Autor Thema: Es muss nicht immer ein Rock sein ...  (Gelesen 472 mal)

Offline MikeImRock

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Es muss nicht immer ein Rock sein ...
« am: 29.05.2026 15:40 »
... um aufzufallen.

Ich war heute für eine Impfung beim Arzt. Das habe ich mit einer Runde auf dem Rennrad verbunden, so dass ich dabei ein T-Shirt und Lycra-Radlerhosen (bis Mitte Wade) trug. Als ich das Wartezimmer betreten habe, ist ein Pärchen auf mich aufmerksam geworden. Beide in dem Alter, wo man schlecht hört und entsprechend laut redet.
Er entsetzt: "Der trägt ja eine Radlerhose!"
Sie: "Ist ja auch mit dem Rad da."
Reagiert habe ich einfach gar nicht außer "Guten Morgen."

Was soll ich jetzt daraus schließen? Er findet eine Radlerhose ist ein Skandal? Sie findet das auch, aber auf dem Rad ist es noch zumutbar? Und hätte er anders reagiert, wenn ich einen Rock getragen hätte, oder ist das das gleiche Level Entsetzen?

Auf jeden Fall ist mal wieder festzuhalten: Wer was zum Meckern finden will, findet immer einen Anlass.

Die Spritze war 5 Minuten später ohne weitere Zwischenfälle im Arm. Die anderen Anwesenden haben sich nicht weiter für meine Kleidung interessiert.

PS: Ich bin zuerst zum Arzt, dann auf die lange Runde. Das Schwitzen hatte noch nicht begonnen.

Offline ChrisBB

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Antw:Es muss nicht immer ein Rock sein ...
« Antwort #1 am: 29.05.2026 21:52 »
Hallo Mike,
ich war heute auch im Triathlonanzug bei der Physio wegen meiner Schulter (auch ich war mit dem rad gefahren). Die manuelle Behandlung der Schulter war kein Problem, weil ich die obere Hälfte des Anzug einfach hinunter rollte.
Trag einfach das, was Dir gut tut.
Gruß,
ChrisBB

Offline MAS

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Antw:Es muss nicht immer ein Rock sein ...
« Antwort #2 am: 30.05.2026 00:22 »
Ja, ja, Menschen!

LG, Micha
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Offline doppelrock

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Antw:Es muss nicht immer ein Rock sein ...
« Antwort #3 am: 30.05.2026 07:29 »
Hallo Mike,

es reicht schon, minimal anders auszusehen als die Mehrheit der Anwesenden. Manchmal reicht schon ein natürliches Lächeln, um grimmig angeschaut zu werden. In unserer eher angefetteten Gesellschaft wird sogar ein schlanker Mann misstrauisch bis neidisch angesehen.

Ich vermute, es ist weniger das real andere Aussehen oder Verhalten gegenüber den anderen, sondern der Neid auf den Mut, anders zu sein und das auch zu zeigen und auszusprechen.

Nicht dran stören, weiter aufrecht und freundlich sein und tragen, was du magst.
Ob Rock, Radler, Hut oder Aufschrift. Irgendwer hat immer was zu meckern.

Einfach den eigenen Stil genießen und nicht runterziehen lassen.

Gruß
doppelrock


Offline hirti

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Antw:Es muss nicht immer ein Rock sein ...
« Antwort #4 am: 30.05.2026 11:53 »
Das Thema ist vermutlich nicht nur ein Rock, sondern das Thema über das man spricht ist einfach ungewöhnliches.
Und das sind Radlerhosen, dort wo normalerweise keine Radler auftauchen, auch. Somit werden sie besprochen, in dem Fall hörbar, meist eher wenn wir es nicht hören.
Für einen Rock gilt das noch mehr, weil noch ungewöhnlicher.

Offline doppelrock

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Antw:Es muss nicht immer ein Rock sein ...
« Antwort #5 am: 30.05.2026 13:49 »
Eigentlich nicht überraschend, dass nur wenige Leute einem Individualisten positiv gegenüberstehen.
Grob gesagt, sind wir ja seit mindestens 150 Jahren zu Untertanen und zu Verzicht "für die Sache" erzogen.

