Im letzten Fall verbleiben die Standpunkte unverändert, wobei davon die Welt meist auch nicht untergeht. Bestenfalls kann man unterschiedliche Standpunkte aushalten, ohne dem anderen bös zu wollen. Das wäre sogar das Ideal für beide Seiten.
(Ohnehin das Ideal bei unterschiedlichen Standpunkten, auch ohne Rechtfertigungen)
(Es müssen nicht immer Übereinkünfte erzielt werden)
Runtergebrochen auf Albis sein Erlebnis,
war das ja nahe dran an diesem Ideal. Jedenfalls wurde dann doch noch ein ganz behaglicher Besuch daraus.
Und ich finde gut, dass Albis auf die Verwunderung seiner Verwandten noch eine weiterführende Erläuterung hinzugefügt hat, die helfen könnte, sein Tun zu verstehen ("Kleidung hat kein Geschlecht"). Wahrscheinlich wird diese Erläuterung nicht dazu geführt haben, dass sein unerwartetes Handeln verstanden wurde aber immerhin wurde es mit einem Denkanstoß verknüpft. Ob das nun als Rechtfertigung gedeutet wird oder als bloße Erklärung, das ist doch eher unwichtig.
Natürlich wird die Großnichte von Albis irgendwann seiner Mutter erzählen "Du, Albis und seine Frau Albinina haben uns besucht."
Und dabei wird bestimmt das Wort "Rock" nicht unerwähnt bleiben (oder zumindest umschrieben werden).
Vielleicht wird im Gespräch ja auch der Denkanstoß mit transportiert, vielleicht so:
"Und er sagte, dass Kleidung kein Geschlecht hat, stell Dir vor!" (à la 'solch eine Ungeheuerlichkeit!') Vielleicht transportiert sie genau das, dass sie es ganz anders sieht und deshalb ihr ein Verständnis dafür fehlt.
Vielleicht sagt aber Albis´ Mutter daraufhin: "Und damit hat er recht!"
Also es kommt gar nicht mal so darauf an, ob jemand mit einem Argument erreicht wird. Wenn es aber unverdreht weitergegeben wird (und eine Floskel- Meme - wie "Kleidung hat kein Geschlecht" kann man sich einprägen, egal wie man dazu steht), besteht die Chance, dass es im "Gerede" der Leute weiterhin wirkt.
Geredet wird - unter Verwandten z.B. - ohnehin über einen. Oft gepaart mit Stolz (z.B. tolles Haus, toller Job), Bewunderung (Karriere), Enttäuschung (falsche Frau, falscher Wohnort, keine Kinder, verzogene Kinder, falscher Berufswunsch, keine Zeit für mich, unerfüllte Hoffnung, zu still, zu unselbständig...), manchmal Missgunst oder Neid ("tolles" Haus, "super" Job, unverdientes Erbe...).
Die Verwandtschaft redet doch sowieso immer über einen. Und da ist es umso besser, wenn man es schafft, seine eigene Persönlichkeit mittels gesetzter Meme (Erklärungen, Rechtfertigungen) ins Gerede mit einzubringen.
Insofern, Albis, fände ich es spannend, ob und was Deine Mutter von dem Gespräch mit Deiner Großnichte Dir berichten wird.
Hast Du bereits eine Rückmeldung seitens Deiner Mutter?
So à la "fand sie gar nicht gut", "haben sich aufgeregt", "hat sich sehr gewundert", "hat mich gefragt" oder etwa ganz anders?