Irgendwo stand in dem Artikel von SisterMag auch, dass er das durchaus auch in seiner Freizeit trug und er Besucher bei ihm zu Hause zu diesen Kitteln bewegen konnte.
Er selbst hat dann gelegentlich für besondere Events das auch für draussen getragen, nicht nur aus grobem Leinen, sondern auch aus feiner Seide.
Leider hat sich das damals nicht weiter durchgesetzt. Erwähnt war im Text, dass es bei der Reformkleidung ja um die Befreiung des Frauenkörpers gegangen sei. Aber genau da setzt wohl der Grund ein, weshalb da nicht auch an eine Befreiung des Männerkörpers gedacht wurde. Vermutlich hatte man das "Praktische" der Männerkleidung für einen rechtschaffenden Mann höher eingeschätzt, und der erste Weltkrieg gab dem wohl unangefochten auch noch eine aufdringliche Bestätigung.
Hinzukam, dass genau der erste Weltkrieg Frauen in die Hosen oder Overalls steckte, um die Arbeitsplätze der in den Krieg gezogenen Männer zu ersetzen. (Das wurde nach dem ersten Weltkrieg allerdings schnell wieder fallen gelassen, und die Hose spielte für die durchschnittliche Frau erst mal keine weitere Rolle mehr.) Diese Hosenepisode für Frauen hat vermutlich noch einmal mehr bestätigt, wie praktisch eine Hosenkleidung für Männer sei, weshalb wohl jeglicher Reformgedanke für die Männerkleidung in den Ansätzen wieder fundamental erstickt wurde.
Bei dem von Dir, Jens, verlinkten Artikel zu SisterMag fand ich unten auf der Seite übrigens einen Link zu einer SisterMag-Ausgabe von 2020, mit dem Titelthema "Wie die Frau zur Hose kam". Darin gibt es ein paar Einblicke in die Geschichte. Ebenso wird von Hosenrollen im Theater gesprochen (auch von Männern in Frauenrollen), erwähnt wird auch "Genderless" sei das neue "unisex". Und auf Seite 145 taucht auch die Wortkombination "Ein Rock für den Mann" auf.
Gleich mal den Link auf die Ausgabe zu dem Partnerthema 'Frauenhose':
https://www.sister-mag.com/magazin/sistermag-no-57-mai-2020/wie-die-hose-zur-frau-kam/