Autor Thema: Vorsorge beim Arzt im Rock , Strumpfhose und Höschen  (Gelesen 11906 mal)

Offline Lars

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Antw:Selbsthilfegruppen und andere Therapien
« Antwort #135 am: Gestern um 21:08 »
Wenn man sich achtsam, respektvoll und so unverstellt wie möglich in der Stadt bewegt und sein eigenes Tun sowie das der anderen Menschen beobachtet und richtig in den von ihnen vorgehaltenen Spiegel schaut, kann man äußerst interessante Dinge über sich lernen. Man muss es nur zulassen.
Auch wenn viele meiner Outfits vom Publikum regelrecht gefeiert werden, um es mal überspitzt auszudrücken, heißt das noch lange nicht, daß das alles nur der pure Spaß und Sonnenschein ist. Im Hintergrund laufen da noch einige andere Datenspuren, die mit ins Gesamtergebnis einfließen. Und das ist manchmal sogar anstrengend ...

Hallo Lars,
das klingt spannend und interessant, aber leider ist es mir zu kryptisch um eine Information daraus zu beziehen.

Welche Ergebnisse/Datenspuren hast Du aus dem nicht reinen Spaß konkret erhalten?
Viele Grüße
Kim

Man ist ja in der Stadt ständig von Menschen umgeben. Bei mir ist es so, ich nehme die größtenteils wahr. Und damit auch zwangsläufig deren bewusste und unbewusste Reaktionen auf mich. Das wird im Hintergrund natürlich analysiert und mit meiner Selbstbeobachtung abgeglichen. Das ist SEHR spannend, aber auch manchmal anstrengend. Ich kann das auch schwer abstellen, momentan zumindest.
Soviel in Kürze dazu. Ihr wisst sicher, was ich meine.
Was machen Verschwörungstheoretiker?
Die Nachrichten ein paar Jahre eher liefern als das Fernsehen.

Offline MAS

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Antw:Vorsorge beim Arzt im Rock , Strumpfhose und Höschen
« Antwort #136 am: Gestern um 22:37 »
Ist das absurd hier, unangenehme Typen wie den „BerlinerKerl“ und „doppelrock“ braucht kein Mensch, andere schreiben kryptisch Botschaften, wieder andere kippen vermeintlich Ihr Innerstes aus….
Na ich weiß nicht, erst wie wild rumproleten und dann um Entschuldigung bitten?  So einfach ist das?

Alle Menschen sind bedürftig nach sehr vielem, vermutlich sind die meisten auch in der Seele auf die ein oder andere Weise verletzt und „krank“.

Ob das Bedürfnis, Kleidung zu tragen, die dem (biologisch) anderem Geschlecht zugeordnet wird, nun besonders ungewöhnlich oder gar krank ist? Wohl kaum. Eher relativ normal, es trauen sich nur wenige Menschen das in der Öffentlichkeit zu tun.

Aber dass in einem Forum, indem es explizit darum geht und eigentlich ein emphatischer, geschützter Raum für Austausch sein sollte, einige „Teilnehmer“ hier solche Thesen und ähnlichen Blödsinn vertreten, das ist wirklich krank!


Lieber slothorpe,
es ist beruhigend zu sehen, dass du genauso bist wie alle anderen hier, vor allem wie die, die du kritisierst.

Was wäre wohl passiert, würde jemand schreiben "Typen wie "slothorpe" braucht kein Mensch". Sicher hättest du empört reagiert. Und jetzt verletzt du Menschen, nur weil du deren Standpunkt nicht teilst oder nicht verstehst. Wirkt nicht souverän.

Unterscheidest du nach irgendwelchen Faktoren, welche Menschenman verletzen darf und welche nicht?
Würde mich schon mal interessieren.

Gruß
doppelrock

Doppelrock,

denkst Du nicht, es ist ein unterschied, ob man jemanden verletzt, der einen Erlebnisbericht abgibt, ohne damit jemanden anzugreifen, oder jemanden, der zuvor eben diesen verletzt hat.
Du schreibst, Du habest es nicht gemerkt, dass Du Blumenrock verletzt hast. Du hast ihn um Entschuldigung gebeten. Er hat diese gewährt. Andere Mitverletzte, weil sie demselben queeren Kollektiv angehören, hast Du (noch) nicht um Entschuldigung gebeten.

