Autor Thema: Der Rock kratzt offenbar am Selbstverständnis vieler Männer  (Gelesen 10981 mal)

Offline Modernfashion

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Ein interessantes Interview in der österreichischen Zeitung "Der Standard" mit den Organisatoren einer Mode-Ausstellung zum Thema Hose im Weltmuseum Wien:
https://www.derstandard.at/story/3000000264787/kuratorin-der-rock-kratzt-offenbar-am-selbstverstaendnis-vieler-maenner

In Abgrenzung zur Hose geht es natürlich auch um das Thema "Rock und Männer".

Die Ausstellung "Wer hat die Hosen an?" im Welmuseum Wien ist noch bis zum 01. Februar 2026 zu sehen.

Die letzte Bemerkung in dem Interview lässt hoffen:
"Pönighaus-Matulla: Sollte die Ausstellung erfolgreich sein, setzen wir uns vielleicht auch mit einem anderen Kleidungsstück auseinander. Eine Schau zum Rock möchte ich jedenfalls nicht ausschließen."

Offline doppelrock

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Leider wieder keine neuen Erkenntnisse.
Solange Frauen die macht haben zu entscheiden, mit welchem Mann sie das Leben verbringen, entscheiden sie nach ihren Kriterien. Und die sind oft seit 100000 Jahren die selben. Muskeln und Körperbau, Intelligenz, Beschützerfähigkeiten, Ansehen in der Gesellschaft.(Status im Rudel).
Da  gehen Mode und zeitgeistige Themen wie individuelle Kleidung eher unter. Und Männer, die das erkennen, verzichten auf Experimente, um eben die angestrebte Partnerschaft nicht zu gefährden.

Die Entscheidung gegen den Rock muss also nicht zwangsläufig Feigheit bedeuten. Zumal es hier ja auch Männer im Rock gibt, die Angst vor tiefergehenden Diskussionen haben, um nicht in der nüchternen realität zu landen.

Von daher ist mal wieder nicht alles so monokausal, wie gern dargestellt.

Offline Timper

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Richtig. Die Frau wählt aus, der Mann darf sich bewerben und folglich fügen.
Und welcher Bewerber möchte schon den Auswähler optisch verschrecken in dem er unmännlich erscheint.
Macht über sein Leben hat nur der der sich davon löst. Der bereit ist zu sagen nimm mich wie ich bin oder geh weiter!
Wie oft liest man es hier wie sich Männer verknechten lassen weil sie ein Rückgrat aus Gummi haben.
Rock tragen? Ich darf das!
Dress to Impress!
Schwarz ist bunt genug! :-)

Offline Skirtedman

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  • Mann ohne Hose muss nicht nackt oder sonstwas sein
Na, da muss ich Dir ein Stück weit widersprechen, doppelrock!

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es auch andere Frauen gibt, die sich trotz des dürftig allgemein am Mann anerkannten Rocks nicht von einer Beziehung abhalten ließen. Aus eigener Erfahrung weiß ich das mehrfach, auch von denen, mit denen ich aus eigener Entscheidung nicht in eine Beziehung eingetreten bin. Und meine beendeten Beziehungen aus meiner Vergangenheit sind nicht am Rock gescheitert.

Und sehen und hören bzw. lesen tu ich das auch immer wieder bei anderen Beziehungen.

Es mag zwar nicht die Masse der Frauen sein, die sich von einem berockten Mann nicht abhalten lassen, mit ihm eine Verbindung einzugehen. Aber ein relevanter Anteil von Frauen ist schon dem Mann im Rock per se nicht abgeneigt.

Ausserdem steht dem Muster Deiner vermuteten Selektionskriterien von Frauen ein Rock ebenso nicht im Wege:
Muskeln und Körperbau, Intelligenz, selbst das Ansehen in der Gesellschaft muss mit einem Rock am Mann nicht zwangsläufig sinken (hier wird eventuell eher nur vorauseilend ein solches sinkendes Ansehen damit verbunden). Diese Kriterien sind also ziemlich bis völlig unabhängig von der Wahl des Kleidungsstücks.

