Autor Thema: Geschichten aus dem Palauner Garten.  (Gelesen 553 mal)

Offline culture skirt

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Geschichten aus dem Palauner Garten.
« am: 24.07.2021 22:46 »
Vorhin auf dem Heimweg als ich die Straße überqueren wollte, bin ich an einem Grundstück vorbei gekommen wo eine Familie draußen saß und sich laut über Gender unterhielten. Der Garten grenzt direkt am Fußweg und der Zaun ist durch eine Bauplane bedeckt, so dass mich davor niemand sehen kann. Zwei Männer, zwei Frauen. Davon eine junge der Stimme nach zu urteilen. Los ging es mit Kuhmilch und Muttermilch,  da wusste ich schon worauf das hinaus läuft. Die diskutierten dann, dass damit die Abgrenzung zur Kuhmilch deutlich gemacht werden solle. Warum es nun Menschenmilch heißen soll, wenn nur Mütter Milch geben, war dem Mann und der anderen Frau logischerweise unverständlich. Durch die vorbeifahrenden Autos konnte ich nicht den ganzen Gesprächsverlauf hören und habe somit die Übergänge nicht nachvollziehen können sowie den Anfang der Unterhaltung.
Die junge Frau muss aus dem Westen kommen,  da es dann mit Zigeunerschnitzel und Schwarzbrot weiterging und das das Beispiel mit Ossischnitzel, anbrachte, wenn die mal zu Besuch bei ihr im Westen sind und wie er darauf reagieren würde, worauf der Mann dann sagte, och  dass wir Ossis sind, sind wir längst gewöhnt. Das hebt mich doch nicht an.
Die junge Frau sagte darauf weiter, dass ihr das Gendern auf Arbeit echt anstrengend wird und sie nicht mehr weiß, wie sie noch richtig Anschreiben verfassen solle.
Hallo. Guten Tag. Du da. kamen von den anderen als Antwort  :D
Achso, alle sprachen Gender mit G statt mit Gsch aus.   ::)
Dann ging der Wechsel zu Jungs in Mädchenkleidung und Mädchen in Jungenkleidung über, dass das in Kindergärten von den Erziehern bereits in Rollenspielen umgesetzt wird und die Kinder gar nicht verstehen was von denen abverlangt wird, für die ist das nur Fasching, die Mädchen haben einfach ihren Spaß ohne zu verstehen warum sie das machen müssen, die Jungs beschämt man dagegen, sagte die junge Frau, was zu weit geht.

Bevor ich weiter ging, unterhielten sie sich noch, was man sagen müsste, wenn jemand vor einem fährt. "
Vordermann".
"Es kann auch eine Frau im Auto sitzen, was du meistens nicht siehst, wer vor dir drin sitzt."
"Vordermensch"
"Aor, so ein Scheiß. Siehste, genau das meine ich. Völliger Blödsinn mit dieser Genderei. Die sollen die Sprache so lassen wie sie ist."

Nunja, jedenfalls war das Gespräch im großen und ganzen über Gender wie erwartet sehr ablehnend auf beiden Seiten und dass das von oben runter diktiert wird, auch wenn die junge Frau sich dafür in gewissen Teilen einsetze (nur bei der Sprache, nicht bei der Kleidung) und Beispiele wie mit dem Ossischnitzel und Negerkuss hervorbrachte.
Mann: "Du kannst ja deine Meinung haben und andere können tun, was sie für richtig halten, aber du musst auch meine Meinung akzeptieren und ich halte Gender für Blödsinn. Wo fangen wir da an und wo hören wir auf. Da müssen wir auch Schwarzbrot verbieten zu sagen".

Es war jedenfalls mal interessant, wie Leute darüber unverblümt reden, wenn niemand anderes anwesenden ist, dem das zum beispiel betrifft, wodurch aus Höflichkeit das Gespräch oft verfälscht wird. Über 80 % werden das Gendern sehr wahrscheinlich ablehnen, so wie diese Familie. Studien sprechen allerdings von  nur 75%. Ich setze die Prozentzahl um einiges höher an.

Das ganze erinnerte mich dann etwas an das  https://www.youtube.com/watch?v=rpjA5tL3ZP8 ;D

Ich wolltes mal anbringen, dass spätstens bei der Kleidung auch bei den Genderbefürwörtern ende im Gelände ist.

