Autor Thema: Öffentlichkeits-Arbeit für "Rock am Mann" - Diskussion  (Gelesen 24535 mal)

Offline MAS

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Antw:Öffentlichkeits-Arbeit für "Rock am Mann" - Diskussion
« Antwort #135 am: 20.05.2026 07:41 »
Wobei "ohne Moral" wie "unmoralisch" klingt. Das will ich nun auch nicht sein. Aber Doppelrock schrieb auch nicht "ohne Moral", sondern "ohne Moralismus". Ich vermute, er meint von den zwei hier genannten Bedeutungen des Wortes: https://de.wikipedia.org/wiki/Moralismus die zweite.

In Bezug auf die Gesellschaft und ihre Akzeptanz von rocktragenden Männern - egal aus welchen Gründen wir Röcke tragen - , könnte man auch von einer nötigen Umerziehung sprechen. Lieber verwende ich aber das Wort "Weiterentwicklung".

LG, Micha
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Offline MAS

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Antw:Öffentlichkeits-Arbeit für "Rock am Mann" - Diskussion
« Antwort #136 am: 20.05.2026 11:11 »
Im Konfirmationsthread (https://www.rockmode.de/index.php?topic=10382.msg208308#msg208308) schrieb Wolfgang etwas vom Trainieren von Sehgewohnheiten anderer Menschen, die uns nur im Rock kennen und es für ungewohnt halten, uns mal in Hosen zu sehen.

Wenn wir nun sagen würden, es sei unser Ziel, nicht nur einzelne Menschen darin zu trainieren, sich daran zu gewöhnen uns individuell in Röcken für normal zu halten, sondern die Allgemeinheit dahin gehende zu trainieren, Männer in Röcken generell für normal zu halten und Männer in Hosen für etwas Ungewohntes, wie wäre es damit?

Oder sagen wir: Männer in Röcken und in Hosen gleichermaßen für normal.

Damit sage ich ja nichts Neues, aber formuliere es nochmal klar und deutlich: Menschen sind Gewohnheitstiere. Was wir oft sehen, wird normal. Was wir selten sehen, kommt uns ungewohnt vor.

Die beste Öffentlichkeitsarbeit für unsere Sache besteht also darin, die Menschen an den Anblick von Männern in Röcken zu gewöhnen und so ihre Sehgewohnheiten zu trainieren. 

Oder?

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Offline MAS

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Antw:Öffentlichkeits-Arbeit für "Rock am Mann" - Diskussion
« Antwort #137 am: 20.05.2026 11:15 »
Wobei "ohne Moral" wie "unmoralisch" klingt. Das will ich nun auch nicht sein. Aber Doppelrock schrieb auch nicht "ohne Moral", sondern "ohne Moralismus". Ich vermute, er meint von den zwei hier genannten Bedeutungen des Wortes: https://de.wikipedia.org/wiki/Moralismus die zweite.

In Bezug auf die Gesellschaft und ihre Akzeptanz von rocktragenden Männern - egal aus welchen Gründen wir Röcke tragen - , könnte man auch von einer nötigen Umerziehung sprechen. Lieber verwende ich aber das Wort "Weiterentwicklung".

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Nachtrag:
 
Hier https://www.rockmode.de/index.php?topic=10215.msg208309#msg208309 verwendet Hajo das Wort "Moralkeule", bezichtigt aber gerade die anderen, als die von Doppelrock gemeinten, diese zu schwingen.

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Offline Skirtedman

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Antw:Öffentlichkeits-Arbeit für "Rock am Mann" - Diskussion
« Antwort #138 am: 20.05.2026 11:26 »
Die beste Öffentlichkeitsarbeit für unsere Sache besteht also darin, die Menschen an den Anblick von Männern in Röcken zu gewöhnen und so ihre Sehgewohnheiten zu trainieren. 

Oder?

Genau so ist es.

Man tut sich selbst damit auch etwas Gutes. Denn je öfter man im Rock oder Kleid zu sehen ist, desto schwächer wird die Erwartungshaltung, dass Du eine Hose anhaben solltest.
Und vielleicht findet der eine oder andere sogar allmählich Gefallen daran, Dich im Rock oder Kleid zu erblicken.
Also selbst cephalus tut sich damit etwas Gutes.
Dass Männer nur Hosen tragen, ist weder körperlich noch geistig gesund.
Wie tief muss der psychische Knacks wohl sein, dass Männer sich nicht endlich auch mehr Freiheiten gönnen!?


Offline doppelrock

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« Antwort #139 am: 20.05.2026 16:20 »
Wobei "ohne Moral" wie "unmoralisch" klingt. Das will ich nun auch nicht sein. Aber Doppelrock schrieb auch nicht "ohne Moral", sondern "ohne Moralismus". Ich vermute, er meint von den zwei hier genannten Bedeutungen des Wortes: https://de.wikipedia.org/wiki/Moralismus die zweite.