In einem Punkt muss ich Dir eher Recht geben: die Beschützerfähigkeiten.
Das kollektive Bewusstsein der Frauen, geprägt von emanzipatorischen Bestrebungen, schreibt dem Rock einen eher hinderlichen, "unbequemen" Faktor zu. Zwar ist das eher der Zeit geschuldet, zu der der Ursprung dieser Gedanken zu suchen ist - eine Zeit, in der schwere bodenlange, eher schmale Röcke oder Kleider für Frauen üblich waren; das kollektive weibliche Bewusstsein hat der Bekleidungsform Hosen inzwischen aber noch weitere angeblich befreiende Eigenschaften zugeschrieben.
Und diesem Narrativ folgen viele Männer - genauso wie viele Männer dem Narrativ folgen, Röcke seien per se kühler und könnten nicht so warmhalten wie Hosen.
Aber all dieser von mir eigentlich als Gegenargument zu wertenden Faktoren kommt ja noch ein Bündel von Tatsachen hinzu, die tatsächlich auf Kosten von Beschützerfähigkeiten gehen:
Ein Mann im Rock kann nicht einem Dieb mal eben hinterherrennen. Ein Mann im Rock kann nicht mal eben, wenn es erforderlich wäre, über einen Zaun oder eine Mauer klettern. Einen Mann im Rock will man nicht die Leiter hochschicken oder auf einen Baum. Ein Mann im Rock legt sich nicht mal eben ganz selbstverständlich unter das Waschbecken, um den geplatzten Wasserschlauch notzuversorgen. Auch legt ein Mann im Rock sich nicht unter das hochgebockte Auto am Straßenrand.
Das sind alles Aktionen, die mit zu einem umfassenden Beschützer gehören müssen. Insofern ist ein Mann im Rock ein "behinderter", zumindest ein eingeschränkter Beschützer.

Zwar sind diese Fälle in der Regel äußerst selten relevant, dennoch spielen sie im Unterbewusstsein eine unverhältnismäßig überzeichnete, starke Rolle. Insofern gebe ich Dir bei diesem Punkt Recht. Und dieses Bewusstsein (im Unterbewusstsein) agiert nicht nur bei Frauen kontra Rock am Mann, sondern auch bei den Männern selbst. Hier, bei den Männern, eben geprägt von eigenen (Vor?-)Urteilen, aber auch vom unterschwelligen Narrativ der Frauen.

Dennoch, wie oben erwähnt, gibt es eine nicht von der Hand zu weisende Anzahl von Frauen, denen das beim Eingehen einer Beziehung mit einem Mann im Rock nicht wichtig genug ist, um als No-Go-Argument eine solche Beziehung zu verunmöglichen.

Und viele der anderen Punkte sind besonders auch dem Zeitgeist ausgesetzt, sicherlich auch die Beschützerfähigkeit bleibt von den Wertungen des Zeitgeistes nicht gänzlich unberührt. Insofern kann der Zeitgeist sich ändern.

Und ganz so negativ, wie Du , doppelrock, das dargestellt hast, kann ich das nicht werten.

Trotz meines Kommentars soeben habe ich mir die Podcasts noch nicht angehört. Ob da das Potenzial von neuen Erkenntnissen drinsteckt oder nicht, kann ich nicht beurteilen. Hier in diesem Punkt neige ich dazu, mich ungeprüft Deiner Beurteilung anzuschließen.

Edit: Oh... falscher Thread, nein, es geht nicht um Podcasts. Und im Gegenteil, ich habe mir den verlinkten Text sogar gestern durchgelesen. Aber Einzelheiten dazu habe ich bereits wieder vergessen, und kann die Erinnerungen dazu gerade nicht nochmal auffrischen. Nur bleibt in mir ein Gefühl, dass ich irgendwie zu wenig Information darin bekommen hatte, oder es fast mir irgendwas darin gefehlt hatte. In Erinnerung habe ich nur zumindest das als Positivum: Es wurden die Möglichkeiten von Röcken an Männern thematisiert. Das Nachlesen des Textes und eine Bewertung dessen werde ich mir für irgendwann mal vornehmen... ... ..
Dass Männer nur Hosen tragen, ist weder körperlich noch geistig gesund.
Wie tief muss der psychische Knacks wohl sein, dass Männer sich nicht endlich auch mehr Freiheiten gönnen!?


Offline Kim70

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Ich bin gerade ehrlich erschrocken von eurem Frauen-, Gesellschafts- und Beziehungsbild.

Männer haben so zu sein, Frauen sind so und wer was will muss sich fügen, anpassen oder unterordnen?

Irgendwo zwischen Patriarchat, Abhängigkeit und toxischer Männlichkeit?

Sorry, ich komme da nicht mit.

