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Röcke und mehr... => Rund um den Rock => Thema gestartet von: Blumenrock am 27.11.2025 09:34

Titel: Begegnungen im Rock mit anderen Menschen
Beitrag von: Blumenrock am 27.11.2025 09:34
Ich hatte gestern einen Ausflug im Rock vorgenommen. Bin von meinem Wohnort nach Frankfurt mit dem Zug gefahren. Es begann am Morgen schon gut. Ich mag es, wenn der Rock kurz über dem Knie endet. Ich hatte ein gerippte Strumpfleggings an, die sehr eng um die Beine liegt. Auf dem Weg zum Bahnhof lächelte mir ein Mann freundlich und wohlwollend zu. Fand ich toll.

In der Bahn bemerken die Leute auch oftmals Rock und Leggings und schauen. Ich finde die Blicke oft für mich sehr amüsierend. Wenn ich ja sage zu mir, dann  ist alles gut.

Auf dem Weg mit der Bahn nach Hause ging ich auf dem Weg zum Einstieg in den Zug an einem Fenster vorbei, an dem eine Frau saß. In Bruchteilen von Sekunden ging ihr Blick auf meine Beine. Ich hatte im Zug nicht den Mut, mich zu ihr zu setzten. Sie saß mit ihrer Freundin zusammen. Sie war um etliches jünger  wie ich, ich denke um die 30 Jahre. Ich habe es jedoch so gesteuert, wie der Zug in Frankfurt anhielt, das ich vor ihr aufstieg  vom Sitz. Ich bemerkte, das sie einen langen schwarzen Rock mit Stiefeln und Strumpfhose anhatte. Sie stand an der Tür vor mir und unterhielt sich mit ihrer Freundin. Dann verlor ich sie beim Ausstieg aus den Augen. Weil der Zug ausfiel, kam sie mir wenig später entgegen. Unsere Blicke begegneten uns und sie lächelte mir freundlich zu und schaute mich etwas länger an. War ein tolles Gefühl. Hätte gerne mit ihr ein Gespräch begonnen. Aber so war es auch ok.
In Friedberg begegnete ich einem etwas älteren Mann mit wahrscheinlich orientalischen Hintergrund, um es neutral auszudrücken. Dem ist wie er mich im Rock sah, bald das Gesicht stehen geblieben. Es hat mir überhaupt nichts ausgemacht. Einfach nur zur Kenntnis genommen. An der Bushaltestelle einige Zeit später hörte ich Jugendliche das Wort Rock sagen und zu mir guckend. Seit dem ich im Rock rumlaufe, habe ich für meine Umwelt feinere Antennen bekommen, irgendwie habe ich jetzt auch hinten Augen. Vor undenkbar langer Zeit soll der Mensch ja auch in der Lage gewesen sein, so sagen es alte Erzählungen, seinen Kopf ganz drehen zu können. Machen wir mit dem Rock tragen nicht etwas ähnliches. Wir drehen etwas an der Welt und verändern diese und gleichzeitig erfahren wir auch eine innere Veränderung neben der äußeren Veränderung.
Ich bin nicht schwul. Aber von Riccardo Simonetti, der sehr mit Kleidung spielt und wegen seiner Art angegriffen wird, habe ich gelernt, jeden Tag ja zu sich zu sagen. Wenn man sich an einem Tag nur zu 60 % gut fühlt, dann ist es auch in Ordnung. Wenn ich im Rock ausgehe, bedingt dies, ja zu mir zu sagen. Es geht wie ein kleiner Ruck durch den Körper.

Titel: Antw:Begegnungen im Rock mit anderen Menschen
Beitrag von: Rockbaron am 27.11.2025 11:58
Eine sehr schöne Geschichte, Blumenrock!

Manche haben ja scheinbar tierische Angst davor, im Rock Zug zu fahren, weil sie der Situation nicht entkommen können. Er lässt sich kaum verstecken. Da geht es mit ihnen im Vorfeld schon durch.

Aber wenn man es erst einmal gemacht hat und ein gängiges Straßen-Outfit trägt, merkt man, dass nichts Großes dabei ist.

Ich hatte anfangs auch noch viel Sorge darum, wie andere es auffassen könnten, ob sie wütend werden, wann der entsprechende Zeitpunkt wäre, die Situation zu verlassen... aber all das ist nicht der Fall, weil man einfach ein ruhiger, sympathischer Herr ist, der wie alle anderen nur mit der Bahn fährt.

