Ja, sieht lustig aus 
Dem Inhalt kann ich aber trotzdem nicht folgen - nicht, dass ich diese Erörterung textlich nicht verstünde, aber mir ist das Konzept mich zu fühlen als*, zu identifizieren als*, etwas zu verschieben zu* nicht verständlich.
Ich bin ich und habe mich schon immer so gefühlt, aber wie * sich fühlt, kann ich nicht wissen und werde es nie tun.
Wenn man üblicherweise sagt ich wäre ein Mann, wird das wohl so sein, aber welches spezielle Gefühl habe ich, müsste ich haben, um mich korrekt zu fühlen?
*Mann,CD,TS,Frau,Divers,xyz
Hallo Kim, danke für Deinen Beitrag!
Ich glaube, ich kann ein bisschen nachvollziehen, was Du meinst.
Vor allem kernt er ja ziemlich in der Erkenntnis: "Ich bin ich".
Und ich glaube, das geht vermutlich irgendwie allen so, dass sie sich mit "ich bin ich" identifizieren.
Mag sein, dass es einige Menschen gibt, die zwischen dem "inneren Ich" und dem "äußeren Ich" unterscheiden. An dem äußeren Ich zerren dann die Vorstellungen und die Erwartungen der umgebenden Menschen (vor allem Freunde, Familie, Bekannte, Kollegen, Chefs). Da könnte dann das äußere Ich im Konflikt mit dem inneren Ich stehen.
Ich bin übrigens auch ich. Und ohne Not würde ich da auch nicht zwischen innerem und äußerem Ich unterscheiden, wahrscheinlich aus mehreren Gründen (auf die ich jetzt nicht eingehe). Ich habe erkannt, dass ich als Mann geboren und groß geworden bin, und dass ich daran nichts ändern möchte. Dass ich Röcke und Kleider tragen möchte, liegt ursächlich nur in dem einen Grund, dass ich keine Hosen tragen möchte. Das ändert aber nichts an meinem Empfinden, weiterhin ein Mann zu sein.
Ich habe mich damit abgefunden, ein Mann zu sein. Wäre ich gefragt worden bei meiner Zeugung oder irgendwann später mit etwas mehr Wissen vom Leben, ob ich von nun an lieber ein Mädchen oder eine Frau sein möchte - und dieser Wunsch wäre ohne Einschränkung zu erfüllen gewesen - ich hätte ja gesagt. Trotz feministischer Themen halte ich ein Leben als Frau für eine attraktivere Variante - vor allem ich müsste nicht soviel Lebenszeit investieren darin, mich zu erklären und könnte ungehindert meine Kleidungsvorlieben ausleben. Und ich hielte dieses Forum für mich nicht für wichtig.
Da das aber so nicht ist, bin ich ein Mann. Punkt. Darum fühle ich mich auch als Mann.
Das aber ist nicht der wichtigste Teil meiner Antwort auf Deinen kurzen, aber guten Beitrag, Kim.
Du schreibst:
"nicht, dass ich diese Erörterung textlich nicht verstünde, aber
mir ist das Konzept mich zu fühlen als*, zu identifizieren als*, etwas zu verschieben zu* nicht verständlich."
So ähnlich hat das glaubich u.a. auch mal cephalus formuliert.
Ich könnte mir denken, dass dieses sich fühlen als * (aus meiner Warte habe ich das oben erzählt) aus einer Art Verlangen oder Sehnsucht heraus kommt.
Ich denke, ganz wesentlicher Faktor dabei dürfte sein, dass man den Vorstellungen und Erwartungen der Gesellschaft, die an einem herangetragen werden, nicht ausreichend auf sich gespiegelt haben möchte. Dass man sie nicht ganz erfüllen kann oder möchte.
Darum, denke ich, werden die, die sich anders fühlen oder deklarieren, mit einer Sehnsucht sich nach einer anderen Rolle sehnen, die diese von außen herangetragenen Erwartungen nicht mehr in gleichem Maße erfüllen muss. Ein Teil dieser Erwartungen kann auch die Kleidung betreffen.
Ich mag völlig falsch liegen, das ist aber mein Eindruck und mein Zugang, das überwiegend zu verstehen.
(Ich wäre glücklich, wenn Menschen, die es betrifft, sich hier im Forum mal ausführlicher dazu äußern würden.)Ich beobachte, wie hier im Forum seit ein paar Jahren die Neuanmeldungen recht oft im Profil "Divers" angeben als Geschlechtszugehörigkeit. Nun ist es in einem Forum viel leichter, eine andere Identität zu wählen als im realen Leben. Und der im deutschen Sprachraum juristische Begriff "Divers" ist noch recht neu, meint eigentlich intersexuell geborene Menschen, die mit einem Prozentsatz im Promillebereich tatsächlich real existieren. Doch der Begriff griff um sich und viele finden diesen Begriff eine attraktive oder zutreffende Beschreibung für sich selbst - jedenfalls im "privaten Leben", und noch viel leichter bei einer Anmeldung bei einer Internetplattform.