Ich brauche keine Beziehung.
Wenn Beziehung,  dann weil die Frau passt,  und andersherum, nicht aus Not aber immer auf Augenhöhe.
Ich bin ein Durschnittstyp, nicht schön, nicht mehr jung, nicht reich, einfach 0815.
Ich habe nie aktiv nach Partnerinnen gesucht, war aber fast immer in einer längeren Partnerschaft - ergibt sich einfach.
Wenn irgendwas nicht passt, dann eben nicht.
Ein Rock mag manche verschrecken, andere aber anziehen.
Für mich ist der Rock grundsätzlich nicht das Problem, sondern wenn, ist es die Geisteshaltung die auf beiden Seiten dahinter steht.

Für mich ergibt es keinen Sinn,  sich irgendwelchen scheinbaren gesellschaftlichen Normen oder Erwartungen unterzuordnen, wenn es um Beziehungen geht.
Authentizität zählt.

Offline doppelrock

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@kim70: Es sagt ja niemand,dass alle Menschen immer genauso handeln. Es liegt nunmal in der Natur der Sache, dass Lebewesen, die leben und überleben wollen, sich zeitig um Nachwuchs kümmern müssen, damit die Gattung nicht ausstirbt.

Wer meint, lieber auf Partnerschaft (Arterhaltung, Fortpflanzung) verzichten zu müssen aufgrund was auch immer, stirbt eben aus

Klar kann man heute auch ein selbstgerechtes, konsumorientiertes Leben  haben, aber die eigentlichen Ziele werden damit eben nicht erreicht. Beim Überleben fragt niemand nach Soziologie-Gedöns und Selbstdarstellung am Interesse potentieller Partnerinnen vorbei.

Da ich es überhaupt nicht einschätzen kann, würde mich mal interessieren, wie hoch der Anteil von Partnerschaften mit eigenen Kindern unter den heterosexuellen Rockträgern ist. Im Vergleich zu denen, die keinen Rock tragen. Eine persönliche Einschätzung gebe ich nicht ab, kein Gefühl, wo die Zahlen liegen können.

Offline Modernfashion

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@doppelrock und @Timper:
Aus Euren Beiträgen spricht eine negative Erfahrung mit Frauen raus, die ihr beiden mit dem Tragen von Röcken oder evtl. auch nur dem Wunsch, Röcke tragen zu wollen, bei Frauen gemacht habt.
Das ist bedauerlich und traurig.

Ich habe da richtig Glück, denn meine Frau unterstützt es von der ersten Sekunde an. Gleichwohl war sie zunächst auch skeptisch vor meinem ersten Auftreten mit einem Utilitykilt in der Öffentlichkeit vor nunmehr ca. 3 Jahren.
Aber als sie gesehen hat, dass es überhaupt kein Problem darstellt und sogar überwiegend positive Reaktionen folgten (meist jedoch gar keine), ist sie ganz entspannt.

Ich denke, dass die Wahrnehmung von Männern in Röcken bei Frauen sehr unterschiedlich ist und man das nicht verallgemeinern kann.
Auch hängt es stark davon ab, wie das Styling individuell aussieht.
Man kann einen Rock durchaus auch maskulin stylen.
Anleitungen und Beispiele gibt es im Internet zuhauf. Z.B. hier:
https://everybodyskirts.com/blogs/posts/the-masculine-approach-to-wearing-skirts
https://everybodyskirts.com/blogs/posts/how-men-wear-skirts-without-fear-of-stereotypes

Und wenn der Rock sich an historischen Vorbildern orientiert, die von Männern getragen wurden (z.B. Utilitykilts an schottischen Kilts, Röcke griechischer oder römischer Kämpfer, usw.), wirkt das einer femininen Perzeption des Rock tragenden Manns entgegen.

Ich neige den Argumenten im Beitrag von Skirtedman zu.
Muskeln und Körperbau, z.B. trainierte Waden und maskulin wirkende Beine, können bei einem Rock in oben beschriebener Ausführung sogar bewusst hervorgehoben und in Szene gesetzt werden.
Das kann auf Frauen auch anziehend und erotisierend wirken.


Ich habe auch den Eindruck, dass sich der sog. Zeitgeist vorteilhaft für uns männliche Rockträger verändert.
Vieles von dem, was heute in der Mode für Männer möglich ist und niemanden mehr aufregt, wäre noch vor 15 oder 20 Jahren so nicht denkbar gewesen.

