Autor Thema: Film "Billy Elliot - I will dance"  (Gelesen 1335 mal)

Offline Albis

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Film "Billy Elliot - I will dance"
« am: 06.01.2021 19:15 »
Letztens haben wir den Film "Billy Elliot - I will dance" gesehen, den meine Frau irgendwann mal als DVD gekauft hatte. Es geht um einen 11jährigen Jungen (Billy Elliot)  im England der 1980er Jahre, der tanzen möchte, wobei insbesondere sein Vater und sein älterer Bruder das nicht verstehen.

Etwa in der Mitte des Films erscheint sein bester Freund in einer Szene im Kleid seiner Schwester. Zu einem späteren Zeitpunkt stellt sich heraus, dass er schwul ist. Leider wird somit das Vorurteil bestätigt, dass Jungs, die Mädchensachen tragen, schwul wären. Das finde ich sehr schade, ansonsten ist es ein sehenswerter Film.

Offline Waldi

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Antw:Film "Billy Elliot - I will dance"
« Antwort #1 am: 06.01.2021 20:14 »
Na es gibt halt eine nicht geringe Zahl Männer, bei denen das eben so ist.
Ich wage mal zu behaupten, dass es sogar deutlich mehr Homosexuelle Männer gibt, die Röcke tragen, als dass es welche gibt, die heterosexuell sind sind und Röcke mögen.
So ganz abwegig ist diese Assoziation eben nicht, auch wenn die natürlich einzelne Leute in Schubladen steckt, die einfach nicht passen.

Ich selber habe meinen Faible für Röcke schon in der Jugend gehabt und hatte schon Zeiten in denen ich selber nicht so ganz verstehen konnte ob das nicht irgendwie ein Vorbote einer Neigung ist. Heute weiß ich, dass es nicht so ist, aber ich hatte andere Zeiten. Wobei ich nie eine Anziehung von Männern verspürt habe. Aber bei hübschen Mädels fand ich die und deren Kleidung gleichzeitig anziehend.

Das jemandem erklären habe ich nie versucht, der Diskussion bin ich immer aus dem Weg gegangen. Und deswegen habe ich meine Vorliebe auch ganz bewusst immer vor meinem näheren Umfeld fern gehalten. Wenn ich einer Situation zur Not ausweichen kann, dann ist das alles OK. Zu einem Treffen mit Leuten oder Arzt oder so was traue ic mich nicht.

Vielleicht kommt das noch. Oder auch nicht, auch gut.

Aber den Film kenne ich, der ist klasse. besonders wo er im Boxclub lieber bei den Balletmädels ist, da hab ich mich auch gesehen.
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Albert Einstein

Offline MAS

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Antw:Film "Billy Elliot - I will dance"
« Antwort #2 am: 06.01.2021 22:49 »
Ich bin ja auch der Meinung, dass wir uns nicht von Schwulen distanzieren dürfen, nach dem Motto: Schimpft über sie, aber nicht über uns. Sondern wenn wir auf homophobe Äußerungen uns gegenüber stoßen, sollten wir nicht betonen, nicht schwul zu sein, sondern dass homophobe und rockträgerfeindliche Äußerungen gleichermaßen danaben sind.

LG, Micha
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Offline Waldi

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Antw:Film "Billy Elliot - I will dance"
« Antwort #3 am: 06.01.2021 23:04 »
Ich bin sogar mal an einem Kiosk gestanden und wollte ein Eis. Jeansrock und schwarze dicke Wollstrumpfhose mit dezenten Stiefeln. Drüber eine lange Jacke, die den Rock fast überdeckte. Das fiel wirklich niemand auf.

Der Kioskbetreiber war mit einem Biertrinker (schon recht angetrunken) in eifriger politischer Diskussion. Es ging um Corona und Jens Spahn.

"Wenn ich diese schwule Sau schon sehe geht mir das Messer auf" meinte er. und bediente mich freundlich, er konnte durch sein Fenster meinen Rock nicht sehen.
Ich hatte tatsächlich kurz den Gedanken, mal zu fragen, ob Schwul denn schlimmer sei als Alkoholiker oder die Profiteure da dran.

Hab ich aber gelassen, bringt ja eh nichts.

Aber Ausgrenzung muss man an sich immer wo man dem begegnet gegenüber treten. Ohne Rock mache ich das auch meist. Nicht aggressiv sondern wirklich fragend und entlarvend, besonders wenn es so offensichtlich dumm ist, was die Leute reden.