Mich freut es, dass du so ein ehrliches Feedback bekommen hast. Da braucht es keine Worte dazu  :D

Auf meinen Strecken war meistens sehr viel los, ich war immer froh noch einen freien Sitzplatz vorfinden zu können. Selbst wenn die jungen Damen neben mir sitzen "mussten", machten sie keine Bemerkungen.  Sie schauten alle in ihre Handys. Und ich halt altmodisch nach draußen.

Von Riccardo Simonetti, der sehr mit Kleidung spielt und wegen seiner Art angegriffen wird, habe ich gelernt, jeden Tag ja zu sich zu sagen. Wenn man sich an einem Tag nur zu 60 % gut fühlt, dann ist es auch in Ordnung. Wenn ich im Rock ausgehe, bedingt dies, ja zu mir zu sagen. Es geht wie ein kleiner Ruck durch den Körper.

Die 60-Prozent-Regel merke ich mir. Die ist leicht anwendbar, verzeiht viel und ist super!  ;D
Titel: Antw:Begegnungen im Rock mit anderen Menschen
Beitrag von: Blumenrock am 27.11.2025 12:12
Danke Rockbaron für das Feedback.

Der Hinweis mit dem Zug ist gut. Es ist eine ungefährliche Übung. Besonders spannend ist es, wenn man mit dem Rock durch den Zug läuft z.B. zum Speisewagen oder zur Toilette. Bei Sitzen, bei denen man sich gegenüber sitzt, lässt sich Rock und Strumpfhose nicht mehr verbergen. Es wird bemerkt.

Für den Bus git außerdem das gleiche. Lustig ist, das manche Leute auf einmal ganz wach sind, wenn man im Rock reinkommt. Trotzdem sollte man da nicht zu sehr drauf bauen. Besser wäre es, das würde ich mir wünschen, ein Mann kommt im Rock rein und es wird  als selbstverständlich angesehen.

Ich weiß außerdem von einem ehemaligen Kollegen aus Spanien, das dort es verbreiteter ist, wenn ein Mann Rock und Strumpfhosen trägt. Dort gibt es sogar in Kaufhäusern Feinstrumpfhosen für Männer zu kaufen.

Ggf. sollten wir alle nach Spanien umsiedeln.😳


quote author=Rockbaron link=topic=10281.msg204416#msg204416 date=1764241110]
Eine sehr schöne Geschichte, Blumenrock!

Manche haben ja scheinbar tierische Angst davor, im Rock Zug zu fahren, weil sie der Situation nicht entkommen können. Er lässt sich kaum verstecken. Da geht es mit ihnen im Vorfeld schon durch.

Aber wenn man es erst einmal gemacht hat und ein gängiges Straßen-Outfit trägt, merkt man, dass nichts Großes dabei ist.

Ich hatte anfangs auch noch viel Sorge darum, wie andere es auffassen könnten, ob sie wütend werden, wann der entsprechende Zeitpunkt wäre, die Situation zu verlassen... aber all das ist nicht der Fall, weil man einfach ein ruhiger, sympathischer Herr ist, der wie alle anderen nur mit der Bahn fährt.

Mich freut es, dass du so ein ehrliches Feedback bekommen hast. Da braucht es keine Worte dazu  :D

Auf meinen Strecken war meistens sehr viel los, ich war immer froh noch einen freien Sitzplatz vorfinden zu können. Selbst wenn die jungen Damen neben mir sitzen "mussten", machten sie keine Bemerkungen.  Sie schauten alle in ihre Handys. Und ich halt altmodisch nach draußen.

Von Riccardo Simonetti, der sehr mit Kleidung spielt und wegen seiner Art angegriffen wird, habe ich gelernt, jeden Tag ja zu sich zu sagen. Wenn man sich an einem Tag nur zu 60 % gut fühlt, dann ist es auch in Ordnung. Wenn ich im Rock ausgehe, bedingt dies, ja zu mir zu sagen. Es geht wie ein kleiner Ruck durch den Körper.

Die 60-Prozent-Regel merke ich mir. Die ist leicht anwendbar, verzeiht viel und ist super!  ;D
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Titel: Antw:Begegnungen im Rock mit anderen Menschen
Beitrag von: Delme-Didi am 27.11.2025 13:38
Hallo zusammen,

ich trage jetzt seit vier Jahren Röcke Und Kleider in allen Bereichen, also im Urlaub, im Büro, bei Gerichtstermin und beim Sport / Freizeit. Dabei habe ich nur gute Erfahrungen gemacht. Ich liebe es, wenn ich gesehen und auch häufig von Frauen wie auch Männern  angesprochen werde. Alle fanden meine Outfits gut. Manchmal wird man aber auch nur von Fremden höflich gegrüßt. Das ist mir vorher so nicht passiert.