Offline Slothorpe

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was haben hier einige für ein seltsam anachronistisches Männer- und Frauenbild!?!!

Frauen sind genau so vielfältig in Ihren Meinungen, Vorlieben und Interessen wie Männer, manche mögen auf Muskeln und „maskuliner“ Ausstrahlung stehen, andere finden das total langweilig und finden einen Mann im Rock und mit hohen Schuhen viel spannender…
Es findet ja auch nicht jeder Mann Frauen mit großen Brüsten und Schlauchboot-Lippen toll, um mal das Narrativ aufzunehmen!

Ich habe mir meine Partnerinnen immer selbst ausgesucht, ich wurde nicht passiv „ausgewählt“, wenn Ihr keine Partnerinnen findet, dann ist das nicht die Schuld der Frauen…

Meine Frau findet es jedenfalls schön, wenn ich im Rock und Heels auftrete und hat mich da von Anfang an bestärkt. Btw: wir hatten dieses Jahr silberne Hochzeit, unsere beiden Kinder sind inzwischen erwachsen und studieren…
beam me up Scotty, there's no intelligent live on this planet!

Offline MAS

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Danke für den Link, lieber Modern Fashion!

Folgendes stößt mir auf:
"Männlichkeit ist schwer zu erwerben und leicht zu verlieren, man muss sie immer wieder beweisen. Hosen sind Teil der gesellschaftlichen Definition von Männlichkeit, die letztendlich sehr fragil ist. Wäre Maskulinität ein robustes Konzept, könnte ein Mann tragen, was er wollte."

Wieso ist Männlichkeit schwer zu erwerben und leicht zu verlieren?

Oder ist hier ein bestimmtes Bild von Männlichkeit gemeint? Das heißt, Männlichkeit, auf eine bestimmte Art verstanden, ist schwer zu erwerben und leicht zu verlieren. Was ist das aber für ein Bild oder eine Art von Männlichkeit? Due biologische Männlichkeit ist sicher nicht gemeint, denn die hat man schon im Bauch der Mutter oder eben nicht. Es geht also um eine soziale Männlichkeit, also um Gender. Diese unterliegt aber bis zu einem gewissen Maße unserer Gestaltungsmöglichkeit.

Ich gestalte meine soziale Männlichkeit nicht als robustes Konzept, sondern eher als flexibles. Ein chinesisches Sprichwort sagt, dass hartes Holz leicht bricht, während weiches Gras sich biegt und wieder aufrichtet. Ein biegsames Männlichkeitskonzept ist m.E. haltbarer als ein starres. Ich kann dann auch mit Männlichkeit und Weiblichkeit spielen und mehr Facetten meiner Persönlichkeit ausleben. Mit einem robusten Konzept könnte ich das so nicht.

LG, Micha

Wer das Leben ernst nimmt, muss auch über sich lachen können.

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Offline high4all

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Mit robust ist hier wohl belastbar gemeint. Wenn Männlichkeit belastbar ist, macht es keinen Unterschied, wenn der Mann Kleid oder Rock oder Hose trägt. Er bleibt männlich, auch wenn er auf den ersten Blick nicht immer danach aussieht.

Ein Mann, der Rock oder Kleid trägt, hat "die Hosen an". 8)

Zudem verwechselst Du robust mit starr, oder?
Herr, ich danke Dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele. (Psalm 139,14)

Never be limited by other people's limited imaginations. (Dr. Mae Jemison)

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Offline cephalus

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Sich überhaupt Gedanken über die eigene Männlichkeit zu machen, deutet für mich schon auf tiefe innere Konflikte und Unsicherheiten hin.

Ich bin ein Mann PUNKT

Da gibt es keine Zweifel, keine Abstufungen und keine Bedingungen. Und wenn mich mancher als ungewöhnlich wahrnimmt ändert das nichts.

Offline doppelrock

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@ modernfashion, slothorpe und andere:
Wäre es nicht sinnvoll, gelesene Texte erstmal sacken zu lassen, nachzudenken und dann zu antworten? Statt reflexartig irgendwas zu schreiben?

Wenn ich allgemeine Dinge nenne, die mit Verhalten zur Arterhaltung zu tun haben, ist es falsch auf mein persönliches Leben zu schließen und sinnfreie Wertungen einzubringen. Es hat auch nichts mit meinem Männer- und Frauenbild zu tun, was ihr ohne echten Zusammenhang in die Worte reindeutet.

