Autor Thema: Weibliches oder männliches Erscheinungsbild  (Gelesen 19088 mal)

Offline Matthias

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Hallo allerseits,

In diesem Thread kamen interessante Gedanken zum Thema Erscheinungsbild, bzw. die Wirkung dessen auf:
https://www.rockmode.de/index.php?topic=7690.msg120855#msg120855

Wann wirkt das Erscheinungsbild weiblich und wann männlich?

Fangen wir mal oben an:
Männer mit Dud auf dem Kopf sind wie ich finde seit einiger Zeit in der breiten Masse normal geworden. Bei Männern sehe ich den Dud aber oft in Kombination mit Vollbart.
Ohrringe, Piercings usw. im Gesicht gehören inzwischen auch zum normalen Straßenbild.
Bei auffälligem Make up wie Lippenstift oder stark geschminkten Augen sieht es aber schon wieder anders aus.

Bei der Bein- und Fußbekleidung ist alles andere als Hosen und „normale Schuhe“ bei Männern ungewöhnlich.

Grüße Matthias

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Offline MickyBlueEyes

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Antw:Weibliches oder männliches Erscheinungsbild
« Antwort #1 am: 04.02.2020 20:23 »
Hallo Matthias!

Zu den Jungs mit Dutt muss ich sagen, dass ich da wesentlich weniger Exemplare zu Gesicht bekomme und die mir immer noch leicht spleenig, also wie Exoten vorkommen, beispielsweise wie auch Jungs im Rock  ::)  ;D

Bei Ohrringen und Piercings geht's mir ähnlich wie Dir - nix außergewöhnliches mehr, auch wenn's mir persönlich oft nicht gefällt, besonders Piercings im Gesicht egal ob Junge oder Mädel.

Geschminkte Jungs sehe ich so gut wie nie - wäre für mich noch exotischer als mit Dutt. Ob's mir persönlich gefallen würde, käme sehr auf den Einzelfall und die Gelegenheit an. Aber auch da eigentlich egal ob Junge oder Mädel.

Jungs auf hohen Schuhen sehe ich nur ab und zu einen und das ist der Typ im Spiegel.  :P
Aber das kann sich bald ändern  ... Wäre für mich jetzt nicht sooo befremdlich, aber eben nur, weil ich weiß, dass es da auch nicht so wenige davon gibt.

Ob jetzt da ein Junge mit Dutt, Metall im Gesicht, High Heels, Rouge auf den Backen und Lidstrich männlich auf mich wirkt?

Keine Ahnung, müsste ich erst in natura vor mir sehen.

Wahrscheinlich käme es auf seinen Gang an!  ;) ::) 8)

Viele Grüße
MickyBlueEyes

Offline Matthias

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Antw:Weibliches oder männliches Erscheinungsbild
« Antwort #2 am: 04.02.2020 20:53 »
Natürlich kann man es letztendlich nur in natura auf sich sich wirken lassen und sich ein Urteil bilden.

Grüße Matthias

Offtopic:
Zum Dud, ähh Dutt
In der Regel besteht das von mir geschriebene aus Buchstaben, die in einer bestimmten Reihenfolge hintereinander gesetzt werden.  Für die richtige Reihenfolge der Buchstaben übernehme ich keine Verantwortung.
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Offline Skirtedman

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Antw:Weibliches oder männliches Erscheinungsbild
« Antwort #3 am: 04.02.2020 23:18 »
Ja, das ist goldrichtig. Oftmals sind es ja auch die kleinen Dinge, die den Ausschlag geben, z.B. Fingernägel, Brauen gezupft, raue Lippen, Gestik, Mimik, Verhaltensweisen, die man ausführt, weil man glaubt, sie gehörten zu einem, oder die man ausübt, weil man eben einfach so drauf ist... etc pp.  Und letzlich der Gang!!!

In natura kann man das alles viel besser beurteilen!


Warum sehe ich meine Gesamterscheinung als männlich an, wegen Statur und Vollbart?

Warum schließe ich dann manche Kleidung für mich als zu feminin aus, auch wenn sie daran nichts ändern würde?
...
Warum teste ich auch Klamotten jenseits meiner "Grenze" finde sie manchmal schön und verwerfe sie wieder weil sie zu weiblich erscheinen.

Vermutlich ist es der selbe Grund,  aus dem ich jahrzehntelang keine Röcke getragen habe ::)

Cephalus

Obiges Zitat habe ich nur aus Längengründen beschnitten. Jeder Passus war wichtig...