Wenn dann jemand um die Ecke kommt und fröhlich auffällt, ist das erstmal verdächtig.

Aus der Gesellschaft, könnte dann wie schon angesprochen, Neid entstehen. Der entsteht aufgrund Sympathie zum Sozialismus, wo ja nach der erlernten Unfähigkeit eher "gleiches Unrecht für alle" gelebt wird, womit man sich gegenseitig nach unten zieht und abhängig von vermeintlichem Führungspersonal macht.
Propagiert wird da ja immer das Nullsummenspiel der Verteilung, wonach es kein gesamtes Wachstum an Freiheit, Geld oder Ressourcen gäbe. Nullsummenspiel meint, dass es einen bestimmten Kuchen gibt, der zwischen arm und reich aufgeteilt wird, mit der Folge, dass die Armen nur deshalb arm seien, weil die Reichen reich sind. Ein Gesamtwachstum des Kuchens oder eine etwas andere Verteilung ist im Modell nicht vorgesehen.

Je mehr ich solche Strukturen durchschaue, desto mehr lebe ich meine Freiheiten und sage, was ich denke und trage, was mir gefällt.
Das letzte Viertel des Lebens ist ganz sicher nicht dafür gemacht, sich auf das Sterben im Heim vorzubereiten, sondern mit der großen Erfahrung das Leben zu genießen.


Offline Peter58Muc

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Antw:Es muss nicht immer ein Rock sein ...
« Antwort #6 am: 30.05.2026 17:29 »
Was bitte ist an einer Radlerhose so erwähnenswert, die zwei alten müssen schon sehr schrullig sein

Offline cephalus

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Antw:Es muss nicht immer ein Rock sein ...
« Antwort #7 am: 30.05.2026 18:06 »
Was bitte ist an einer Radlerhose so erwähnenswert, die zwei alten müssen schon sehr schrullig sein

Oder einfach nur alt und inhaltlich im Leben irgendwann stehengeblieben.

Hosen an Frauen waren erwähnenswert, wie Bikinis, oder Minis, Leggings lange Zeit, dann Radlerhosen oder auch Leggings an Männern. Gleichgeschlechtliche Partnerschaften, Ohrringe an Männern, Tattoos, Lippenstift an Frauen, Turnschuhe im Bundestag, ach ja, über was man sich zu meinen Lebzeiten schon das Maul zerrissen hat, für einen bestimmten Zeitraum ::) ;D

Und manche sind bei ihren Themen stehengeblieben, und manche würden gerne den Lauf der Zeit zurückdrehen.

Nichts ist dauerhaft absolut fest und genaugenommen kann es dem Einzelnen total egal sein wenn es anderen nicht passt was er tut, irgendwann ist eh jedes Thema durch und wird von neuen Aufregern abgelößt.

Offline doppelrock

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Antw:Es muss nicht immer ein Rock sein ...
« Antwort #8 am: 30.05.2026 18:12 »
Für uns hier wird es meist Standard sein.
Für Menschen mit einem Leben zwischen Gartenzaun, Fensterbrüstung und Tagesschau ist alles, was nicht graubeige ist und den ganzen Körper bedeckt, manchmal ein Aufreger. Dadurch, dass die Gewohnheit unerwartet unterbrochen wird.
Das enge Regelwerk steckt die Grenzen des Normalen sehr eng.
"Kann der sich zum Arztbesuch nicht anständig anziehen? So eine Kompetenz besucht man doch allenfalls im Sonntagsanzug" mag mancher denken.
Etwas überspitzt gesagt gibt es wohl immer noch Leute, denen es schwer fällt, Neues und Überraschendes anzunehmen, selbst wenn es absolut harmlos und eigentlich unwichtig ist.
Das wird auch nicht das erste Publikum sein, das sich vom Rock am Mann begeistern ließe. Mir selbst fällt es allerdings schwer, in solchen Schranken zu denken, da ich körperlich und geistig doch etwas mobiler bin und mich sogar oft wundere, wie "alt" im Sinne von unbeweglich sich manche 30er bewegen.

