Ist das wirklich so?
Klar gab es Hosen für Frauen, bevor Frauen diese überall anstelle von Kleidern und Röcken tragen konnten. Aber ich würde doch denken, dass es mutige Frauen waren, die Hosen dort angezogen haben, wo es verpönt war (bei gesellschaftlichen Anlässen, in Parlamenten, ...) und so die Verbreitung gefördert haben, so dass die Herstellung von Hosen für Frauen zum Mainstream wurde und es heute Hosen für Frauen in größerer Vielfalt gibt als für Männer.
Hallo Bernd,
ja, es gab sie, die Frauen, die, aus welchem Grund auch immer, Hosen trugen oder sich bei Events in Hosen zeigten (anders sein, aufmerksamkeitssuchend, lesbisch, mit dem angeborenen Geschlecht unzufrieden etc.). Beispiele: die Schauspielerinnen Catherine Hepburn und Greta Garbo.
Während des 2. Weltkrieges, als man (Männer) Frauen in der Produktion brauchte(n), und nach dem Krieg, insbesondere in Deutschland bei den Aufräumungen, trugen zwar einige Frauen Hosen als Arbeitskleidung, aber sonst nicht.
Zweifellos gab es Frauen, die Hosen wollten, wie Männer, die nun aus denselben Gründen Röcke bevorzugen, aber Beispiele zum Nachahmen waren sie in der Praxis kaum.
Ich habe damals auch nie gehört oder gelesen, dass sich generell Frauen sich Hosen wünschten. Ich habe mal in einem großen Medienhaus gearbeitet, in dem auch Mode- und Frauenzeitschriften im Sortiment waren. Dort habe ich alle relevanten Jahrgänge durchgestöbert, zwar nicht mit wissenschaftlicher Akkuratesse, aber doch gründlich, und nie etwas finden können, das auch nur im Geringsten indizierte, dass Hosen für Frauen ein Thema waren.
Demonstrationen gab es auch keine. Und sonst gab es damals keine Möglichkeit, ans Wort zu kommen.
Doch die Modehäuser in Paris, Rom und London spielten Anfang der 70er-Jahre eine große Rolle. Ihre Meinung galt noch weithin als Diktat, nicht als „Du darfst“. Und die Modeindustrie hat die Idee schnell zu sich genommen, denn welche Absatzmöglichkeiten gab es ja nicht, wenn man plötzlich etwas ganz Neues an die Hälfte der Bevölkerung verkaufen könnte?
Bitte einloggen oder registrieren um das Bild zu sehen.Die kritische Phase ist der Übergang von der Einführung, von Pionieren und Mutigen getrieben, zur Wachstumsphase, für die Nachahmer nötig sind. Es half, glaube ich, dass Röcke seit 1964 immer kürzer geworden waren, und einigen Frauen waren sie nun einfach zu kurz oder unpraktisch (und die Freiheit zur individuellen Rocksaumlänge existierte noch nicht). Das hat den Prozess beschleunigt. Heute, nach all diesen Jahren, hat das Wachstum wohl fast aufgehört, weil der Markt mit einer fast 100-prozentigen Deckung eher stabil sein muss.
Röcke bei Frauen befinden sich dafür in der Rückgangsphase, und wir Männer haben uns nicht aus der Einführungsphase bewegt, falls überhaupt von einem Anfang bzw. einer Einführung geredet werden kann.