Und treffe dann sehr oft auf Gestammel und blöde Ausreden von wegen "gar nicht so gemeint".

Ich finde es gut, wenn Du meinst, dass wir auch selber eine Minderheit darstellen und gegeneinander ausspielen lassen ist eben nicht der richtige Weg.
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Antw:Film "Billy Elliot - I will dance"
« Antwort #4 am: 06.01.2021 23:30 »
Na es gibt halt eine nicht geringe Zahl Männer, bei denen das eben so ist.
Ich wage mal zu behaupten, dass es sogar deutlich mehr Homosexuelle Männer gibt, die Röcke tragen, als dass es welche gibt, die heterosexuell sind sind und Röcke mögen.
So ganz abwegig ist diese Assoziation eben nicht, auch wenn die natürlich einzelne Leute in Schubladen steckt, die einfach nicht passen.
Hallo Waldi, die Assoziation ist eine heterosexuelle Männerfantasie. Vor allem wenn sich ein Mann reizvoller kleidet, als so manche Frau.
Ich kenne keinen schwulen Mann, der Frauenkleider trägt oder auf Männer in Frauenkleidern steht. Das macht diese Nische so schwierig. Weder Frauen noch schwule Männer können so richtig was damit anfangen. Eigentlich ist es so, dass man in klassische Männerklamotten auf schwule Männer sexuell anziehend wirkt. Aus dem Grund trage ich keine Männersachen.
Und Dragqueens sind wieder was anderes.


Zitat
Aber bei hübschen Mädels fand ich die und deren Kleidung gleichzeitig anziehend.  Das jemandem erklären habe ich nie versucht, der Diskussion bin ich immer aus dem Weg gegangen.
Ja. Sämtliche Foren Gruppen sind voll mit MzF Transgendern unter Sie sucht Sie und nicht unter Sie sucht Ihn. Transfrauen usw. mögen in der Regel gar keine Männer, da sie selbst keiner sein möchten. Nur kommuniziert das niemand in der Öffentlichkeit oder konfrontiert damit mal Männer, wie die Sache richtig aussieht. Solange man den Männern immer sagt, dass die Kleidung die sie tragen in Ordnung sei (weil man keinen Stress will), werden sie ihren Maßstab immer als den richtigen anlegen und Frauenkleidung als Abnorm darstellen. Man muss die Kerle mit der Nase reintunken, dass sie wie der letzte Husten rumlaufen


Gruß
Jule

Offline Skirtedman

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Antw:Film "Billy Elliot - I will dance"
« Antwort #5 am: 07.01.2021 01:52 »
Ich habe auch den Film irgendwann mal gesehen. An die Einzelheiten kann ich mich aber nicht so erinnern. Außer, dass ich enttäuscht war, dass Billy - soweit ich noch in Erinnerung hab - leider gar nicht die Ballettkleidung wie die Mädels anhatte, sondern durchweg gleich das Männer-(Buben)-Klischee komstümmässig erfüllen musste.

Stimmt, da war was mit einem Bub im Kleid. - Ich denke, das war dem Autoren-/Regie-Gespann wichtig, kontrastierend zu zeigen, dass ein Junge, der sich für etwas weicheres als Fußball interessiert, nicht schwul sein muss. Der potentiellen "Verführung" durch seinen besten Kumpel konnte er wohl widerstehen (hab den Film nicht mehr im Kopf, Ihr habt ihn gesehen; ich hoffe, Ihr versteht, was ich mit dem vermuteten "Kontrast" meine). Vermutlich sollte jene Szene des Bubs im Kleid gerade aussagen, dass auch andere Neigungen als die Standard-Beschäftigungen der Jungs nichts mit einer sexuellen Orientierungen zu tun haben müssen. Das interpretiere ich da jetzt hinein. (An dieser Stelle wäre für mich noch mal interessant, wie die Endszene inszeniert war: das war doch Schwanensee. Haben da die Männer in Männerkleidung getanzt oder in Tutu?)

In der Tat hatte ich zwei Mitschüler (Jungs), die leidenschaftlich getanzt haben, sogar Turniere. Beide "entpuppten" sich später als schwul. Was ja erstmal verwunderlich klingt, weil gerade im Paartanz man sich ja sehr intim nahkommen darf.

Ja, was sagt dieser Fakt aus und die Feststellung von Albis:
Leider wird somit das Vorurteil bestätigt, dass Jungs, die Mädchensachen tragen, schwul wären.

Es gibt sie, woher auch immer, diese Vorurteile. Auch noch 2021. Der Film ist von 2000, da vielleicht noch viel mehr als heute.