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Bei "Weiterentwicklung" statt "Umerziehung" hat wohl jemand bei George Orwell in 1984 gespickt. Ein nettes Wort, das ganz etwas anderes bedeutet als der ursprüngliche Begriff.
Weiterentwicklung ist ein Verbessern in die selbe, bereits begonnene positive Richtung. Umerziehen ist der Zwang, in eine gegensätzliche Richtung zu wechseln, gegen den eigenen Willen. Deshalb werde ich auch die beiden Wörter weiterhin sauber trennen.

Zu Moral und Moralismus spuckt der Rechner aus:
"Moral bezeichnet die grundlegenden Werte und Normen des menschlichen Zusammenlebens, die definieren, was als „richtig“ oder „falsch“ gilt.
Moralismus hingegen ist eine übertriebene, dogmatische Haltung, bei der Moral als alleiniges Maß aller Dinge dient und Andersdenkende moralisch abgewertet werden"

Deshalb schätze ich die Beiträge von MAS eher als moralistisch ein. Ein sehr stark belehrendes Auftreten meist entgegen dem mehrheitlichen oder vernünftig-pragmatischen Konsens. Auch nicht immer gespickt mit Verständnis und Rücksicht. Auf Gleichgesinnte mag das völlig anders wirken, mein persönlicher Eindruck ist wie beschrieben.

Wer Männer vom Rock begeistern will, wird es weder mit dem beschriebenen Zwang noch mit Orwellscher Rhetorik schaffen. Freude am Tragen der Kleidung mit angenehmer Ausstrahlung führt zu Interesse und manchmal auch zu Nachahmung. Sag ich gern noch 100x.


Offline Skirtedman

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« Antwort #140 am: 23.05.2026 11:47 »
"So geht Öffentlichkeitsarbeit", schrieb Jürgen in einem anderen lesenswerten Thread. Und ich antwortete mit einem anderen aktuellen Beispiel von gestern dort:
https://www.rockmode.de/index.php?topic=10385.msg208359#msg208359

Hier habe ich noch eine andere Begebenheit von Mittwoch.

Ich stand auf einem Platz in Mainz und da kam eine ältere Frau hinzu und meinte, ob ich im September wieder bei der Weinwanderung wäre. Ich musste erstmal herausfinden, welche sie denn meint. Als das geklärt war, sagte sie, dass sie mich dort schon seit mehreren Jahren gesehen hat und sie jedesmal ihrem Mann vorgeschwärmt habe, wie toll sie das findet (Mann, so bekleidet wie ich).

Eine Freundin stand dabei und beantwortete die Frage, die dann kommen musste, ob ich denn divers oder sowas sei. Meine Freundin meinte sofort, ich würde einzig und allein auf Frauen stehen und ich sei sowas von Mann. 😇 Danke.

Das hatte due Frau ziemlich verwundert. Denn davon hatte sie noch nie in ihrem Leben gehört, das "ganze Männer" auch freiwillig so etwas tragen wollten und kam weiterhin aus dem Schwärmen nicht heraus und erwähnte auch immer wieder ihren Mann, dem sue schon immer von mir vorgeschwärmt habe.

Wir wechselten die Themen, aber kurze Zeit später kam ein Mann an ihre Seite hinzu. Er gesellte sich einfach wortlos hinzu, doch ich vermutete richtig: "Dein Mann?"
Und nun erzählte sie alles Neue über mich und schwärmte wieder vor, wie toll sie das finde. Umd dass ich noch nicht mal divers oder sonstwas wäre. Der Mann schmunzelte erstmal die ganze Redezeit über und dann bestätigte er, dass er das genauso toll finde. Und gerade - wie ich da am Mittwoch - stelle er sich einen Faltenrock super angenehm vor, und auch er kam aus dem wiederholten Schwärmen nicht mehr heraus.

Und wieder bestätigte die beistehende Freundin von mir wieder alles bisher gesagte und dass ich richtig cool sei. Und alle fielen in diese unermeßliche Credo ein. Und dann stellte sich heraus, dass die schwärmende Frau Landtagsabgeordnete in Mainz ist und sie dort die blaufarbene Partei vertritt. Nun, ich bin tolerant. Meine beistehende Freundin ist auch so angefärbt, trotzdem verstehen wir uns recht gut. Nunja, es gibt wohl auch tolerante Blaue. Und einer Landtagsabgeordneten scheint ein Mann im Rock wohl nicht automatisch unsympathisch zu sein, egal aus welcher Motivation.
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« Antwort #141 am: 23.05.2026 20:10 »
Wobei "ohne Moral" wie "unmoralisch" klingt. Das will ich nun auch nicht sein. Aber Doppelrock schrieb auch nicht "ohne Moral", sondern "ohne Moralismus". Ich vermute, er meint von den zwei hier genannten Bedeutungen des Wortes: https://de.wikipedia.org/wiki/Moralismus die zweite.