Offline MAS

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« Antwort #9 am: 31.05.2026 01:00 »
Eigentlich nicht überraschend, dass nur wenige Leute einem Individualisten positiv gegenüberstehen.
Grob gesagt, sind wir ja seit mindestens 150 Jahren zu Untertanen und zu Verzicht "für die Sache" erzogen.

Mindestens! Ich denke, die Ein- oder Unterordnung in und unter gesellschaftliche Regeln ist der Normalfall in der menschlichen Geschichte. Individualismus und Selbstverwirklichung sind relativ neue Themen.

LG, Micha
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Offline MAS

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« Antwort #10 am: 31.05.2026 01:02 »
Was bitte ist an einer Radlerhose so erwähnenswert, die zwei alten müssen schon sehr schrullig sein

Oder einfach nur alt und inhaltlich im Leben irgendwann stehengeblieben.

Hosen an Frauen waren erwähnenswert, wie Bikinis, oder Minis, Leggings lange Zeit, dann Radlerhosen oder auch Leggings an Männern. Gleichgeschlechtliche Partnerschaften, Ohrringe an Männern, Tattoos, Lippenstift an Frauen, Turnschuhe im Bundestag, ach ja, über was man sich zu meinen Lebzeiten schon das Maul zerrissen hat, für einen bestimmten Zeitraum ::) ;D

Und manche sind bei ihren Themen stehengeblieben, und manche würden gerne den Lauf der Zeit zurückdrehen.

Nichts ist dauerhaft absolut fest und genaugenommen kann es dem Einzelnen total egal sein wenn es anderen nicht passt was er tut, irgendwann ist eh jedes Thema durch und wird von neuen Aufregern abgelößt.

Ich habe mal erlebt, wie sich ein älteres Paar über die Sichtung eines Mannes mit Hut unterhalten haben, was sie als sehr komisch empfanden.
Wenige Jahrzehnte früher hätten ähnlich tickende Menschen es für komisch befunden, wenn ein Mann ohne Hut das Haus verlassen hätte.

LG, Micha
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Offline doppelrock

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« Antwort #11 am: 31.05.2026 05:29 »
Hut und Anzug auch für Arbeiter dürften bis in die 1960er üblich gewesen sein, um dann bis Ende des Jahrzehnts fast auszusterben.
Ich finde es gut, dass auch die Krawatte bei Angestellten oder Vorgesetzten nicht mehr Pflicht ist. Für manche war es fast ein Skandal, dass dieter Zetsche als Daimler-Vorstand sich vom Kulturstrick befreit hat, auch um den Aufbruch in neue Zeiten zu zeigen.

Individualität war erst möglich, seit es ein gewisses Maß an Luxus und sicherer Versorgung gibt. Bei Tieren oder ganz frühen Vorfahren wäre das Verlassen  der Herde lebensgefährlich gewesen wegen Hunger, Kälte, Raubtieren. Erst als Menschen sesshaft wurden, Vorräte anlegen und sich über gewisse Zeit selbst versorgen konnten, war das Ausscheren aus der Masse oder Verlassen der Herde möglich. beim heute zunehmenden Gruppendruck ist das Ausleben des eigenen Geschmacks teilweise schwieriger als noch bis vor 20 oder 10  Jahren.

Wichtig finde ich, dass die Expertokratie abgeschafft wird. Menschen sollen wieder selbst mehr Wissen und Fähigkeiten entwickeln und das Hinterfragen können, was der weiße Kittel oder schwarze Anzug erzählt.Ein wirklicher Fachmann erlaubt Fragen zu seinem Gebiet und erklärt das, was er anwenden oder verkaufen will. Wer wegen Gotteslästerung empört spielt, ist kein Fachmann, sondern eine Luftnummer mit bestenfalls auswendig gelerntem "Wissen".Der Trend an Schulen, auswendig zu lernen statt selbst zu denken, müsste umgedreht werden. Ein guter Student lernt nicht das ganze Buch von A-Z auswendig, sondern kann die Inhalte selbst herleiten und verständlich erklären.

Dann haben wir die Chance, dass Individualität und (harmlose) Normabweichung wieder akzeptiert wird.


 

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