Ich denke, gerade wegen diesem Vorurteil sind wir so rar, wir rocktragenden Männer. Genau wegen diesem Vorurteil tun sich die Männer im allgemeinen so schwer, auf Hosen und weißgottnichtalles zu verzichten. Genau deswegen trauen viele unter uns hier im Forum sich auch nicht so recht raus auf die Straße. Oder sich ihren Liebsten zu offenbaren. Genau deswegen hat auch das Umfeld von rockwilligen Männern ein Problem damit - "Was sollen die Nachbarn sagen?", die Kollegen, der Chef, die Schwiegermutter?

Das ist doch dieses Kernproblem, weshalb es auch genau dieses Forum hier so erforderlich macht. Da ist die Befürchtung, man könne eine Frau sein wollen, doch eher nur Nebensache, wobei auch da noch bestimmt das homophobe Vorurteil mitschwingt.

Ich fühle mich als eher gut informiert, gerade, wenn große Themen anstehen - damals Trump-Wahl, jetzt Corona. Von März an hat es bis kurz vor Weihnachten gebraucht, bis ich eher zufällig mitbekommen habe, dass einer der Hauptakteure "bei Corona", nämlich Jens Spahn, mit einem Mann verheiratet ist. Und das nur nebensächlich und unkommentiert. All die Monate, in der tagtäglich Herr Spahn in den Schlagzeilen und in den Hintergründen präsent war, spielte dies absolut keine Rolle in der Berichterstattung.

Und genau das zeigt mir, dass es heutzutage nicht mehr wichtig ist, welche Hobbys oder sexuellen Neigungen oder Speisenvorlieben jemand hat. Und zwar noch weniger als noch zu Zeiten von Herrn Wowereit. Auch wir in Mainz und Wiesbaden haben/hatten z.T. gleichzeitig männliche Bürgermeister, die mit einem Mann verpartnert oder verheiratet sind. Es ist gut, dass das möglich ist.

Die Vorurteile also, sie sind am Schwinden. Doch im Gros der Gesellschaft ist das längst noch nicht in allen Äderchen angekommen.

Drum ist es für Manchem auch wichtig zu betonen, wo er nun sich einordnet, ob hetero oder homo. Auch für mich ist es manchmal wichtig zu betonen, dass ich Mainzer bin, kein Wiesbadener. Sich abzugrenzen heißt nicht, den andern nicht zu mögen.

Und so ist es auch hier im Forum wichtig, erkennen zu können, dass man nicht schwul sein muss, um als Mann Röcke tragen zu dürfen. Dass man nicht Frau werden wollen muss, um Röcke tragen zu dürfen. Dass aber z.B. Schwule genauso zur Gesellschaft gehören wie Frauen. Und alle auch hier im Forum sein dürfen.

Und Vorurteile abbauen gegenüber Frauen, auch hier im Forum, hilft uns allen, mit unseren Röcken gesellschaftlich besser anerkannt zu werden. Und genauso Vorurteile und Vorbehalte gegenüber Schwulen abbauen hilft jedem einzelnen von uns ebenso, egal wie sehr man sich dazu zählt oder nicht. Man könnte jetzt noch philosophieren, woher Vorurteile kommen und wozu sie gut sein könnten - tu ich nicht - denn Vorurteile sind innerhalb der Gesellschaft überwiegend schädlich - unmenschlich.

Ich bin ja auch der Meinung, dass wir uns nicht von Schwulen distanzieren dürfen, nach dem Motto: Schimpft über sie, aber nicht über uns. Sondern wenn wir auf homophobe Äußerungen uns gegenüber stoßen, sollten wir nicht betonen, nicht schwul zu sein, sondern dass homophobe und rockträgerfeindliche Äußerungen gleichermaßen daneben sind.

LG, Micha

Ja, Micha, sehr gut. Ich gebe zu, ich musste es zweimal lesen.

Ich übersetze es mal in eine fiktionale Begebenheit:
"Schwulie...!"
"Wenn Du rocktragende Männer genauso nicht magst, wie Du keine Schwulen magst, dann mag ich Dich auch nicht! Komm, lass uns ein Bier trinken gehen!"
« Letzte Änderung: 07.01.2021 01:53 von Skirtedman »

Offline MickyBlueEyes

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Antw:Film "Billy Elliot - I will dance"
« Antwort #6 am: 07.01.2021 08:48 »
Hallo Waldi!