Davor war der Begriff "non-binär" schon recht populär. Und der Begriff "queer" machte seine Runde. Alles Bezeichnungen, die recht neu sind. Und somit auch Angebote, sich damit zu identifizieren. Davor gab es fast nur "schwul, lesbisch" oder irgendwas mit trans (transsexuell, transvestitisch, sehr viel später auch transgender).
Viele dieser Begriffe haben sich übrigens nach und nach von der sexuellen Ausrichtung abgelöst, was auch gut so ist, denn das eine hat mit dem anderen nicht zwingend was zu tun - es gibt dazu nämlich genügend Gegenbeispiele, die gegen den notwendigen Zusammenhang sprechen.
Auf der Regenbogen-Skala gibt es also inzwischen viele Angebote, die von ihrer Sichtweise her recht neu sind. Insofern besteht auch eine reichhaltige Chance, sich als etwas fühlen, das die Möglichkeit eröffnet, dem gesellschaftlichen Druck der Rollenerwartungen zu entfliehen oder diesen zu reduzieren.
Ich glaube, das ist ein wesentlicher Bestandteil, sich als etwas zu fühlen. Und da es diese reichhaltigen Angebote gibt, fangen nun auch etliche Männer an, sich als Mann zu fühlen. Früher ist das ja gar nicht in Frage gestellt worden. Jetzt ist es leichter in Frage zu stellen, da es etliche Angebote gibt. Wobei es ja früher auch schon existierende Kategorien gab, einen abweichenden Mann einzuordnen, welche der "ordentlichen" Klasse eines "normalen Manns" entgegenstanden.
Es geht übrigens, Kim, nicht - jedenfalls mir nicht - darum, als etwas richtiges oder falsches sich zu fühlen, sondern sich einfach zu fühlen.
Wie fest und wie fundiert dieses Gefühl ist, kann wahrscheinlich nur jeder für sich selbst beantworten.
Und die andern können einen "verdächtigen" oder sich das Maul darüber zerreissen, jedenfalls werden sie es oftmals nicht verstehen, dass und wie sich jeder einzelne nun mal fühlt.
Interessant ist, Kim, dass ich mal die Geschichte des Begriffes, ja, des Konzeptes "
non-binär" mir angeschaut habe.
Erstmals so ein bisschen vorgeprägt 1973. Geprägt durch zwei Autoren 1990 und 1994. Langsam verbreiteten sich Begriff und Konzept. Erst 2021 erlangte das Konzept juristischen Niederschlag in Deutschland mit der Anerkennung der Geschlechterkategorie "Divers". Seitdem verbreitet sich auch der Begriff "divers" zumindest in privaten Lebensentwürfen weit über die juristische Bedeutung hinaus. "Divers" und "non-binär" werden inzwischen manchmal synonym verwendet usw. usf.
Und interessant sind die Statistiken. Ich will nur kurz mal zwei zitieren (Quelle siehe obigen Link oder direkt
da):
2018 unter 81.000 Studenten in Minnesota: 2,7 % bezeichneten sich als "transgender" oder "gender nonconforming"
(da müssen nicht zwingend auch Trans-Männer und Trans-Frauen mit dabei sein)
2019 Umfrage von der Uni Freiburg (vermutlich ganze Bevölkerung befragt),
"dass je nach Befragung und deren Umständen am wahrscheinlichsten zwischen 1,7 und 2,1 % einer Bevölkerung nichtbinär seien".
(auch da müssen nicht zwingend auch Trans-Männer und Trans-Frauen mit dabei sein)
Nehmen wir mal an, 3 % der Mann-Geborenen in Deutschland fühlen sich als "transgender" oder "gender nonconforming".
Nehmen wir noch mal an, dass ebenso 3% der restlichen Mann-Geborenen in Deutschland gerne Röcke oder Kleider tragen oder tragen würden, so sind die absoluten Zahlen vergleichbar - vermutlich liegt die Zahl der sich männlich fühlenden an Rock oder Kleid interessierten Männer aber etwas, vielleicht mehr als etwas höher.
In den meisten tagtäglichen Situationen spielt allerdings fast nie es eine Rolle, als was sich jemand fühlt. Es geht nur um das eigene Selbstverständnis. Und um die Menschen, die einen näher so umgeben und Dein Selbstverständnis einordnen müss(t)en.
Und da darf jeder "ich" sein.
(Da sollte jeder "ich" sein dürfen - das ist die Sehnsucht, die oftmals schwerfällt, Realität werden zu lassen.)