Es ist einfach schön.
Titel: Antw:Begegnungen im Rock mit anderen Menschen
Beitrag von: Slothorpe am 27.11.2025 13:59
Schöne Geschichte, kennen wir alle vermutlich so ähnliche…

Das mit empfindlichen Antennen lässt nach, wenn man das regelmäßig macht, anfangs habe ich immer gezuckt, wenn irgendwer hinter mir gelacht oder was vermeintlich komisches gesagt hat, weil ich das auf mich bezogen habe.
Inzwischen höre ich das gar nicht mehr, wenn es den vorkäme.

Komplimente und schöne Momente gibt es in Deutschland nach meiner Erfahrung zu 90% nur mit Frauen, dafür aber aus jedem Alter und Schicht (vorhin beim Einkaufen bei Edeka hat mir eine vielleicht 85jährige Dame gesagt, sie fände meine Kleidung mit Knielangem Rock, schwarzer 90er Strumpfhose und Waden-hohen Stiefeln mit 10cm Absatz sehr schön und stilvoll).
Männer reagieren hier selten und wenn dann meist solche, die selbst ungewöhnlich auftreten.

In Spanien hingegen habe ich auch von ganz „normalen“ Männern schon sehr nette Komplimente bekommen.
Titel: Antw:Begegnungen im Rock mit anderen Menschen
Beitrag von: cephalus am 27.11.2025 19:27
Die Leute reagieren nur auf (für einen selbst?) ungewöhnliche Outfits.

99% der Menschen nehmen einen gefühlt nicht war.
Reaktionen kommen nur bei Ungewöhnlichem. Vielleicht weil es heraussticht oder vielleicht auch, weil man wieder aufmerksamer ist.
Titel: Antw:Begegnungen im Rock mit anderen Menschen
Beitrag von: Olivier am 27.11.2025 20:13
Kann es sein, dass die eigene Un- bzw. Sicherheit die Reaktion anderer Menschen stark beeinflußt?
Habe den ganzen Tag schon ein Jeanskleid mit Strumphose an und war so auch auf einer ganztägigen Schulung mit geschätzt 50 Teilnehmern. Feststellbarer Reaktionen? Null. Fast schon Langweilig, oder?

LG, Olivier
Titel: Antw:Begegnungen im Rock mit anderen Menschen
Beitrag von: Peter58Muc am 27.11.2025 20:38
Kann es sein, dass die eigene Un- bzw. Sicherheit die Reaktion anderer Menschen stark beeinflußt?
Habe den ganzen Tag schon ein Jeanskleid mit Strumphose an und war so auch auf einer ganztägigen Schulung mit geschätzt 50 Teilnehmern. Feststellbarer Reaktionen? Null. Fast schon Langweilig, oder?

LG, Olivier
Sehr cool von dir und auch schön, dass es wohl von allen Teilnehmern respektiert wird.

LG Peter
Titel: Antw:Begegnungen im Rock mit anderen Menschen
Beitrag von: cephalus am 27.11.2025 20:54
Kann es sein, dass die eigene Un- bzw. Sicherheit die Reaktion anderer Menschen stark beeinflußt?

Davon gehe ich aus.

In Sachen die ich gewohnt bin, die für mich normal sind und bei denen ich vom Aussehen überzeugt bin, komme ich mir meist unsichtbar vor. Meist nichteinmal die kleinste Reaktion.

Ist eine der drei Bedingungen nicht erfüllt, kommen Reaktionen.

Auch in einem schönen eleganten Kleid, das mir/in dem ich mir gut gefalle und das ich mit Stolz trage, werde ich gesehen - es ist für mich ungewohnt.


Natürlich hängt die Empfindlichkeit der eigenen Wahrnehmung auch davon ab, aber ich glaube nicht, dass das der einzige Grund ist.
Titel: Antw:Begegnungen im Rock mit anderen Menschen
Beitrag von: Albis am 27.11.2025 22:43
@Blumenrock: Schöne Geschichte. Und Olivier gibt das richtige Stichwort: Die eigene Sicherheit oder Unsicherheit spüren die Menschen um einen herum bzw. mit Unsicherheit ist man wohl noch etwas auffälliger, insbesondere, wenn man seine Antennen ausgefahren hat, um mitzubekommen, wenn sich die umgebenden Menschen über einen unterhalten. Je öfter Du im Rock unter Menschen bist, desto selbstsicherer und cooler wirst Du.

