Wie schon öfters mal gesagt wurde bedeuteten Hosen für Frauen auch gesellschaftlichen Aufstieg. Dass das für Männer auf andere Weise, nämlich als Zugewinn von Lebensqualität nicht viel anders ist, erkennen zu wenige. Man muss eine gewisse innere Unabhängigkeit haben, um sich die Freiheit des Rocktragens nehmen zu wollen.
LG, Micha
Den letzten zwei Sätzen kann ich zustimmen.
Das mit dem "gesellschaftlichen Aufstieg" hört man immer wieder und klingt auch auf Anhieb erstmal plausibel.
Gerne wird in diesem Zusammenhang dann aber auch immer wieder erklärt, dass darum der Mann nicht zu Rock oder Kleid greife, greifen wird und greifen soll. Entweder als Vorwurf, dass er Frauen noch immer nicht die gleichberechtigte Wertschätzung entgegenbringt. Oder als Entschuldigung, dass er ja nicht - gleicher Wortlaut: - "gesellschaftlich absteigen" wolle.
Dieses Streben der Frauen nach den Symbolen des 'Höherwertigen' deklariert aber auch, dass das traditionelle und heute noch weitverbreitete Rollenbild des Mannes höhergestellt sei. Die Hose als Aufstieg zu werten, hat etwas sehr patriarchalisches in meinem Augen. Es hat etwas problematisches, das traditionelle Aufgabenfeld von Frauen mit Heim (Haus, Wohnung) und Kindern abzuwerten, finde ich. Auch diese Aufgaben sind essenziell wichtig, finde ich, und achtenswert und haben einen gesellschaftlichen Wert, der dem Geldverdienen des Mannes ebenbürtig ist. Sicherlich, mittlerweile gibt es etliche technische Helferlein, die dieses Aufgabenvolumen um Heim und Kind zu erleichtern; auch menschliche Helferlein, z.B. Kindergärten, wo entsprechend kleine Kinder versorgt werden können. Vielleicht hat dieser traditionell wichtige Bereich 'Heim und Kind' (nicht zu verwechseln mit Kinderheim...

) inzwischen diese Wertigkeit eingebüßt.
Aber auch ohne Hose hätten Frauen sicherlich ihren "gesellschaftlichen Aufstieg" in Rock und Kleid schaffen können, wenn damit das Arbeitengehen und die von männlicher Willkür befreite finanzielle Unabhängigkeit gemeint ist. Nungut, als Straßenbauerin o.ä. hätten dann manche Frauen ohnehin aufgrund des Jobanspruchs zu Hosen gefunden.
Demgegenüber wäre es schön, es gäbe Jobs, bei denen Männer aufgrund des Jobanspruchs zu Röcken finden würden...Also die Verkürzung, dass die Hose für die Frau einen Aufstieg bedeutet hätte, finde ich genau betrachtet ziemlich problematisch. Ich glaube, eine wesentlich bessere Beschreibung der Hoseneroberung ist, dass Frauen einfach Lust hatten, nicht mehr auf Rock oder Kleid festgeschrieben zu werden, sondern eben auch Lust auf Hosen hatten.
Dass unter feministischen (auch ein -ismus!!) Gesichtspunkten die Hose auch das Symbol war, in den 'Herrschaftsbereich' der Männer einzudringen, ist sicherlich zutreffend.