Ich brauchte auch so ein Jahrzehnt meiner bewussten, teilweise selbstbestimmten Lebensführung, ehe ich dauerhaft die Hosen gegen Röcke austauschte.

Seither verschiebt sich meine "Grenze" auch irgendwie, und zwar im Sinne von Erweiterung. Aber sie gibt es, diese Grenze, noch immer. Und oft schaue ich auch jenseits dieser, irgendwie wabernden Grenze. Und manchmal bin ich erstaunt, wie zuvor gedacht "zu weibliche" Kleidungsstücke in bestimmten Kombinationen, oder einfach bloss an mir, dann doch wieder stimmig zu meinem Gesamtbild "männlich" passen - jedenfalls in meiner Vorstellungswelt.
Ist mir gerade heute passiert, als ich dann doch die zwei Röcke für ingesamt 3 Euro mitgenommen habe, obwohl an der Kleiderstange als "geht nit, is zu weiblich" empfunden...


Offline MAS

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Antw:Weibliches oder männliches Erscheinungsbild
« Antwort #4 am: 04.02.2020 23:25 »
Ich habe hier schon meinen Senf dazu gegeben, noch bevor dieser Thread hier geöffnet wurde: https://www.rockmode.de/index.php?topic=7690.msg120866#msg120866

Mit dem Link darunter kommt man wieder hierher zurück.  ;D
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Offline Skirtedman

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Antw:Weibliches oder männliches Erscheinungsbild
« Antwort #5 am: 04.02.2020 23:38 »
Ich komme durcheinander, weil ich Hemden besitze, die aussehen wie Blusen und Blusen, die aussehen wie Hemden. ;)

Das stimmt, Hajo.

Ähnlich ist es mit Schuhen und Jacken zum Beispiel. Wenn man als Analogie zu "Hemden" und "Blusen" nun "männlich" und "weiblich" setzt. Oftmals kann man nicht - allenfalls an kleinen Details - ausmachen, ob so ein Exemplar nun "männlich" oder "weiblich" ist. Nicht selten fehlen aber jene Details. Letztlich kommt es dann nur noch drauf an, ob es einem von den Maßen und Proportionen passt.

Dennoch wollen wir nicht vergessen, dass die meisten Objekte dann doch deutlich "männlich" bzw. sehr eindeutig "weiblich" markiert sind.

Interessant wäre, wie nun sich eine Bluse von einem Hemd unterscheiden lässt, wenn man das triviale Unterscheidungsmerkmal Knöpforientierung beiseite lässt. Ja, vermutlich ist das ein eigenes Threadthema wert.

Ich bilde mir ein, dass in mir aber genau schon diese Knöpforientierung, also auf welcher Seite die Knöpfe sitzen, in meinem Hirn durch jahrzehntelange Prägung so in Nervenbahnen einzementiert ist, dass alleine dieses kleine Detail schon ein Riesenindiz - jedenfalls für mich - ist, ob ich ein "männliches" oder "weibliches" Erscheinungsbild einer Person wahrnehme.

Offline MAS

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Antw:Weibliches oder männliches Erscheinungsbild
« Antwort #6 am: 04.02.2020 23:56 »
Ich beobachte an mir folgendes:
Bis vor kurzem noch war ein Rock für mich weibich besetzt, und die Möglichkeit, ihn männlich oder auch nur neutral zu besetzen, war Ergebnis rationalen Denkens, aber war keine Sehgewohnheit.
Inzwischen merke ich, dass ich Röcke alltäglich trage und mir im Spiegelbild damit männlich vorkomme.
Aber wenn der Jeansrock dann Blumenstickerei hat, kommt mir der wieder weiblicher vor.
Ich denke, es ist nur eine Frage der Zeit und des häufigen Tragens, da wird sich auch das ändern.

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Offline Skirtedman

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Antw:Weibliches oder männliches Erscheinungsbild
« Antwort #7 am: 05.02.2020 00:03 »
Ja, das dachte ich auch. Du hast ja vor wenigen Tagen Deinen Rock mit Blumenstickerei mal uns gezeigt. Mit der Stickerei wirkt der Rock - als Rock - schon recht weiblich.

Andererseits bist Du, Micha, nicht nur mit Deiner "Gesamterscheinung", sondern auch i.A. mit dem, was Bilder vermögen zu transportieren, ja doch einer jener Vertreter unter uns Rockträgern, die sehr unzweifelhaft ein männliches Erscheinungsbild abgeben.