...
Ich wage mal zu behaupten, dass es sogar deutlich mehr Homosexuelle Männer gibt, die Röcke tragen, als dass es welche gibt, die heterosexuell sind sind und Röcke mögen.
So ganz abwegig ist diese Assoziation eben nicht, auch wenn die natürlich einzelne Leute in Schubladen steckt, die einfach nicht passen.
...

Und worauf stützt Du Deine Behauptung?

In meiner Nachbarschaft wohnt ein schwules Pärchen - beide _immer_ in Hosen.

Und noch dazu - für meine Begriffe - nichtmal geschmackvoll oder chic gekleidet, was ein anderes Klischee ist, das wohl nicht nur die beiden auch nicht erfüllen.

Letztens habe ich ein anderes schwules Pärchen beim Spaziergang gesehen, auf das die obige Beschreibung genauso zugetroffen hat.

Kurzum:
Ich hab' im richtigen Leben noch nie einen Homosexuellen im Rock oder Kleid gesehen - Du etwa?

Deine weiteren Bemerkungen in allen Ehren, aber da kommt mir schon vor, dass da vielleicht auch unbewusst Schubladen bedient werden, die wohl vorwiegend in irgendwelchen Filmen erst geschaffen wurden ...

Viele Grüße
MickyBlueEyes

Offline MAS

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Antw:Film "Billy Elliot - I will dance"
« Antwort #7 am: 07.01.2021 08:57 »
Oder so, lieber Wolfgang:

"Schwulie...!"
"Homophobie...!"

 ;D

LG, Micha
« Letzte Änderung: 07.01.2021 09:02 von MAS »
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Offline GregorM

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Antw:Film "Billy Elliot - I will dance"
« Antwort #8 am: 07.01.2021 11:05 »

Ich denke, gerade wegen diesem Vorurteil sind wir so rar, wir rocktragenden Männer. Genau wegen diesem Vorurteil tun sich die Männer im allgemeinen so schwer, auf Hosen und weißgottnichtalles zu verzichten. Genau deswegen trauen viele unter uns hier im Forum sich auch nicht so recht raus auf die Straße. Oder sich ihren Liebsten zu offenbaren. Genau deswegen hat auch das Umfeld von rockwilligen Männern ein Problem damit - "Was sollen die Nachbarn sagen?", die Kollegen, der Chef, die Schwiegermutter?

Das ist doch dieses Kernproblem, weshalb es auch genau dieses Forum hier so erforderlich macht. Da ist die Befürchtung, man könne eine Frau sein wollen, doch eher nur Nebensache, wobei auch da noch bestimmt das homophobe Vorurteil mitschwingt.



Hallo Wolfgang,

und vielen Dank. Ist auch meiner Meinung nach der Grund, dass wir so wenige sind. Aber hier ist die Zeit mit uns. Denn nachdem Schwule es wagen, hervorzustehen, sind sie (viel besser) akzeptiert worden.

Primitive Leute gibt es überall, und sie werden nie so weit kommen, aber sie sind doch eine Minderheit. Sie verbinden per Automatik all das, das sie nicht verstehen, und das kann extrem viel sein, mit Homosexualität. Deshalb kommen wir auch in diese Schublade. Doch was sie meinen, sollte uns - und anderen Männern - egal sein.

Ich allerdings kann gut damit leben.

Gruß
Gregor
 

https://www.dress2kilt.eu/de00.htm
https://blog-de.dress2kilt.

Jeder Mann kann einen Rock tragen. Im Rock erregst du viel weniger Aufmerksamkeit, als du hoffst oder befürchtest.

Offline Skirtedman

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Antw:Film "Billy Elliot - I will dance"
« Antwort #9 am: 07.01.2021 12:31 »
Hallo Gregor,

ja, wir beide, und viele andere hier auch, können damit gut leben. Und zwar - ich für meinen Teil - besser als je zuvor.

Aber nicht jedem gelingt es noch nicht so gut wie uns. Und dass es ein uns alle begleitendes Thema ist, zeigt sich darin, wie schwer sich einzelne Männer damit tun, sich anderen mit ihrem Rocktragen zu erklären. Oder es zeigt sich genauso auch darin, wie schwer sich einzelne Menschen selbst heute noch damit tun, sich als homosexuell zu erkennen zu geben.

Aber immerhin hat sich - wie gesagt - ja schon wahnsinnig viel getan, um eben das "Anderssein" aus der ehemaligen Schmuddelecke herauszuholen, in der es ja angesiedelt sein musste, weil es existierte, aber gesellschaftlich geächtet war. Und mir sind auch noch eindrückliche Bilder von Bahnhoftoiletten von früher vor Augen bzw. drumherum. Ja, Vorurteile.

