Ursprung von Religion
« Antwort #4 am: 01.02.2021 22:50 »
Also ich finde diese Übersicht recht hilfreich.
Ein anderes: Joseph Campbell, Mythologie der Urvölker (heute leider vergriffen, nur noch über ZVAB und teuer) zeigt, dass Rituale schon in der Altsteinzeit existiert haben.  Die Ergebnisse der Archäologie bringen da immer wieder erstaunliches zum Vorschein, wie z.B., dass Neandertaler ihre Kinder auf einem Bett von blauen Blumen bestattet haben.
Religion ist zum einen der Versuch Geschehnisse zu erklären, die zu jenem Zeitpunkt nicht erklärbar waren und diese einer transzendenten Macht zuzuweisen (Bsp. Donnergott)
Andererseits werden die Geschöpfe verehrt, die dabei helfen, zu überleben. Bsp. Rinder Kühe, Stiere -> Taurus
Ein weites Feld.
Evtl. könnte man dazu mal eine Zoom- oder Skypekonferenz machen?
Sapere aude !

Offline culture skirt

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Antw:Der Ursprung von Religion
« Antwort #5 am: 01.02.2021 23:41 »
Das wäre keine Wissenschaft nach heutigen Standards und erkenntnistheoretischem Wissen, Jule, sondern fundamentalistische Wissenschaftsgläubigkeit.

LG, Micha
So nach dem Motto, man will dass jeder ein Stückchen recht hat, oder dass jeder ein Stückchen erster Platz sein soll, oder wie? Darauf läuft dieser erkenntnistheoretischem Schwachsinn hinaus.

Gruß
Jule

Evtl. könnte man dazu mal eine Zoom- oder Skypekonferenz machen?
Bloß nicht.
« Letzte Änderung: 01.02.2021 23:43 von culture skirt »

Offline MAS

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Antw:Der Ursprung von Religion
« Antwort #6 am: 02.02.2021 00:08 »
Jule, wenn Du mitreden willst, bemühe Dich bitte um eine sachliche und freudliche oder zumindest höfliche Sprache!




Lieber Chris,

Rituale gibt es auch schon bei Tieren, allerdings wohl nicht religiös, z.B. Balzrituale. Demzufolge nehme ich an, dass auch bei Menschen Rituale, also rein technisch-zweckrational betrachtet zwecklose Verhaltensweisen, die aber soziale oder psychische Wirkungen haben, vor ihrer religiösen Verwendung existiereten. Neandertalern traue ich aber auch Religion zu, denn sie waren keineswegs dümmer als Homines sapientes. Nur sozial hatten sie ein Manko: Sie kümmerten sich zu wenig um Verletze, während unsere direkten Vorfahren das taten. Ich las, dass dieses soziale Verhalten ein Evolutionsvorteil gewesen sei bzw. ihr Fehlen ein Nachteil für die Neandertaler.

Das Erklären von Naturphänomenen ist sicher ein Grund auch für die Entwicklung religiöser, vor allem kosmologischer Vorstellungen. Aber meines Erachtens ist sind es vor allem Kontingenzerfahrungen, die das bewirkten, vor allem die Erfahrung der eigenen Endlichkeit, Sterblichkeit. Religiöse Vorstellungen helfen, dem zu begegnen, damit Frieden zu schließen, z.B. eben durch Vorstellungen eines Lebens nach dem Tode. Und religiöses Denken stiftet Sinn. Diese beiden Funktionen, Kontingenzbewältigung und Sinnstiftung oder -deutung sind auch heute noch die zentralen Funktionen von Religion, die ihner die Wissenschaft nicht streitig macht.

Und letzteres wäre auch noch mal zu Holger zu sagen, der vor allem die soziale Funktion, Verhaltensregeln, Moral, Ethik zu vermitteln, als Aufgabe der Religion angibt. Aber das ist nur eine Funktion, und meines Erachtens nicht die zentrale.

LG, Micha
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Offline Skirtedman

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Antw:Der Ursprung von Religion
« Antwort #7 am: 02.02.2021 01:42 »
Danke für Eure Literaturvorschläge.

Besonders Michas Buchtipp hat mich ohne großes Zögern angesprungen. Vielleicht werde ich mich mal bei gegebener Zeit diesem Werk anvertrauen.


Literaturtipp: https://www.springer.com/de/book/9783642553318


Offline culture skirt

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Antw:Der Ursprung von Religion
« Antwort #8 am: 02.02.2021 01:48 »
Neandertalern traue ich aber auch Religion zu, denn sie waren keineswegs dümmer als Homines sapientes. Nur sozial hatten sie ein Manko: Sie kümmerten sich zu wenig um Verletze, während unsere direkten Vorfahren das taten. Ich las, dass dieses soziale Verhalten ein Evolutionsvorteil gewesen sei bzw. ihr Fehlen ein Nachteil für die Neandertaler.
Wie will man das bitte nachweisen ob die sozialer waren oder nicht? Der Neandertaler hatte einfach nur Pech, es gab zu wenige, wie bedrohte Tierarten, die in zu kleinen Gruppen leben und am Ende aussterben können. https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/neandertaler-warum-sie-ausgestorben-sind
Die Sozischiene wird nur ausgerollt, weil sie gerade perfekt in den Zeitgeist passt. Emotionen statt Vernunft.