Wenn auch ich mir immer wieder mein männliches Erscheinungsbild einrede, wobei es mal mehr mal etwas weniger ausgeprägt ist, so ist meines aber längst nicht so eindeutig "männlich" wie Dein Erscheinungsbild.

Da kann Blumenstickerei bei Dir nur minimal was von abkratzen.

Das musste mal gesagt werden. Ich denke, das passt zu der Fragestellung. Auch wenn mein Statement keine schlüssigen Antworten gibt.

Offline MAS

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Antw:Weibliches oder männliches Erscheinungsbild
« Antwort #8 am: 05.02.2020 00:09 »
Es sind halt 1.82m x 93kg.

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Offline JJSW

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Antw:Weibliches oder männliches Erscheinungsbild
« Antwort #9 am: 05.02.2020 05:38 »
Guten Morgen

Eigentlich empfinde ich mich auch eher männlich im Erscheinungsbild. Nichtsdestotrotz macht es auch manchmal Spaß, mit "weiblichen" Details wie Blümchen, Glitzer oder ähnlichem zu spielen und experimentieren.
Vorletztes Jahr auf einem Weinfest meinte mal jemand:
Oh, die arme Frau hat ja oben eine Platte. Als er mich dann von vorne sah: Oh, sie sind ja ein Mann.
Hinterher müssten wir alle darüber lachen.

Und Google interpretiert manche meiner Bilder als Mädchen. Da fühl ich mir geschmeichelt ;)

Grüßle
Jürgen
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Offline high4all

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Antw:Weibliches oder männliches Erscheinungsbild
« Antwort #10 am: 05.02.2020 07:20 »
Vor fünf Jahren habe ich sehr auf ein männliches Erscheinungsbild geachtet. Mit der Folge, dass ich blöde Kommentare bekommen habe. Mittlerweile werde ich gelegentlich für eine Frau gehalten, auf den ersten Blick. Und ich bekomme mehr oder weniger regelmässig Komplimente. Weil ich keinen Wert mehr auf ein sehr männliches Erscheinungsbild lege und mich jetzt wohler fühle als vor Jahren. Männlich oder weiblich ist für mich unbedeutend geworden.
Herr, ich danke Dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin. (Psalm 139,14)

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Wenn wir es recht überdenken, so stecken wir doch alle nackt in unsern Kleidern. (Heinrich Heine)

Offline MAS

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Antw:Weibliches oder männliches Erscheinungsbild
« Antwort #11 am: 05.02.2020 07:45 »
Ich meine ja, dass mein von Wolfgang festgesteltes männliches Erscheinungsbild vor allem von meinen Körpermaßen her kommt, egal, ob ich Wert darauf lege oder nicht. Mein Kleidung ist ein Mix aus beiden Abteilungen, wobei die Herrenabteilung quantitatv überwiegt, aber eben Rock und Leggins und manchmal Stiefelletten, im Sommer auch mal ein Blusentop oder ein Kleid sehr augenfällig sind. Lange Haare sind für viele Menschen weiblich besetzt, der Bart dagegen männlich.

LG, Micha


 
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Offline Holger Haehle

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Antw:Weibliches oder männliches Erscheinungsbild
« Antwort #12 am: 05.02.2020 10:11 »
Männlich und weiblich sind Konnotationen. Das sind willkürliche Festlegungen. Die sind austauschbar. Das ist alles nur eine Frage kultureller Entwicklungen. So beschreiben das die Soziologen und Kulturanthropologen.

Wir machen Dinge weiblich oder männlich oder umgekehrt oder genderless ganz wie es uns dünkt. Und wenn umkonnotiert wird und wir uns erst mal daran gewöhnt haben, dann ist das für uns auch okay. Alles nur eine Frage des Zeitgeists und der Prägung. Etwas durch und durch weibliches oder männliches gibt es in der Mode nicht. Wie hätte auch sonst die Hose sich bei Frauen durchsetzen können?

Also kein Wunder, dass Micha den Jeansrock mit Blumenstickereien nach tausendmal tragen nicht mehr als weiblich empfindet. Wir konstruieren unsere Geschlechterrollen und ihre Attribute. Wir gewöhnen uns an alles.

Mode und ihre Wirkung sind kultureller Ausdruck. Und Kultur ändert sich. Das sagte schon Coco Chanel. Einen tieferen  Sinn hat dieses Geschlechtertheater nicht. Auch biologische Zusammenhänge gibt es nicht.