LG, Albis
Titel: Antw:Begegnungen im Rock mit anderen Menschen
Beitrag von: Skirtedman am 28.11.2025 00:02
Ja, kann ich absolut so bestätigen.

Anfangs ist man selbstverständlich verunsichert. Man wurde ja so erzogen, Röcke sein zu lassen, nur weil Du ein Schnippelchen mehr an Deinem Körper hattest als die andere Variante Mensch. Und dabei wäre das Schnippelchen in einem Rock wesentlich besser aufgehoben als in einer Hose.

#verunsichert
Die Leute kriegen das mit, meist nur unbewusst, wenn Du unsicher bist.
Dann bist Du Magnet für erhöhte Aufmerksamkeit.

Beispielsweise heute. Bin, weils gerade gepasst hat, mit meinem Deutschlandticket nur für wenige Stationen in einen Bus eingestiegen. In Front, wo ich im Gang stand, saß ein sehr betagter Mann mit Hut und Mantel - klassisch eben Stand (19)50er Jahre.

Ich sah aus den Augenwinkeln sichtlich seine Verwunderung über mich im kurzen Faltenrock. Zwei, drei Blicke von insgesamt vielleicht 17 Sekunden, danach war der Käs gegessen - also dann interessierte er sich nicht mehr für mich. Hätten mich diese Blicke genervt, dann hätte er bestimmt ingesamt zwei, drei Minuten mich gemustert und dabei sinniert, welch armes Würstchen ich wohl sein mag.

Also Unsicherheit provoziert Aufmerksamkeit. Andererseits ist Abstumpfung wegen Learning by Doing auch geeignet, bestehende Aufmerksamkeiten auszublenden - also Reaktionen zu ignorieren und als Nichtreaktionen zu deuten. Trotzdem verstärkt auch dieser Aspekt die Tatsache, dass Du nicht mehr interessant genug bist für erhöhte Aufmerksamkeit der Beobachter. Also: es ist ein klares Wechselspiel, bei dem Du ganz viel Eigenanteil hast, wie bzw. ob Leute reagieren.
Titel: Antw:Begegnungen im Rock mit anderen Menschen
Beitrag von: Uckermärker am 28.11.2025 00:19
Ich mag die lächelnden Gesichter und ich finde die erfahrende Aufmerksamkeit cool. Ich denke für viele Frauen sind wir das Highlight des Tages. Ohne dem ist es doch eher langweilig  ;)

Freilich die meisten anderen Männer sind eher irritiert - da müssen die dann durch.

Klar am Anfang hat mich die erhöhte Aufmerksamkeit sehr belastet - denn normalerweise ist Mann modisch eher unsichtbar besonders neben seiner Frau. Nun genieße ich es.
Titel: Antw:Begegnungen im Rock mit anderen Menschen
Beitrag von: Skirtedman am 28.11.2025 01:41
Hallo zusammen,

ich trage jetzt seit vier Jahren Röcke Und Kleider in allen Bereichen, also im Urlaub, im Büro, bei Gerichtstermin und beim Sport / Freizeit. Dabei habe ich nur gute Erfahrungen gemacht. Ich liebe es, wenn ich gesehen und auch häufig von Frauen wie auch Männern  angesprochen werde. Alle fanden meine Outfits gut. Manchmal wird man aber auch nur von Fremden höflich gegrüßt. Das ist mir vorher so nicht passiert.

Es ist einfach schön.

Ja, man kann förmlich "baden" in den gut gelaunten flüchtigen Begegnungen, geflutet von Lächeln oder freundlichem Hallo.

Auch ist für mich ein kurzes Gespräch, wenn es sich ergibt, oftmals mehr Lust als Last. Weil der Grundtenor fast immer positiv ist.

Und selbst, wenn die Ausgangslage nicht so positiv war, ist es mit ein bisschen Routine schön zu sehen, wie man Skepsis der Fragenden oft mit einem freundlichen Gesprächsausgang beenden kann. Oder ein eher spöttisch begonnenes Lachen mit einem Gegenlächeln in ein wohlwollendes Lächeln verwandeln kann. Das sind verbale, oftmals nonverbale Signale, die einem andeuten, dass man nicht völlig aus der Mitwelt ausgestoßen wird, nur weil man unerwartete Kleidung trägt - sondern im Gegenteil, man gerade deswegen in der Mitwelt willkommen geheißen wird.
Titel: Antw:Begegnungen im Rock mit anderen Menschen
Beitrag von: MAS am 28.11.2025 10:59
Ich habe auch viele freundliche Begegnungen mit Menschen, die ich und die mich gar nicht kennen. Dabei wird seltenst der Rock thematisiert. Es ist also so, dass diese freundlichen Gespräche zumindest trotz des Rockes stattfinden. Vielleicht aber auch wird er positiv wahrgenommen, auch ohne dass er thematisiert wird. Wenn er denn mal thematisiert wird, dass meistens positiv oder zumindest neugierig. Ganz selten ablehnend oder auch nur kritisch.