Im Vergleich zum Neandertaler hatte der Homo Sapiens aber einen entscheidenden arterhaltenden Vorteil: Er lebte polygam. Der Neandertaler hingegen lebte monogam.
Da sich Arten, bei denen die Partner häufig wechseln, besser verbreiten, hat es der Homo Sapiens wahrscheinlich geschafft, in Europa zu überleben. Überspitzt ausgedrückt, könnte dem Neandertaler seine Treue zum Verhängnis geworden sein.


Gruß
Jule

Waldi

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Antw:Der Ursprung von Religion
« Antwort #9 am: 02.02.2021 02:03 »
und innerhalb des Zeitraumes von Mittelaltsteinzeit zur Jungsteinzeit hat sich einiges entwickelt, das aber auch interpretiert werden muss.
Wieso interpretiert? Da schwurbelt doch dann wieder jeder sein Fantasie rein, die er für richtig hält. So funktioniert Wissenschaft nicht. Es gibt ein eindeutiges Ziel mit einer klaren Definition, wofür was verwendet oder gebaut wurde. Das muss erforscht werden.

Mal ehrlich, merkst Du nicht, was da passiert?
Ein Thema wird freundlich formuliert eröffnet, damit man da neutral drüber reden kann.
Und Dein erster Beitrag dazu ist erst mal aggressiv formuliert. Und dann mit angbeblich absoluten Feststellungen al la "so funktioniert Wissenschaft nicht. Es gibt ein eindeutiges Ziel mit einer klaren Definition, wofür was verwendet oder gebaut wurde" was einfach nicht stimmt.

Theologie und Ethik sind nicht meine Themen, da kann ich nur lesen und lernen. Aber in der Elektrotechnik bin ich zu Hause und da weiß ich von vielem, was wie erfunden wurde. Da trifft es oft gefunden viel besser. Schwingungen in elektrischen Schaltkreisen wurden wegen auftretender Störungen entdeckt und dann erforscht. Heute geht ohne die nichts mehr, die hat niemand bewusst gesucht, die traten auf. Induktion als Grundlage der Stromerzeugung hat man per Zufall entdeckt. Niemand hatte das Ziel Induktion zu erfinden. Sehr viele heute technische Errungenschaften und teils auch bahnbrechende Maschinen wurde für ganz andere Sachen probiert, verworfen und rein zufällig dann für heute unersetzliches Genutzt. also genau das Gegenteil dessen, was Du hier harsch formuliert als absolute Wahrheit raus posaunst.

In der Sache also mal wieder daneben, wie hier so oft.

Viel schlimmer finde ich aber das Formale. Zum einen trägst Du rührselige Geschichten vor, in denen Du als das arme Opfer Deiner Neigung von niemand gemocht wirst. Und dann hat es hier im Forum eine ganze Reihe Leute, die wahrlich geduldig und empathisch auf Dich ein gehen. Und wie "dankst" Du das?

Da würde ich mal drüber nachdenken. All die anderen angeblichen gedanklichen Errungenschaften sind nichts als heiße Luft und hier wie so oft einfach mal wieder falsch.

Und ganz nebenbei beschriebt Deine Theorie oben genau den Kreationismus, den Typen wie Trump immer postulieren. Nicht beschweren wenn man immer mit solche Leuten gleich gesetzt wird. Solange man deren falsche und krude Theorien widerkaut ist man eben mit denen in einem Boot.
« Letzte Änderung: 02.02.2021 02:05 von Waldi »

Offline culture skirt

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Antw:Der Ursprung von Religion
« Antwort #10 am: 02.02.2021 02:12 »
Und Dein erster Beitrag dazu ist erst mal aggressiv formuliert.
Wenn du meinen Satz aggressiv liest, klingt er aggressiv.
Er ist deswegen nicht aggressiv geschrieben.

Offline Skirtedman

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Antw:Der Ursprung von Religion
« Antwort #11 am: 02.02.2021 02:28 »
und innerhalb des Zeitraumes von Mittelaltsteinzeit zur Jungsteinzeit hat sich einiges entwickelt, das aber auch interpretiert werden muss.
Wieso interpretiert? Da schwurbelt doch dann wieder jeder sein Fantasie rein, die er für richtig hält. So funktioniert Wissenschaft nicht. ...

Und doch, genau so funktioniert Wissenschaft.