Kann man so machen, hilft aber niemandem.

So als Beispiel: Ich spreche beim Hausbau erstmal davon, einen Plan zu machen, ein solides Fundament zu machen und Stück für stück von unten nach oben zu bauen. Andere streiten schon über die farbe der Gardinen und behaupten, ich würde mich auf das Ausheben einer Grube beschränken und wolle im Erdloch wohnen. Stelenweise leicht überzeichnet, aber so kommen mir die Reaktionen vor.

Sorry, dass ich euch mit so einfachen Dingen überfordert habe.

Offline MAS

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Mit robust ist hier wohl belastbar gemeint. Wenn Männlichkeit belastbar ist, macht es keinen Unterschied, wenn der Mann Kleid oder Rock oder Hose trägt. Er bleibt männlich, auch wenn er auf den ersten Blick nicht immer danach aussieht.

Ein Mann, der Rock oder Kleid trägt, hat "die Hosen an". 8)

Zudem verwechselst Du robust mit starr, oder?

Lieber Hajo,

ich assoziiere mit "robust" sowas wie die Eiche in der Hymne der Niedersachsen: "sturmfest und erdverwachsen". Klar gehört "belastbar" dazu, aber eben auch "unbeugbar", "stark", "unveränderlich" usw.

Was mir aber wichtiger ist: Es handelt sich hier nicht um eine biologische, sondern um eine soziologische Männlichkeit, also nicht um Sex, sondern um Gender. Denn die biologische Männlichkeit ist völlig unabhängig von der Kleidung, die soziologische aber geht Beziehungen zur Kleidung ein. Es kommt darauf, an, welches Männlichkeitsbild in der Gesellschaft vorherrschend ist oder welche Bilder die einzelnen Menschen konstruieren. Und genau so, welche Geschlechtlichkeit in der Gesellschaft und in den individuellen Köpfen der Kleidung zugesprochen wird. Ich für mich halte es gerne flexibel und für kreative Phantasie offen.



LG, Micha

PS: Das, was hier am Anfang steht, passt eigentlich ganz gut zu dem, wie ich das Wort verstehe: https://de.wikipedia.org/wiki/Robustheit
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Offline hirti

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Das Thema, wie wichtig ist eigentlich meine Männlichkeit, und wie schlimm ist es , wenn ich sie nur zu einem Teil verkörpere, beschäftigt mich immer wieder.

Ich denke oft darüber nach, wenn ich in einem femininen Outfit in der Arbeit bin. Zu Beginn habe ich dort immer darauf geachtet, meine Röcke männlich zu kombinieren. Aber mir macht es doch auch Spaß, die Outfits weiter auszufeilen und auch mit weiblichen Stücken zu ergänzen.

Es hat wohl inzwischen jeder gemerkt dem das nicht komplett am A***h vorbei geht, dass ich viel weibliches trage.
Nur: Wie schlimm ist das eigentlich???
Frauen sind ja häufig noch viel weiblicher und die sind in unserem Unternehmen auch keine Menschen zweiter Klasse, stehen in Technik oder Verkauf oder in Führungspositionen ihre Frau und werden geachtet und geschätzt.

Ist es dann so schlimm wenn ich einen Teil meiner Männlichkeit abgebe und dafür ein wenig mehr aus beiden Welten in mir vereine und mich auch so zeige?



Offline MAS

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Ja, lieber Hirti, in diese Richtung denke ich auch immer mehr.

Es ist zwar nun mal so, dass wir qua Sozialisation sehr auf das männliche Gender geprägt sind, diesem entsprechen wollen, weil wir Angst haben, sonst gesellschaftlich irgendwann zu unsern Ungunsten markiert zu werden. Eine biologische Frau, die sich sehr feminin gibt, gilt da als normal, ein biologischer Mann, der sich auch nur ein wenig feminin gibt, gilt als nicht normal. Und wenn er noch nicht mal queer ist oder divers, dann erst recht nicht, also in Bezug auf die Wahrnehmung seiner Gender-Erscheinung.

Damit müssen wir uns auseinandersetzen. Und es erfordert - um mal das von mit in Verbindung mit Männlichkeit kritisierte Wort zu verwenden - eine robuste Selbstsicherheit - genderunabhängig - damit man sich davon nicht aus der Bahn werfen lässt. Und diese Robustheit wächst bei mir allmählich, ist aber noch nicht an ihrem Optimum angelangt.   

LG, Micha
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