Gruß
Jule

Offline JoHa

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Antw:Geschichten aus dem Palauner Garten.
« Antwort #1 am: 24.07.2021 23:21 »
Es hat in der Vergangenheit immer wieder Bestrebungen gegeben, die Sprache für seine politischen Ziele zu kapern.
Man denke an die Eindeutschungen (Gesichtserker statt Nase) und an das Gendern. Was nicht alltagstauglich ist, wird durch den Kakao gezogen und dann vergessen.
Das Evidente muß nicht propagiert werden, um zu leben, sondern das Verordnete, das Aufgezwungene.
Tucholsky formulierte das mal so: "man braucht keinen Verein zur Förderung des weichen Umlegekragens, der setzt sich von alleine durch."
Wie man sieht, hat der "Vatermörder" sorry, die Erzeugendenmörderin- schon seit langem verloren. Wer trägt noch steife Kragen? Wer gendert noch, wenn er ernstgenommen werden will?
Nicht Johannes. Joachim!

Offline MAS

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Antw:Geschichten aus dem Palauner Garten.
« Antwort #2 am: 25.07.2021 00:47 »
Was es nicht alles für Gespräche gibt!

Übrigen sind Kühe auch Mütter, wenn sie Milch gehen. Ohne geht es nicht.

LG, Micha
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Offline culture skirt

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Antw:Geschichten aus dem Palauner Garten.
« Antwort #3 am: 25.07.2021 11:11 »
Darum heißt es Kuhmilch und nicht Rindermilch, Bullenmilch oder Muttermilch. Kuh ist das weibliche Hausrind (Auerochse).
Das männliche Hausrind ist der Bulle (nur so, damit es nicht zu Verwechslung mit dem Wort Rind kommt).


Offline MAS

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Antw:Geschichten aus dem Palauner Garten.
« Antwort #4 am: 25.07.2021 11:32 »
Liebe Jule,

Auerochsen oder Ure sind eine ausgestorbene Rinderart, die es früher hier wild gab. Die Hausrinder stammen von ihnen ab, sinder aber nicht mehr identisch damit. Am ehesten ähneln ihnen die Heckrinder. Bauern nennen übrigens auch Kühe, die noch nicht gekalbt haben, "Rinder", soviel ich weiß.

Eine Kuh kann ein weibliches Rind sind, aber auch bei Hirschen spricht man von Kühen und auch bei einigen anderen Tierarten. Nicht aber z.B. bei Ziegen und Schafen, die auch Milch geben. Ja gut, Milch geben alle Säugetiermütte, aber manches wäre zum Mäusemelken, würden wir ihnen die Milch abzwacken wollen. Jedenfalls sind sie alle Mütter, egal ob Rindermütter, Ziegenmütter, Mäusemütter oder eben Menschenmütter. Die Milch unterscheidet sich also nicht danach, ob sie von einer Mutter stammt oder von einem Vater oder auch von einem weiblichen Tier, das keine Mutter ist, da diese alle gar keine Milche geben (oder nur in Ausnahmen), sondern danach, von welcher Art sie stammen: Rind, Ziege, Maus, Mensch usw.
Deswegen passt "Menschenmilch" eigentlich ganz gut. Geht es aber darum, auszudrücken, dass das Kind Milch von seiner eigenen Mutter bekommt und nicht von einer anderen, passt "Muttermilch" auch, wenn man dazu denkt "Eigenmuttermilch".
Es kommt, wie so vieles, auf den Gesprächskontext an. Eben hörte ich einen Betrag über Paul Watzlawick, der herausgefunden hat, dass der Inhalt eines Gespräches an zweiter stelle steht. An erster Stelle seht die soziale Beziehung der Sprechenden zueinander. Die kann dann aber auch darüber entscheiden, welche Wörter eher passen und welche weniger.

A propos Wörter: Deinem Beitrag entnehme ich, dass die Leute, denen Du zugehört hast, mit dem Wort "Gender" nicht so viel anzufangen wissen. Oder täusche ich mich Deiner Meinung da?

LG, Micha
 
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Offline cephalus

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Antw:Geschichten aus dem Palauner Garten.
« Antwort #5 am: 25.07.2021 12:08 »
Bauern nennen übrigens auch Kühe, die noch nicht gekalbt haben, "Rinder", soviel ich weiß.

Mir ist da eher Färse bekannt.

Offline MAS

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Antw:Geschichten aus dem Palauner Garten.
« Antwort #6 am: 25.07.2021 12:32 »
Ja, stimmt, Cephalus "Färse" ist da korrekt. Ich finde auch keinen Beleg für "Rind" in diesem Zusammenhang, habe das aber von Erzählungen meines Vaters in Erinnerung, der auf einem Bauernhof aufgewachsen ist.

LG, Micha
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Antw:Geschichten aus dem Palauner Garten.
« Antwort #7 am: 25.07.2021 17:27 »
Ich habe Petra davon erzählt, und sie meinte, die kenne auch von klein auf das Wort "Rinder" für so einjährige Jungrinder, agal on Färsen oder Jungbullen. Noch bevor sie das Wort für die Gattung oder Art kennengelernt habe, habe sie es für junge Rinder, die aber keine Kälber mehr sind, gekannt.

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