Wissenschaft schafft Wissen auf der Basis des aktuell Beobachtbaren und darauf, was man daraus aus der aktuellen Vorstellungswelt daraus schussfolgern kann. Da steckt jedesmal Interpretation und Vermutung dahinter, auch in den harten Wissenschaften wie Physik. Die basieren zwar überwiegend auf reproduzierbaren Beobachtungen und Experimenten, unterliegen aber in der Auswertung immer wieder den Interpretationen derselben. Neuere Beobachtungen liefern immer wieder neue Hinweise auf neue Interpretionsmöglichkeiten und ergänzen den alten Wissensstand um neue Erkenntnisse. So vermehrt Wissenschaft den Wissensstand, und stößt alte Interpretationen um und fügt neue Interpretationen hinzu. So funktioniert Wissenschaft. Auch Physik, Mathematik, Geowissenschaften. Je geistiger, desto schwieriger wird es dem Laien, aktuelle Erkenntnisse (Interpretationen) nachzuvollziehen. Das mindert aber nicht die Leistungen der Wissenschaften.

Wissenschaft ist lebendig und kein gebundenes Buch verabschiedeter ISO-Normen.
« Letzte Änderung: 02.02.2021 02:29 von Skirtedman »

Waldi

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Antw:Der Ursprung von Religion
« Antwort #12 am: 02.02.2021 02:48 »

Da steckt jedesmal Interpretation und Vermutung dahinter, auch in den harten Wissenschaften wie Physik.


Schönes Beispiel ist die Kopenhagener Interpretation.
Das ist eine Quantentheoretische Deutung die im Endeffekt die Dualität von Licht als einerseits Welle und andererseits als Teilchen in ihrem Widerspruch auflöst.

Kurz gesagt, eine der wichtigsten Formen unserer Wahrnehmung kennt keine saubere Erklärung, wir brauchen eine Interpretation um das zu erklären, weil es sonst immer einen sauberen Beleg gibt, dass es anders wäre. Interferenzen sind nur mit Wellen erklärbar, die Streuung von Licht an Spalten auch. Photovoltaik ist nur mit Teilchen erklärbar und Beides stimmt gleichzeitig.

Sogar Einstein hat mit der Theorie gehadert und die mit "Gott würfelt nicht" betitelt. Am Ende hat er den Urhebern Bohr und Heisenberg auch nicht aufzeigen können, wie das anders erklärt werden kann.

Mir hat die Sache immer viel Freude bereitet, wenn jemand ganz genau was weiß. "Offensichtlich" ist eine Ableitung von Sicht, was wiederum mit Licht geschieht und wenn Licht nicht mal eindeutig ist, sondern eine Interpretation nötig ist um die widersprüchliche Erklärungen zusammen zu führen, wie sicher ist dann "Offensichtliches"

Offline MAS

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Antw:Der Ursprung von Religion
« Antwort #13 am: 02.02.2021 08:23 »
Neandertalern traue ich aber auch Religion zu, denn sie waren keineswegs dümmer als Homines sapientes. Nur sozial hatten sie ein Manko: Sie kümmerten sich zu wenig um Verletze, während unsere direkten Vorfahren das taten. Ich las, dass dieses soziale Verhalten ein Evolutionsvorteil gewesen sei bzw. ihr Fehlen ein Nachteil für die Neandertaler.
Wie will man das bitte nachweisen ob die sozialer waren oder nicht? Der Neandertaler hatte einfach nur Pech, es gab zu wenige, wie bedrohte Tierarten, die in zu kleinen Gruppen leben und am Ende aussterben können. https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/neandertaler-warum-sie-ausgestorben-sind
Die Sozischiene wird nur ausgerollt, weil sie gerade perfekt in den Zeitgeist passt. Emotionen statt Vernunft.

Im Vergleich zum Neandertaler hatte der Homo Sapiens aber einen entscheidenden arterhaltenden Vorteil: Er lebte polygam. Der Neandertaler hingegen lebte monogam.
Da sich Arten, bei denen die Partner häufig wechseln, besser verbreiten, hat es der Homo Sapiens wahrscheinlich geschafft, in Europa zu überleben. Überspitzt ausgedrückt, könnte dem Neandertaler seine Treue zum Verhängnis geworden sein.


Gruß
Jule

Guckst Du hier: https://www.swr.de/wissen/1000-antworten/kultur/1000-antworten-2656.html
Die verschiedenen Thesen schließen einander ja nicht aus.

LG, Micha
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Offline MAS

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« Antwort #14 am: 02.02.2021 08:27 »
Wir interpretieren ständig: https://de.wikipedia.org/wiki/Interpretation. Schon alleine dass ich aus diesen schwarzen Mustern auf weißem Grund Sinn entnehmen kann und lesen kann, was ein anderer mit schreibt, ist Interpretation. Schon alleine, dass ich das Ding mit diesen Mustern auf Knöpfen als Tastatur wahrnehme, ist Interpretation. Aber man kann das Wort auch enger fassen. Um zu erkennen, in welchem Sinn ein Wort gemeint ist, muss man interpretieren. Und man kann dabei auch daneben liegen.

LG, Micha
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