LG, Micha
Titel: Antw:Begegnungen im Rock mit anderen Menschen
Beitrag von: GregorM am 30.11.2025 08:30
An der Bushaltestelle einige Zeit später hörte ich Jugendliche das Wort Rock sagen und zu mir guckend. Seit dem ich im Rock rumlaufe, habe ich für meine Umwelt feinere Antennen bekommen, irgendwie habe ich jetzt auch hinten Augen. Vor undenkbar langer Zeit soll der Mensch ja auch in der Lage gewesen sein, so sagen es alte Erzählungen, seinen Kopf ganz drehen zu können. Machen wir mit dem Rock tragen nicht etwas ähnliches. Wir drehen etwas an der Welt und verändern diese und gleichzeitig erfahren wir auch eine innere Veränderung neben der äußeren Veränderung.

Als ich vor fast dreißig Jahren anfing, Kilts und später auch Röcke zu tragen, war ich sehr sensibel. Ich sah überall Blicke auf mich gerichtet, und besonders auf Geräusche war ich aufmerksam. Redeten Leute über mich? War es nicht ein Flüstern? Einige lachten hinter meinem Rücken. Über mich klar, denn über was denn sonst?

Dann, einige Zeit später, als ich eines Tages durch eine belebte Straße ging und in meinen eigenen Gedanken vertieft war, wurde ich plötzlich auf Gelächter und Flüstern links und rechts aufmerksam. Wieder wegen dieses Rocks, also. In derselben Sekunde stand mir dann auch klar: Ich trug doch eine Hose. Und die Geräuschkulisse, die mich umgab, war genau dieselbe, erkannte ich, ob mit Rock oder mit Hose.

Seit dem Tag habe ich angefangen, mich zu entspannen. So interessant war ich doch anderen nicht, dass jede und jeder über mich reden, flüstern und lachen sollten. Für sein Flüstern, Lachen und Gerede braucht der Mensch keinen Mann im Rock. Es geht auch ohne.
Titel: Antw:Begegnungen im Rock mit anderen Menschen
Beitrag von: John1697 am 04.12.2025 09:37
Super schöne Geschichte... Ich finde es wirklich immer wieder schön zu lesen, wie selbstbewusst du immer unterwegs bist.
Mir fehlt das leider noch, aber ich arbeite mich langsam hin.

Mir ist da erst letztens auch was aufgefallen.

Ich bin im August erst umgezogen aufgrund von privaten Themen. EIn weiterer Hauptgrund war, weil ich mich nicht so wirklich wohl in der Nachbarschaft gefühlt habe, da ich letztes Jahr ein Gespräch auf einem Feuerwehrfest zwischen meinen Nachbarn mitbekommen habe, wo sie sich eben über LGBTQ+, Crossdresser und einfach alles was aus der "Norm" fällt unterhalten haben... und das leider sehr negativ. Deswegen hatte ich wieder mehr Angst rauszugehen oder eben mal im Rock einkaufen oder spazieren zu gehen.

Naja auf jeden Fall wohne ich jetzt mehr oder weniger wieder in einer Großstadt, bzw. in einer kleinen Vorstadt, die aber noch zur Großstadt gehört. Ich fühl mich hier so viel wohler und langsam schaffe ich es auch wieder, mich nicht mehr zu "verstecken". Wenn ich im Hausflur des Mehrfamilienhauses unterwegs bin, dann achte ich mittlerweile nicht mehr so sehr was ich anhabe und auch meinen Nachbarn juckt es nicht wirklich. Man glaubt gar nicht was das für ein Gamechanger ist und scheinbar interessieren sich die Leute auch mehr für sich selbst.
Meine aktuelle Nachbarin hat mich mittlerweile schon so oft in einer Leggings oder auch schon mal in einem Rock gesehen und nie was gesagt. Sie hat sich mit mir ganz normal unterhalten wie sonst auch.