Auch die Körpermaße sind kein zuverlässiger Marker für eine männliche oder weibliche Erscheinung. Es gibt echt zierliche Typen und gewaltige Weiber. Das ist bunt gemischt. Das sähen wir auch, wenn wir genauer hinguckten. Aber uns stechen die Tussies mit den kurzen Röcken und den langen Beinen auf Heels stärker ins Auge als andere Formate.

Streiten können wir in dieser Frage nur bei Funktionskleidung, denn da folgt die Funktion einer morphologischen also biologischen Gegebenheit. So sind z.B. weibliche Taillien schmaler. Ein Korsett  betont das. Ergo, ist ein Korsett weiblich. Oder?

Offline MAS

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Antw:Weibliches oder männliches Erscheinungsbild
« Antwort #13 am: 05.02.2020 10:16 »
Lieber Holger,

zunächst sind Männlichkeit und Weiblichkeit biologische Eigenschaften. Auf diese werden dann die von Dir genannten kulturellen Konnotationen draufgelegt. Und die sind bis zu einem gewissen Grad austauschbar.


Und ja, noch was zum Körperbau: Das Verhältnis Schulter-Brust-Taille-Hüfte-Becken macht auch viel aus bei der Wirkung als männlich oder weiblich. Auch deswegen wirke ich und wirken die meisten Männer auch in Röcken und Kleidern männlicher als die meisten Frauen.

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Offline Holger Haehle

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Antw:Weibliches oder männliches Erscheinungsbild
« Antwort #14 am: 05.02.2020 10:56 »
Lieber Micha,

es ist möglich auf biologische (morphologische) Eigenschaften eine geschlechtliche Konnotation draufzusetzen. Beim BH oder Korsett wird das auch gemacht. In den meisten Fällen aber ist die Zuordnung ohne jeglichen biologischen Zusammenhang. Dein Denken folgt tradierten Mustern, die du und wir nicht mal eben so ablegen können. Da haben wir ein strukturelles Problem.

Soziologen und Biologen trennen streng zwischen Kultur und "Natur". Denn, und darüber hatten wir schon mal gesprochen, der Mensch verlässt mit Beginn der Kultur die Prähistorie.

Das war ein Emanzipationsprozess. Mit dem neuen Entwicklungsgrad entstand der moderne Mensch mit seinen besonderen kognitiv, reflektiven Eigenschaften. Das vollzog die Trennung vom Tierreich. Und genau diese Unabhängigkeit von der Natur hat erst Kultur und Vielfalt (Willkür) möglich werden lassen. Kein Tier außer der Mensch kann eine Zivilisation mit komplexer Kultur entwickeln. Und Menschen können es eben erst seit der Zeit, wo dieser Schritt kognitiv vollzogen wurde. Kultur kann der Natur folgen. Sie muss es aber nicht. Meistens folgt die Kultur gesellschaftlichen Befindlichkeiten, Religionen oder Ideologien.

Man kann bei Ausgrabungen sehr schön sehen, wie in der Übergangszeit die naturbezogenen animistischen Kulte abnehmen und in den frühen Zivilisationen der Sumerer u.a. erste Religionen entstehen. Man betet nicht mehr die Mutter Erde an. Ägyptische Götter haben zwar noch Tierköpfe aber schon menschliche Körper und dann folgen die ganz menschlichen Gottkönige (Pharao). Du siehst, der Bezug zur Natur nimmt ab. Der Mensch selbst rückt in den Fokus seines Handelns und in diesem Handeln wird er immer freier und verliert die Natur ihren Einfluß auf gesellschaftliche Prozesse.

Bedenke bitte auch, dass  der von dir angeführte Körperbau hinsichtlich seiner Beurteilung kulturellen Schwankungen unterliegt. Die Proportionen sind nicht per se weiblich oder männlich. Weibliche Brüste sind heute groß und sexy. Rubens oder Botticelli haben dem anderen Zeitgeist entsprechend das noch ganz anders gesehen und gemalt.

Übrigens empfinde ich mich in kurzen ausgestellten Faltenröcken wegen der Betonung der Taillie als weiblich. Die A-Linie verjüngt sich halt zur Taillie hin. Aber genau dieser Stil galt im 15. Jahrhundert als total männlich. Keine Frau trug so etwas. Das waren nämlich Reitröcke. Durch Einnähen von Gerren entstand die Weite und die A-Linie. Das war bequem beim Reiten. Reiten war den Männern vorbehalten. Somit waren die Röcke dafür männlich und nicht weiblich. Heute ist es genau umgekehrt, weil wir auf die weibliche Taillie fokussieren, die damals niemanden interessierte. Frauenkleidung war damals weit und niemals körperbetont.

 

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