Slothorpe und Bervely schimpfen nun auf Deine Intoleranz queeren Mitmenschen gegenüber. Mag sein, dass Dich das verletzt. Aber so eine Intoleranz ist kein Merkmal wie Gender oder Religion oder Ethnie, sondern eine Einstellung, die man pflegen oder versuchen kann, zu überwinden. Es ist aber nicht dasselbe, ob Merkmale wie Genderidentitäten nicht toleriert werden oder die Intoleranz diesen Merkmalen gegenüber nicht toleriert wird.

Meinst Du nicht?

Gruß,
Micha
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Nun, es ist nicht schön, wie hier manche miteinander umgehen. Ich könnte für mehr Empathie aufrufen, jedoch will ich in meinem Beitrag hier den Fokus auf was anderes legen.

Es tauchte hier öfters dieser Ausdruck auf, und das folgende Zitat nun schon zum wiederholten Mal, nämlich:

Ob das Bedürfnis, Kleidung zu tragen, die dem (biologisch) anderem Geschlecht zugeordnet wird, nun besonders ungewöhnlich oder gar krank ist? Wohl kaum. Eher relativ normal, es trauen sich nur wenige Menschen das in der Öffentlichkeit zu tun.

Ob das Bedürfnis "krank" ist oder "nicht krank", mag im Auge des Betrachters liegen.

Mir fällt bei 'Kleidung des anderen Geschlechts tragen' ein, dass dazu zum Beispiel auch was in der Bibel (Altes Testament) geschrieben steht, Fundstelle "Deuteronomium 22:5":

Zitat
Eine Frau soll nicht die Ausrüstung eines Mannes tragen und ein Mann soll kein Frauenkleid anziehen; denn jeder, der das tut, ist dem HERRN, deinem Gott, ein Gräuel.

Das ist aus der gültigen, vom Vatikan veranlassten, neuesten Bibelübersetzung ("Einheitsübersetzung 2016"), für die 10 Jahre lang Experten versucht haben, eine Übersetzung ins zeitgemäße Deutsch zu vollbringen.

Wäre freilich mal interessant, welche Wortwahl in der Originalschrift dafür verwendet wurde. Das Original ist wohl in hebräisch verfasst. Interessant wäre auch, wie die originalen Wörter zu der damaligen Zeit und in dem damaligen gesellschaftlichen Zusammenhang zu verstehen sind.

In früheren deutschen Bibel-Übersetzungen hieß es oft noch so:
Zitat
"Eine Frau soll keine Männerkleidung tragen, und ein Mann soll keine Frauenkleidung tragen, denn der HERR, dein Gott, verabscheut jeden, der so etwas tut."

Also kraft der Deutung des Originals und der Übersetzung geht es hier wohl um das Tragen der Kleidung des anderen Geschlechts. Interessant ist es, dass damals in jenem Kulturraum es überhaupt keine Hosen gab; das aber nur nebenbei.

'Tragen von Kleidung des anderen Geschlechts' - 'ist ein Gräuel' - das ist schon harter Tobak. Inwieweit diese Regel (neben etlichen anderen) aus dem Alten Testament auch heute noch für Gläubige gilt, mag diskussionswürdig sein, steht aber nicht im Fokus meines jetzigen Interesses.

Angenommen es gelte, wie sieht es da mit Frauen in Hosen aus? Mag man zwar sagen, Frauen in Hosen sind normal, darum beträfe diese Regel nicht Frauen in Hosen. Dann hat man aber die Geltung der Regel übersehen, als Frauen anfingen, Hosen zu tragen. Also: schwaches Argument.

Jedoch auch jenseits von Überzeugungen, die sich aus der Bibel ableiten liessen: Es ist heutzutage in unserem Kulturkreis für Frauen nahezu unmöglich, "Kleidung des anderen Geschlechts' zu tragen. Selbst in einem Herrenanzug würde eine Frau heute keine nennenswerte Entrüstung auslösen.

Warum also umschreiben wir unser Bedürfnis nach Röcken oder Kleidern mit 'Tragen von Kleidung des anderen Geschlechts'?