Eine andere Sache die mir aufgefallen ist... Als ich letzte Woche ins Kino fahren wollte hatte ich schon große Panik, weil ich eben Bus fahren wollte. Ich hatte mir vorgenommen einen schlichten Plisseerock (blau oder dunkelrot), Schwarzes Shirt oder Hoodie und Sneaker dazu anzuziehen. Hab mich dann gegen den Rock entschieden, einfach weil ich zu große Angst davor hatte und zum Anderen weil es etwas windig war und die Kälte so schon trotz Strumpfhose mir zu schaffen macht. Also habe ich mich eben für eine Leggings (weil Jogginhose fand ich zu "schluderig" und Jeans wollte ich nicht) entschieden in blau. Sie hat nichts besonderes sonder liegt halt auch einfach eng an den Beinen und hat halt zwei so Taschen rechts und links (was ich für Handy, schlüssel, etc. sehr praktisch finde)

An meiner Bushaltestelle, wo ich einsteigen wollte hatte mir zwar eine etwas ältere Dame einen kurzen Blick zugeworfen aber nicht wirklich was gesagt. Und auch im Bus ist mir nicht wirklich was aufgefallen (gut mit einem Rock oder Kleid ist das auch nochmal ein bisschen anders)
Im Kino selbst hat der, der mich bedient hat auch nichts gesagt und auch nur mal kurz geschaut.

Aber als der Film zu Ende war und ich zusammen mit zwei Mädels ungefähr meines Alters alleine im Saal waren, weil wir die Post Credits sehen wollten und ich danach aufgestanden bin, hatten sie sich etwas erschreckt. Sie dachten sie wären alleine und haben nicht damit gerechnet, dass hinter ihnen noch wer saß. Wir haben dann beim rausgehen uns kurz unterhalten, wie wichtig es doch sei die Post-Szene von Filmen anzuschauen etc. Irgendwann hatte mich die eine dann gefragt, ob dass eine Leggings sei die ich da trage. Ich wusste erst nicht was ich sagen wollte, aber irgendwie kam ein stotterndes Ja heraus. Beide hatten auch mit äußerster Vorsicht nachgefragt, warum. Ich hab ihnen dann ganz einfach erklärt, dass es für mich keine Klamotten für Frauen und Klamotten für Männer gibt, sondern einfach nur Kleidung. Am Ende ist es ja auch nur Stoff und wenn mir was gefällt, dann hol ich es mir und trage es halt (oder versuche es zumindestens). Beide haben mich angelächelt und meinten auch dass sie die Einstellung super finden und irgendwie würde sie auch meine Beine / Po" schmeicheln". Und sie fanden das toll. Sie würden sich auch wünschen, dass mehr so Denken würden. Da bin ich ja ehrlich gesagt schon fast rot geworden. Achja warum sie gefragt hatten war, weil eine der beiden wohl auch die gleiche Leggings in schwarz hatte  ;D

Bis zum Ausgang des Kinos haben wir uns noch ganz kurz unterhalten und sind dann unsere Wege gegangen. Fand ich aufjedenfall super.

ABER... irgendwie glaube ich, dass mir immer noch das selbstbewusstsein fehlt, da ich immer noch "paranoid" unterwegs bin und mir immer Gedanken mache, dass hoffentlich das Outfit noch passt oder ob Leute rüberschauen, etc. Ich denke aber auch dass das langsam wird  :laugh:
Titel: Antw:Begegnungen im Rock mit anderen Menschen
Beitrag von: Skirtedman am 04.12.2025 13:31
Sie würden sich auch wünschen, dass mehr so Denken würden. Da bin ich ja ehrlich gesagt schon fast rot geworden. Achja warum sie gefragt hatten war, weil eine der beiden wohl auch die gleiche Leggings in schwarz hatte  ;D

Bis zum Ausgang des Kinos haben wir uns noch ganz kurz unterhalten und sind dann unsere Wege gegangen. Fand ich aufjedenfall super.

Ja, solche Erlebnisse sind toll. Und das bestätigt, dass einfach nicht alle Menschen hinter unserem Rücken nur über uns den Kopf schütteln.

Im Gegenteil: Wie die Mädels zeigten: sie würden sich wünschen, wenn es mehr offene Menschen gäbe, die zu sich stehen und mehr Vielfalt leben, statt sich von der Einfalt einschüchtern zu lassen.

Kinogänge sind übrigens sehr gut geeignet, sich im Rock unter Menschen auszutesten: Man ist unter Menschen, aber kaum einer kriegt es die ganze Zeit wirklich mit, dass Du den Rock genießt. Und längst nicht alle kriegen sowieso mit, dass Du überhaupt einen trägst. Und man kann auch ruhig sitzen bleiben, bis die meisten aus dem Kino gegangen sind (siehe Abspann) und steht nur noch unter wenigen Augen der restlichen Leute.

