Ich bin ziemlich baff, dass laut dem Folker-Artikel so viel KI-generiertes schon auf den Plattformen kursiert.
Ich selbst habe ja jetzt gerade erst vor vier, fünf Wochen ein paar Lieder mit Gemini generiert.
Vier im Nachgang von zwei Events,
zwei im Vorgriff auf ein Event,
das letzte ebenso im Vorgriff, aber personenbezogen, weil bei dem betreffenden Event gleichzeitig ein Geburtstag zu feiern war.
Alle, bis auf das letzte, irgendwie zwischen 2`30 und 3`00 Minuten lang. Bei letzten kündigte mir die kostenlose KI an, ich könne nun nur noch Musikstücke bis 30 Sekunden generieren lassen. Ob dies ein Limit war für innerhalb 24 Stunden, eines Monats oder für immer nach dem Reinschnuppern, weiß ich nicht - hab ich mich bisher noch nicht weiter drum gekümmert.
Bei allen Titeln war ein Musikstück die Grundlage, das so in etwa einen gewissen Musikstil repräsentieren sollte (aus einer Auswahl von 10, 15 vorgegebenen Musikstilen mit eben jeweils einem auswählbaren Beispiel).
Danach gab ich noch 9 Fotos oder in manchen Fällen PDFs zum Event hinzu.
Daraus bastelte dann die KI innerhalb einiger Minuten (ca. 4 bis 6 Minuten) ein Musikstück mit Gesang. Ich hätte statt eines Fotos wohl auch einen Text einreichen können. Die Lyrics aber generierte die KI bei mir völlig selbständig aus den Infos und Bildinformationen, die sie erkannte und für wichtig erachtete. Achja, ich konnte noch mit Text ein paar Hinweise geben, was ich aber zumeist nicht nutzte.
Heraus kamen zwei, drei deutschsprachige Lieder, der Rest englisch, einer in Spanglish, weil als Musikstil ich Latino gewählt hatte (hatte ich öfters, aber nur einmal kam Spanglish heraus). Und zu jedem wurde ein quadratisches Cover-Bild generiert, bestehend aus einigen Elementen der eingereichten Fotos oder aus der Darstellung von für wichtig befundener Schlüsselworte. ("Pretzels" zum Beispiel)
Mit dabei jeweils auch ein Album-Titel im Cover-Bild, in einem Fall mit ein paar Schlüsselinfos aus einer PDF bzw. aus einem abfotografierten Plakat.
Im Endergebnis waren es recht anhörliche Musikstücke, die durchaus Laune machten. Bei beiläufigem, aber auch bei angestrengtem Hören konnte man kaum von sich heraus auf die Idee kommen, dass das jeweilige gesamte Werk nicht aus der Handwerkskunst eines Lyrikers, Grafikers, Musikers und ohne echte Band zustandegekommen ist.
Doch, bei den Grafiken vielleicht am ehesten noch. Denn ein geschriebener Album-Titel war "Eigh Stops To Heaven". Das nicht geschriebene t in "eight" wurde allerdings im Text gesungen.
Etwas lustig fand ich, dass 'Saumagen', den ich im Begleittext einer Örtlichkeit zugewiesen habe, dann im englischsprachigen Gesang "Soomäjdschn" ausgesprochen wurde. Im anderen Lied, anderen Stils, zum gleichen Event (mit den gleichen Fotos und PDFs als Grundlage), allerdings ohne meine paar Stichworte Begleittext im Auftrag, wurde das Bild mit dem Saumagen dann als Leberkäse interpretiert, und im englischen Gesang als "Läbberkääs" ausgesprochen

('Läbberkääs' wäre dann tatsächlich die korrekte Aussprache in meinem regionalen Deutsch.)
In meinem allerersten Lied aus der KI wurde dann gleich in den ersten Zeilen irgendein Wort im Gesang generiert, dessen lexikalisches Vorbild ich im Deutschen oder artverwandtem bisher noch nicht zuordnen konnte. Klingt so, als hätte die KI da das Wort vergessen und einfach ein bisschen zum Überhören etwas als Platzhalter dahingenuschelt. Allerdings geht mir das mit handwerklichen Liedern echt lebender Künstler nicht selten genauso.
Etwas erschreckend fand ich beim zuletzt erwähnten Lied noch, dass da sich die KI ganz offenbar noch weiteren Infos bedient hat, die ich definitiv nicht ihr zugänglich gemacht hatte. Entweder bediente sie sich dabei meinem Bewegungsprofil, anderen Quellen wie Whatsapp, irgendwelchen Hamster-Cookies oder hatte mich am Tag zuvor schon bei einem Telefonat belauscht, bevor ich überhaupt diesen Dienst in Anspruch genommen hatte, geschweige denn gekannt hatte. Oder sie war echt so genial, dass sie die nicht ihr vorliegenden Infos halluziniert hat und genial zutreffend interpoliert hat.
Die Nutzung von KI-generierten Song, so wie es der Folker-Artikel anlauten lässt, macht mich schon erstaunt. Mit den Einwürfen und Gedanken von Micha und cephalus jetzt, fange ich schon an, mir etwas Sorgen zu machen. Klar ist die Technik, die Kulturtechnik und die Technikkultur immer wieder im Umbruch und am Fortentwickeln. Aber, was ist mit den Musikern, und mit allen die da mit dranhängen? Ist das z.B. der Beginn des Studio-Sterbens? Wie können Musiker überhaupt noch von ehrlicher Arbeit leben? Gibt es die Musikhörer am Ende, die bereit sind, sich handgemachte Musik noch leisten zu wollen, nur noch als gutbetuchte Gruppe, die Musiker in Nischen am Leben erhalten? Stirbt der Mainstream-Musiker, die Popkultur aus? Werden alle, die sich Kultur nicht leisten wollen oder können, nur noch auf Retortenmusik angewiesen sein?
Wenn KI-Musik sich genauso gut anhört wie Handwerks-Musik, wird die Geiz-ist-geil-Gesellschaft sich nur noch der KI bedienen, vor allem wenn sie so günstig, ja kostenlos und massenhaft zu erhalten ist. Wobei günstig / kostenlos eine Illusion ist. Man bezahlt vielleicht nicht direkt, aber indirekt, zum Beispiel mit seinen Daten. So wird man noch mehr zum Gläsernen Bürger, vor allem von Konzernen, die an einem über andere Wege verdienen wollen. Oder denken wir an die Energie. Jedes meiner Lieder hat 4 oder 6, vielleicht 7 Minuten die KI beschäftigt. Der KI-Stromhunger ist immens. Mit KI wird Umsatz gemacht. Irgendwie. Irgendwo. Irgendwer. Und die Staaten und Länder wollen was abhaben, von den KI-Gewinnen, schaffen die Infrastrukturen, wollen KI bei sich ansiedeln. Und zur Schaffung von Infrastrukturen wird jeder Bürger, egal ob Reicher oder Unterstützungsempfänger am Ende wieder zur Kasse gebeten. Auf Umwegen, auf vielschichtigen Umwegen, fast unbemerkt.
Ja, das 'Kostenlos' ist nur vordergündig kostenlos. Irgendwann und irgendwie wird jeder zur Kasse gebeten. Im Versteckten.
Das fällt mir ein in puncto Musik und KI. Eine kulturelle Weiterentwicklung. Eine Weiterentwicklung wohin? Fangen wir jetzt schon mal an zu staunen...