Zwar widerspreche ich heutzutage keinem mehr mit aller Gewalt, wenn jemand meint, ich würde Frauenkleidung tragen. Inzwischen habe ich für mich diesen Ausdruck akzeptiert, ohne mich zu rechtfertigen.
Lange Zeit erwiderte ich dann die Ferdi´sche Sichtweise von einst (als er noch lebte), dass Kleidung, wenn ich sie trage, Männerkleidung ist. Ist eine recht witzig-freche Auslegung, aber überraschend und gar nicht mal so von der Hand zu weisen (wobei das wiederum auch anders gedeutet werden könnte).
Vielleicht erwidere ich aber in Zukunft dann doch eher wieder etwas, wenn jemand sagt, ich würde Frauenkleidung tragen. Denn, kommt das aus dem Mund eines Mannes, dann könnte ich sofort zurückkontern: "Du trägst doch auch Frauenkleidung!"

Und da ist es egal, was der Mann gerade für Klamotten anhat. Egal, was er anhat, hätte das eine Frau an, dann würde sie sich damit nicht lächerlich machen, dann würde sie damit keine Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

Hintergrund ist eben: Frauen können alles anziehen, ja, Frauen ziehen einfach alles an. Darum ist es Frauen eben auch absolut unmöglich, 'Kleidung des anderen Geschlechts' zu tragen.

Wenn hier im Forum User das Bedürfnis nach Rock, Kleid, Bluse oder High Heels haben, dann muss das auch nicht das Bedürfnis nach 'Kleidung des anderen Geschlechts' sein, dann ist es lediglich das Bedürfnis nach Gleichbehandlung.

Es gibt kaum ein anderer Lebensbereich - oder gar keinen - wo das freie Ausüben so ungleich zugestanden wird. Das wäre - nur mal als Beispiel - so, als wären ganze Berufsgruppen zum Beispiel nur für Männer, wo Frauen aber strikt ausgeschlossen wären. (Ja, katholischer Pfarrer wäre so ein Beruf, aber der breite gesellschaftliche Druck, katholischer Pfarrer zu werden, dürfte geringer sein, als das Bedürfnis, Rock zu tragen.)

Wenn Männer mit dem Selbstverständnis, ein Mann zu sein, das Bedürfnis haben, Rock oder Kleid zu tragen, dann ist das das Bedürfnis nach Gleichbehandlung. Das muss den Männern klarwerden, die das betrifft. Auf diese Weise kann man auch klarer der Gesellschaft sein Bestreben erklären, als ein "Ich finde es einfach schön, Kleidung des anderen Geschlechts zu tragen".

Freilich gibt es unter uns hier im Forum auch Männer bzw. Menschen, für die das Bedürfnis nach Rock oder Kleid (und anderem) ein Ausdruck ist, sich näher zur weiblichen Identität zu fühlen. Diese Deutung ist ebenso legitim.

Und ja, auch ein rosa Damenslip ist Kleidung, die man als Damenkleidung ansehen kann. Oder es ist einfach eine Kleidung, die vielleicht ein paar kleine Merkmale anders ist als die übliche Unterwäsche für Männer. Eine Frau in Männer-Boxershorts mag etwas ungewöhnlich erscheinen, aber davon geht die Welt auch nicht unter.

Und wenn Blumenrock sich freut, einen rosa Damenslip zu tragen und das Mitmenschen zu Gesicht bekommen, dann ist es für ihn Damenkleidung, für uns alle ist es einfach Kleidung, die für Blumenrock eine besondere Bedeutung hat, für uns vielleicht nicht alltäglicher Gebrauch darstellt, aber einfach nur eine Art ist, wie man seine Unterwäsche wählen kann.

Lassen wir uns doch erfreuen, wenn Blumenrock seinen Weg einschlägt und er seine Freude uns mitteilen möchte. Die Betonung davon mag zwar uns vielleicht etwas ungewöhnlich vorkommen, aber so hat jeder seine eigenen Vorlieben. Und davon geht die Welt auch nicht unter.
Dass Männer nur Hosen tragen, ist weder körperlich noch geistig gesund.
Wie tief muss der psychische Knacks wohl sein, dass Männer sich nicht endlich auch mehr Freiheiten gönnen!?


 

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