Mich erinnert das sehr an meine Anfangszeit. Vor allem erinnert es mich selbst an einen Kinobesuch.
Damals bin ich noch für Abendaktivitäten weit weg gefahren, um mich im Rock unter Menschen bewegen zu können, um eben nicht Menschen zu begegnen, die mich kennen könnten.
An diesem Abend fuhr ich wie so oft nach Heidelberg, nun ins Kino, eine gute Autostunde von mir weg.
Auch da kam ich nach dem Kino ins Gespräch mit zwei Mädels - wir sind uns aber erst außerhalb des Kinos wieder begegnet, hatten uns aber im Kino schon gegenseitig wahrgenommen.
Wir gingen anschließend noch in eine Straßenkneipe und saßen für ein, zwei Getränke beisammen. Und auch da in etwa die Botschaft, die mir wohltat: sie wünschten sich, dass mehr Männer sich freier kleiden (also explizit Röcke).

Solche Erlebnisse sind wichtige Meilensteine in der Selbstentwicklung und sich selbst befürworten zu können. Solche Erlebnisse wecken den Wunsch, das öfters zu erleben. Genieße es!




...
Dann, einige Zeit später, als ich eines Tages durch eine belebte Straße ging und in meinen eigenen Gedanken vertieft war, wurde ich plötzlich auf Gelächter und Flüstern links und rechts aufmerksam. Wieder wegen dieses Rocks, also. In derselben Sekunde stand mir dann auch klar: Ich trug doch eine Hose. Und die Geräuschkulisse, die mich umgab, war genau dieselbe, erkannte ich, ob mit Rock oder mit Hose.

Seit dem Tag habe ich angefangen, mich zu entspannen. So interessant war ich doch anderen nicht, dass jede und jeder über mich reden, flüstern und lachen sollten. Für sein Flüstern, Lachen und Gerede braucht der Mensch keinen Mann im Rock. Es geht auch ohne.

Ja, Flüstern, Lachen, Gerede gibt es so oder so. Das hat meistens nichts mit Dir zu tun. Manchmal vielleicht schon. Aber Du wirst bestimmt auch schon unter Menschen geflüstert, gelacht und geredet haben über andere Menschen. Das kommt mal vor. Meistens geht es aber über was ganz anderes als über einen selbst. Man muss erst einmal sich daran gewöhnen, dass Menschen ganz viele Dinge im Kopf haben, die interessanter sind als Du da gerade im Rock.
Titel: Antw:Begegnungen im Rock mit anderen Menschen
Beitrag von: Skirtedman am 04.12.2025 13:51
Naja auf jeden Fall wohne ich jetzt mehr oder weniger wieder in einer Großstadt, bzw. in einer kleinen Vorstadt, die aber noch zur Großstadt gehört. Ich fühl mich hier so viel wohler und langsam schaffe ich es auch wieder, mich nicht mehr zu "verstecken".

Na, das sind doch optimale Voraussetzungen.

Ob Großstadt oder nicht, ist zweitrangig. Wichtig ist, dass Du nun im Rock Leuten begegnest, die Dich nicht schon seit ewig in Hosen kennen.

Auf einmal Rock statt Hose ist so ähnlich wie ein neuer Haarschnitt / eine neue Frisur: Es kostet Überwindung.
Die, die Dich schon ewig in Hosen kennen, haben vor allem zwei Fragen präsent im Kopf:
- Warum trägst Du auf einmal Rock?
- Und: warum ausgerechnet Du?

Leute, die Dich nicht anders kennen, haben diese zwei bohrenden Fragen nicht im Kopf.
Bei Interesse fragen sie Dich zwar, was nichts schlimmes sein muss. Aber sie haben keinen Bezug zu Deiner bisherigen angepassten Hosenzeit. Da wächst ein ganz anderes Interesse an Dir als Person, ein eher echtes Interesse.

Ich bin damals nicht umgezogen. Ich bin halt immer ausgeflogen, in entfernte Städte, um mich dort auszuleben und unter mir unbekannten Personen zu sein.

Du hast die neuen Leute vor der Haustür. Nutze es aus. Bringe Dich gleich dort ein im Rock. Gewöhne die neuen Leute nicht erst daran, dass Du wie jeder andere Hosen trägst. Gewöhne sie gleich dran, wer Du bist!

Ich wünsche Dir viel Spaß mit Deinem Neuanfang. Und wünsche Dir noch schöne Kinoerlebnisse und so manch andere ähnliche Begegnungen!