Ja, Gregor, wohin andere Menschen uns gedanklich stecken, kann uns wahrlich egal sein. Schon alleine deswegen, weil es keine wirkliche Schande mehr ist, als dies oder jenes angesehen zu werden, oder zu sein.


...
Ich wage mal zu behaupten, ...

..., aber da kommt mir schon vor, dass da vielleicht auch unbewusst Schubladen bedient werden, die wohl vorwiegend in irgendwelchen Filmen erst geschaffen wurden ...

Viele Grüße
MickyBlueEyes

Ja, MickyBlueEyes, da gebe ich Dir Recht, das wird mit Sicherheit eine Rolle spielen.

Wie sehr haben frühere Medienpräsenzen, auch über Filme hinaus, solche Bilder mitgeprägt. Ich denke da nur z.B. mal an Mary und Gordy oder an Charlotte von Mahlsdorff oder Rosa von Praunheim (obwohl ich bei Rosa nicht weiß, inwieweit er Kleider oder Röcke getragen hat - alleine der Wahlvorname Rosa transportiert einen Schwall von Vorurteilen).
Edit: Oder solche Vorurteile wurden z.B. in Sketchen ja auch immer wiederholt bedient, z.B. von Rudi Carrell etc.

Ja, Medien prägen ganz stark Vorurteile.

Ich hab' im richtigen Leben noch nie einen Homosexuellen im Rock oder Kleid gesehen - Du etwa?

Ich habe z.B. beide (in meinem letzten Beitrag hier erwähnten, schwulen) Oberbürgermeister persönlich, z.T. flüchtig, kennengelernt. Den einen kenne ich seit Beginn seiner politischen Laufbahn, den anderen, weil wir zufällig am selben Weinstand standen.

Keiner der beiden hat sich je dafür interessiert, warum ich Röcke oder Kleider trage.

Dennoch kenne ich auch einige Schwule, die sich fürs Röcketragen interessieren oder auch aktiv Kleider tragen. Ja, Schubladen existieren nicht ganz ohne Grund.

Und ich bin mal in mich gegangen, ich wurde zwei Mal von Schwulen angemacht, weil ich Rock oder Kleid trug. Einmal in Wiesbaden. Und einmal in Südtirol von einem Italiener. Ich sollte besser sagen, ich wurde offensichtlich angemacht, wer weiß, wie oft ich darüber hinaus es nicht gemerkt habe, dass andere mich anmachen wollten.

Aber ich erinnere mich auch, dass ich zwei Mal von Schwulen angemacht wurde, als ich noch Hosen trug. Einmal in einem Bus. Und einmal von einem Dänen in Rom, der schon von einer ganzen Nacht mit mir träumte.

In meinem Leben habe ich schon mehr als genug Hosen getragen. Zum Glück trage ich deutlich länger inzwischen Röcke und Kleider als Hosen. Man kann also sagen, dass ich statistisch häufiger merklich homosexuell begehrt wurde, als ich Hosen trug als in Rock bzw. Kleid.

Es gibt halt solche und solche. Ja, auch jene, die Vorurteile bestätigen.

Ich kenne auch Frauen, die nicht einparken können. Ich entwickele mich auch dahin, schlechter einparken zu können, weil ich anders als 20 Jahre lang vorher, nicht mehr gezwungen bin, mich in die kleinste Parklücke reinquetschen zu müssen. Ich kenne auch Frauen, die perfekt auf Anhieb ohne technischen Schnickschnack einparken können.

Und ich kenne Schwule, die niemals nie Röcke oder Kleider tragen würden.

Schön, wie wir uns theoretisch unsere Gedanken austauschen können - naja, ein bisschen mit praktischen Einblicken.
Und dabei wollte doch einer einfach nur tanzen!
« Letzte Änderung: 07.01.2021 12:58 von Skirtedman »

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Antw:Film "Billy Elliot - I will dance"
« Antwort #10 am: 07.01.2021 22:30 »
Aber immerhin hat sich - wie gesagt - ja schon wahnsinnig viel getan, um eben das "Anderssein" aus der ehemaligen Schmuddelecke herauszuholen, in der es ja angesiedelt sein musste, weil es existierte, aber gesellschaftlich geächtet war. weil es keine wirkliche Schande mehr ist, als dies oder jenes angesehen zu werden, oder zu sein.
Die Übergriffe haben in den letzten Jahren zugenommen. Auch ist die die private Einstellung der Leute eine völlig andere als was nach außen hin gelebt und gezeigt wird.

