Danke, Micha, für Deinen inspirierenden Beitrag.
Fast könnte man ihn schon als Grundsatzpapier für eine neue Ethikbewegung verwenden.
Du sagtest, ich hätte monokausal begründet.
Nun, ich habe es auf zwei Ebenen, oder wie ich es ausdrückte, zwei Kernzellen bezogen.
Also die nahezu unlösbaren Quellorte der Ablehnung von Homosexualität und Transgender. Quellorte, die so schnell nicht versiegen werden. Homosexuelle und Transgender haben da einen enormen Widerstand, gegen den sie anschwimmen müssen.
Kernzelle 1: Armee und Wirtschaft auf nationaler Ebene, beide systematisch recht gleich strukturiert.
Kernzelle 2: Familie, und hier mit besonderem Blick (weil hier diese Quelle am meisten heraussprudelt) auf:
- die Eltern
- die Partnerin (in unserem Rockmännerfall reicht der verkürzte Blick auf die Partnerin,
in anderen Fällen könnte dies natürlich auch der Partner sein)
Insofern habe ich nicht monokausal argumentiert. Natürlich ist das alles sehr komplex und es gäbe noch eine Reihe anderer Quellen von Abneigung gegenüber Homosexualität oder Transgender, insofern habe ich das nicht vollumfänglich abgearbeitet. Aber es war ja auch genau das Ziel, die wichtigsten Quellen sozusagen dauerhafter Ablehnung aufzuzeigen und die Ursache hierfür zu beschreiben. Darum nannte ich diese Quellorte auch "Kernzellen", was besagt, dass es auch noch andere, allerdings mehr beiläufige Quellen gibt, die den Fluss der Ablehnung zwar anschwellen lassen, aber sich durchaus auch mitunter von den 'Kernquellen' speisen, sozusagen als Nebenläufe der Hauptquellen.
Richtig ist, Micha, dass Du diese Kernquellen quasi zu einem systemischen Grundschema zusammengefasst hast: das Schema des kollektiven Selbsterhalts, auch über Lebenszeit-Spannen hinausgedacht. Und dieser Selbsterhalt auch im Spannungsfeld der Konkurrenz mit anderen ähnlich gelagerten Einheiten. Sowohl block-bildend in engen Staatenbünden, als auch national, als auch in kleineren Gruppen wie Dorfgemeinschaften, Sippen, Familie, Partnerschaft. Ja, im Grunde ist dieser Drang zum Selbsterhalt eines jeden wie auch immer abgrenzbaren Systems schematisch sehr, sehr ähnlich gelagert, fast schon wie eine Art Naturgesetz.
Auf diese Weise schematisch den Blick darauf reduziert, mag meine Darstellung der Quellorte ("Kernzellen") trotz der unterschiedlichen Quellorte monokausal sein.
Ähnlich lässt sich das Schema eines jeden Lebewesens, eines jeden Menschens, ja auch verallgemeinern: Denn jedes Individuum hat mit nur wenigen Ausnahmen den Drang, sich als Individuum selbst zu erhalten, am Leben zu erhalten. Das bedingt auch die einfachsten Triebe wie (schematisch ausgedrückt) 'Essen', 'Trinken', und/oder eine gewisse sonstige Energiezufuhr. Dieser Drang zur Selbsterhaltung brachte in der Evolution ja auch Sensoren hervor, die Umwelt irgendwie wahrzunehmen und Fähigkeiten, auf diese Umwelt irgendwie begünstigend zu reagieren (z.B. Geißelhärchen oder Beine, um aus dieser Umwelt fliehen zu können, wenn die ungut ist).
Ja, interessant ist, dass in vielen Phänomenen eine durchaus vergleichbare Systematik grundlegend innewohnt.
Insofern finde ich Deinen Vergleich, Micha, von Menschengemeinschaften, z.B. Firmen, Nationen etc., mit der biologischen Artenvielfalt von Flora oder Fauna sehr interessant. Denn diese vielleicht verwunderliche thematische Abweichung birgt vermutlich doch sehr große Parallelen zu unseren besprochenen Gruppen: Monokulturen sind anfälliger. Polykulturen, durchmischte Kulturen also mit einer bunten Artenvielfalt sind gegenüber Monokulturen deutlich resilienter / resistenter.
Und deswegen stimme ich voll Deinem Plädoyer zu, mehr Vielfalt zuzulassen.
Was hilft das den betroffenen Homosexuellen und Transgendern? Sie können nur durch ihre Vielfalt dazu aufrufen, dem Miteinander mehr Wert beizumessen als dem vermuteten, scheinbaren Schaden. Die Quellen der Ablehnung werden sie nicht alleine zum versiegen bringen. Da hilft nur, dass Wirtschaft und Familie den Mehrwert der Vielfalt erkennen. Und ja, auch dass nationale Strukturen wie - ich nannte: - Armee und daran und an Wirtschaft gekoppelt auch die Politik im Innen und auch im Außen ebenfalls ein Miteinander in Vielfalt höher schätzen als eine Klüngelbildung "wir gegen die anderen".
Wie Du, Micha, schön mit Blick von außen ohne emotionale Eigeninteressen formuliert hast:
Das Miteinander steht im Widerstreit mit dem Gegeneinander.
Leider wird sich das Gegeneinander in vielen Generationen nach uns auch noch nicht besiegen lassen. Aber jede kleine Vielfalt mehr ist eine Bereicherung auf dem Weg zu einem Miteinander.
Viele Ansätze zu einem Miteinander auf internationaler Ebene gab es ja schon. Mir fällt der gut gemeinte, leider zu gut gemeinte "Wandel durch Handel" ein, der ja in den letzten 10 Jahren sich als gescheitert erwies. Der grundsätzliche Fehler dabei war, einen gutgemeinten Wandel in Ländern herbeizuführen, in der Hoffnung, dieser politische Wandel ginge in die herbeigesehnte Richtung. Der Fehler also war, man hatte sich selbst als das bessere, höherwertige System empfunden. Das sollte auf die Zielländer abfärben. Das Problem war also, dass dies keine Begegnung auf Augenhöhe war, sondern letztlich eine erzieherische Maßnahme war.
Und genau das sollte im Miteinander eigentlich nicht geschehen. Zwar denke ich immer noch, dass die Demokratie, so wie in Deutschland unsere Gründerväter mit der Verfassung sie z.B. gedacht haben, eine der besten Möglichkeiten ist, ein Miteinander zu ermöglichen. Auch wenn es hier freilich noch immer genügend Unzulänglichkeiten gibt. Ich kenne bislang noch kein System, das eine bessere Grundlage für ein Miteinander bilden könnte. Allerdings birgt sie auch die Gefahr, von Demokratiefeinden wegen Eigeninteressen unterminiert zu werden.
Dem gegen zu halten ist ein Kraftakt. Vermutlich gelingt das nur, wenn viele im Kleinen bereits anfangen, für ein Miteinander einzutreten. Wir Männer im Rock sind da vielleicht ein kleines, vielleicht gar nicht zu unwichtiges Bausteinchen.
Und wir dürfen auch die Gesellschaft bereichern wie z.B. auch Homosexuelle oder Transgender, für die wir ja auch noch immer manchmal gehalten werden. Oder manche von uns vielleicht auch sind. Vielfalt eben. Miteinander. Jeder, was er kann. Und fühlt er sich wohl, kann er mehr. Wachstum der vielfältigen Fähigkeiten. In Polykultur. Gemeinsam. Miteinander.