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Und Du wirst sehen, dass das Forum gar nicht so tot ist, wie es manchmal vorher aussah. Ja, willkommen im Mitgliederbereich!
Und da kann ich Dir auch sehr das berühmte "Was habt ihr gestern getragen? (https://www.rockmode.de/index.php?topic=4676.msg204077#msg204077)" gleich ans Herz legen,
dort kriegst Du viel optische Eindrücke und oft auch ganz nette Erlebnisberichte drumherum.
Bei dem Link habe ich mal auf die letzten paar Seiten des Threads verlinkt, kannst Du ja mal überfliegen oder durchscrollen.

Gruß,
Wolfgang
Titel: Antw:Begegnungen im Rock mit anderen Menschen
Beitrag von: MAS am 05.12.2025 10:49
A propos "Post Credits". Ich nehme an, lieber John, Du meinst den Abspann. Den schaue ich mit auch immer ein, erstens, weil ich die Musik hören möchte und zweitens, nachdem bei "Fluch der Karibik" nach dem Abspann noch ein Affe auftauchte, der den Piratenschatz bei sich hatte, warte ich, ob beim jeweiligen Film auch noch so eine Szene kommt. Petra (meine Frau) sagt dann immer, dass wir auf den Affen warten.

Rock im Kino ist für mich übrigens inzwischen so normal wie anderswo.

LG, Micha

Titel: Antw:Begegnungen im Rock mit anderen Menschen
Beitrag von: Rockbaron am 05.12.2025 12:54
Ich sehe das auch so, dass eigentlich die Begleitumstände höchstens das knifflige an der Sache sind und nicht das Rock tragen an sich. Gerade wenn man erst einmal richtig anfängt, seinen Stil zu finden und noch nicht die allergrößte Auswahl an Garderobe besitzt, wirkt man selbst und auf andere etwas unsicher. Bei kalten Temperaturen weiß man vielleicht noch nicht genau, welche Schuhe oder welche Strumpfhose man wählen sollte. Man zubbelt vielleicht hin und wieder am Rocksaum, was man bisher von der Jeans natürlich nicht kannte. Oder hat (als großer Mensch) hin und wieder Probleme beim Beine überschlagen.

All das liegt nicht am entsprechenden Kleidungsstück, sondern an der neuen Situation, an der neuen Erfahrung, die man nach und nach sammelt und dann Sicherheit  bekommt.

Wenn ich z.B. von meiner Studentenwohnung aus losgezottelt bin, war ich der unsichere junge Mann, der sich bisschen wie ein Transvestit fühlte. Ungewohnte Kleidung und immer der Gedanke im Kopf: Was denken sich die, die mich bisher anders kannten?
Wenn ich aber erstmal meinen Platz im Zug gefunden hatte, hat sich die Aufregung und Nervosität gelegt und ich hätte auch die Antrittsrede im Weißen Haus halten können.
Titel: Antw:Begegnungen im Rock mit anderen Menschen
Beitrag von: Alfredo-von-der-Elbe am 21.12.2025 16:40
Ich bin nun schon über 70 Jahre alt und seit dem ich alleine Lebe ziehe ich nicht nur Zuhause sondern auch in der Öffentlichkeit gelegentlich einen Rock an. besonders gerne im Sommer, weil es luftiger als eine Hose ist.
Diesen Sommer war ich mit einem Jeansrock bekleidet zum CSD nach Freiburg gefahren. Nach Freiburg nehme ich immer den Zug, keine Parkplatzprobleme! Also nichts außergewöhnliches, doch diesen Sommer hatte ich lackierte Fußnägel, mittelblau. auf der Heimfahrt wurde ich von einer Frau wegen meiner Fußnägel angesprochen, nicht wegen des Rocks. wir haben uns dann eine ganze Weile unterhalten und sie sagte mir ich solle weiter so mutig sein, es gibt viel zu wenig Männer, die auch mal einen anderen Kleidungsstill aus probieren.
Meine Feststellung ist auch wenn ich ganz gewöhnlich zum Einkaufen gehe wird das Rocktragen kaum registriert. Nur einmal im Supermarkt sagten zwei sehr junge Frauen, das ist ein "geiler Rock", sie waren dann aber auch ganz schnell weg. Ich konnte darauf leider gar nicht antworten.
Vor 8 Jahren war das noch etwas anders. Ein Mann im Rock sorgte für mehr verstohlende Blicke und Kommentare. Ein Kommentar von damals 2 älteren Damen, guck mal der ist aber mutig!