Gruß
Jule

Offline Albis

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Antw:Film "Billy Elliot - I will dance"
« Antwort #11 am: 08.01.2021 21:48 »
Oh, eine lebhafte Diskussion! Vieles von dem, was Ihr schreibt, kann ich unterstützen.

@MAS: Natürlich distanzieren wir uns nicht von schwulen. Wir behandeln sie so, wie wir selbst behandelt werden wollen und auch jeden anderen Menschen behandeln. Mich stört eben nur diese Assoziation, welche beide Gruppen in einen Topf wirft, gerade weil sie für den einen oder anderen von uns eine zusätzliche Hemmschwelle erzeugt.

@Skirtedman: Ich finde es gut, dass Du erwähnst, dass die Vorurteile weniger geworden sind. Das macht Mut und Hoffnung.  :)

Im übrigen habe ich auch den Eindruck, dass es abgesehen von Dragqueens unter den schwulen nicht mehr Rockträger gibt als unter der Heteros. Beim letzten Christopher Street Day sind ein paar einzelne Männer im Rock oder Kleid dabei gewesen. Sie machten allerdings schon den Eindruck, als ob sie eher bei uns hier besser aufgehoben wären und nur die Chance genutzt haben, unter vielen "schrägen ****" weniger aufzufallen. Da ich selbst (weil ich von einem Heimwerkereinsatz kam) in Hosen unterwegs war, habe ich mich allerdings nicht getraut, sie anzusprechen.

Offline MAS

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Antw:Film "Billy Elliot - I will dance"
« Antwort #12 am: 08.01.2021 22:43 »
Oh, eine lebhafte Diskussion! Vieles von dem, was Ihr schreibt, kann ich unterstützen.

@MAS: Natürlich distanzieren wir uns nicht von schwulen. Wir behandeln sie so, wie wir selbst behandelt werden wollen und auch jeden anderen Menschen behandeln. Mich stört eben nur diese Assoziation, welche beide Gruppen in einen Topf wirft, gerade weil sie für den einen oder anderen von uns eine zusätzliche Hemmschwelle erzeugt.

Lieber Albis,

stellen wir uns das doch mal umgekehrt vor:

"Iiii, ein Rockträger!"
"Ich bin kein Rockträger, ich bin nur schwul!"
"Oh, Verzeihung, ich habe es nicht böse gemeint. Aber man hört doch immer wieder, dass Schwule auch Röcke tragen."
"Das ist ein Vorurteil. Die meisten Schwulen tragen Hosen und ich auch. Ich meine, ich habe nichts gegen Rockträger, aber möchte doch klarstellen, dass ich keiner bin. Wegen dieser Vorurteile trauen sich viele nicht, zu ihrer Homosexualität zu stehen."

Und jetzt denken wir nochmal über Deinen Satz, den ich auch bejahe nach:
Zitat
Wir behandeln sie so, wie wir selbst behandelt werden wollen und auch jeden anderen Menschen behandeln.

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Offline MickyBlueEyes

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Antw:Film "Billy Elliot - I will dance"
« Antwort #13 am: 09.01.2021 15:44 »
...
Im übrigen habe ich auch den Eindruck, dass es abgesehen von Dragqueens unter den schwulen nicht mehr Rockträger gibt als unter der Heteros. Beim letzten Christopher Street Day sind ein paar einzelne Männer im Rock oder Kleid dabei gewesen. Sie machten allerdings schon den Eindruck, als ob sie eher bei uns hier besser aufgehoben wären und nur die Chance genutzt haben, unter vielen "schrägen ****" weniger aufzufallen.
...
(Unterstreichung durch mich)

Das stützt (wieder einmal) meine Beobachtungen.

Es interessiert mich wirklich:
Wer von Euch kennt einen Homosexuellen, der im wirklichen Leben in der Öffentlichkeit einen Rock oder ein Kleid als reines Kleidungsstück trägt?

Da bin ich jetzt echt(!) gespannt.

Viele Grüße
MickyBlueEyes
« Letzte Änderung: 09.01.2021 15:45 von MickyBlueEyes »

Offline JJSW

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Antw:Film "Billy Elliot - I will dance"
« Antwort #14 am: 09.01.2021 16:28 »
Hmmm, ich kenn keinen persönlich. Tut mir leid.

Grüßle
Jürgen
Laßt Euch nicht von Zweifeln plagen
und genießt das Röcketragen

 

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