"So geht Öffentlichkeitsarbeit", schrieb Jürgen in einem anderen lesenswerten Thread. Und ich antwortete mit einem anderen aktuellen Beispiel von gestern dort:
https://www.rockmode.de/index.php?topic=10385.msg208359#msg208359
Hier habe ich noch eine andere Begebenheit von Mittwoch...
Nun, ich habe auch noch eine Begebenheit von Freitag. (Sicherlich könnte ich noch mehrere nennen, die hier ein bisschen mit ins Themenfeld reinspielen würden, jedoch klar ist, dass jeder Tag im Rock oder Kleid draussen eine Art Öffentlichkeitsarbeit ist.)
Freitag setzten wir uns an einen Tisch mit zwei älteren Paaren. Wir fragten höflich, ob wir uns dazugesellen dürften. Es war kein Thema. Die zwei Paare unterhielten sich sehr angeregt.
Irgendwann kamen wir vor allem mit der einen Dame ins Gespräch. Wir redeten über dies und das. Vor allem auch über die Region hier bei uns, wir würden ja dort leben, wo andere Urlaub machten.
Nach vielleicht einer halben Stunde ging das andere Paar weg, verabschiedete sich. Mit ihnen hatten wir kaum Worte gewechselt, dafür der Mann unserer Gesprächspartnerin umso mehr. Und ja, wir hatten vermutet, beide Paare wären gemeinsam hier bei dieser Gelegenheit hergekommen und würden sich kennen. Nein, eröffnete die Dame, sie hatten sich nur zufällig hier zusammengesetzt und wären dann ins Gespräch gekommen. Witzig war, dass das eine Paar aus Rothenburg ob der Tauber kam, das andere, das noch dablieb, aus Rotenburg an der Fulda. Auch das überraschte mich, weil rein sprachlich die Dame durchaus auch aus unserer Gegend hätte stammen können.
Jedenfalls waren wir, zumindest wir drei, sehr gespächig. Aber auch ihr Mann liess sich zunehmend mit einbinden. Und irgendwann kam meine Sonja bei irgendeinem Stichwort darauf zu sprechen, meine Bekleidungsgewohnheiten zu erwähnen. Lobend freilich und so weiter. (Wobei eine Kritik kam von ihr: ich hätte mich früher schicker angezogen

- Vielleicht, so meine Erklärung, liegt das womöglich an der Struktur unserer Unternehmungen. Zu gewöhnlicheren Anlässen ziehe ich mich auch eher robuster, wiederstandsfähiger an, so tendenziell - aber das ist hier nicht das Thema.)
Die Dame war ganz überrascht, weil sie niemals auf die Idee gekommen wäre, dass ich einen Rock tragen würde. Zum Beweis lupfte ich meinen langen Rock über die Sichtkante des Biertischs. Bei meiner Ankunft hatte sie diesen Fakt wohl schlicht nicht wahrgenommen.
Und nun kam sie ins Schwärmen, wie toll doch Röcke wären, und wie blöd, dass Männer davon keinen Gebrauch machten, und wie toll, dass ich das mache, auch gepaart mit meiner Motivation, die eben eine andere ist als man anfangen würde zu denken, wenn man das sieht.
Und ihr Mann, knapp 70, stimmte ihr zu. Und er meinte, er würde das gerne auch mal ausprobieren wollen.
Also: auch so kann Öffentlichkeitsarbeit sein: Sich nach seinen eigenen Wünschen kleiden und danach unter Leuten nicht verschlossen sein, sondern wenn es zur Rede kommt, einfach drüber sprechen, bereitwillig, freundlich, offen.
Sicher: dieses Gespräch wirkte jetzt nur punktuell. 'Öffentlichkeitsarbeit' als solche - im Sinne der Thread-Überschrift - richtet sich ja an eine größere Öffentlichkeit gleichzeitig. Aber solange wir das strukturell nicht organisiert bekommen, macht eben jeder im Kleinen in seinem Bereich das, was möglich ist, was sinnvoll ist, einfach drüber reden, wenn andere Leute was dazu wissen wollen.
Dazu passend auch die Bilder bezgl. meines Outfits, vor allem das eine Bild zeigt, wie die Dame mich am Tisch erlebt hat. Denn das eine Bild (leider habe ich Sonja bereits abgeschnitten) hat genau die bewusste Dame von uns beiden gemacht:
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