In Bezug auf die Gesellschaft und ihre Akzeptanz von rocktragenden Männern - egal aus welchen Gründen wir Röcke tragen - , könnte man auch von einer nötigen Umerziehung sprechen. Lieber verwende ich aber das Wort "Weiterentwicklung".

LG, Micha


Bei "Weiterentwicklung" statt "Umerziehung" hat wohl jemand bei George Orwell in 1984 gespickt. Ein nettes Wort, das ganz etwas anderes bedeutet als der ursprüngliche Begriff.
Weiterentwicklung ist ein Verbessern in die selbe, bereits begonnene positive Richtung. Umerziehen ist der Zwang, in eine gegensätzliche Richtung zu wechseln, gegen den eigenen Willen. Deshalb werde ich auch die beiden Wörter weiterhin sauber trennen.

Zu Moral und Moralismus spuckt der Rechner aus:
"Moral bezeichnet die grundlegenden Werte und Normen des menschlichen Zusammenlebens, die definieren, was als „richtig“ oder „falsch“ gilt.
Moralismus hingegen ist eine übertriebene, dogmatische Haltung, bei der Moral als alleiniges Maß aller Dinge dient und Andersdenkende moralisch abgewertet werden"

Deshalb schätze ich die Beiträge von MAS eher als moralistisch ein. Ein sehr stark belehrendes Auftreten meist entgegen dem mehrheitlichen oder vernünftig-pragmatischen Konsens. Auch nicht immer gespickt mit Verständnis und Rücksicht. Auf Gleichgesinnte mag das völlig anders wirken, mein persönlicher Eindruck ist wie beschrieben.

Wer Männer vom Rock begeistern will, wird es weder mit dem beschriebenen Zwang noch mit Orwellscher Rhetorik schaffen. Freude am Tragen der Kleidung mit angenehmer Ausstrahlung führt zu Interesse und manchmal auch zu Nachahmung. Sag ich gern noch 100x.

Und ich schätze Deine Beiträge als moralistisch ein, so wie auch Hajo es anscheinend tut, Doppelrock. Du willst Uns hier andauernd etwas aufzwingen, was wir lange hinter uns gelassen haben. Den Orwell hast Du gut gelesen und wendest ihn geschickt an. Nur leider nicht in Orwells Sinn. Aber das ist typisch für die politisch rechte Propaganda.

Gruß, Micha

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Hier habe ich noch eine andere Begebenheit von Mittwoch...

Nun, ich habe auch noch eine Begebenheit von Freitag. (Sicherlich könnte ich noch mehrere nennen, die hier ein bisschen mit ins Themenfeld reinspielen würden, jedoch klar ist, dass jeder Tag im Rock oder Kleid draussen eine Art Öffentlichkeitsarbeit ist.)

Freitag setzten wir uns an einen Tisch mit zwei älteren Paaren. Wir fragten höflich, ob wir uns dazugesellen dürften. Es war kein Thema. Die zwei Paare unterhielten sich sehr angeregt.

Irgendwann kamen wir vor allem mit der einen Dame ins Gespräch. Wir redeten über dies und das. Vor allem auch über die Region hier bei uns, wir würden ja dort leben, wo andere Urlaub machten.

Nach vielleicht einer halben Stunde ging das andere Paar weg, verabschiedete sich. Mit ihnen hatten wir kaum Worte gewechselt, dafür der Mann unserer Gesprächspartnerin umso mehr. Und ja, wir hatten vermutet, beide Paare wären gemeinsam hier bei dieser Gelegenheit hergekommen und würden sich kennen. Nein, eröffnete die Dame, sie hatten sich nur zufällig hier zusammengesetzt und wären dann ins Gespräch gekommen. Witzig war, dass das eine Paar aus Rothenburg ob der Tauber kam, das andere, das noch dablieb, aus Rotenburg an der Fulda. Auch das überraschte mich, weil rein sprachlich die Dame durchaus auch aus unserer Gegend hätte stammen können.

Jedenfalls waren wir, zumindest wir drei, sehr gespächig. Aber auch ihr Mann liess sich zunehmend mit einbinden. Und irgendwann kam meine Sonja bei irgendeinem Stichwort darauf zu sprechen, meine Bekleidungsgewohnheiten zu erwähnen. Lobend freilich und so weiter. (Wobei eine Kritik kam von ihr: ich hätte mich früher schicker angezogen :) - Vielleicht, so meine Erklärung, liegt das womöglich an der Struktur unserer Unternehmungen. Zu gewöhnlicheren Anlässen ziehe ich mich auch eher robuster, wiederstandsfähiger an, so tendenziell - aber das ist hier nicht das Thema.)

Die Dame war ganz überrascht, weil sie niemals auf die Idee gekommen wäre, dass ich einen Rock tragen würde. Zum Beweis lupfte ich meinen langen Rock über die Sichtkante des Biertischs. Bei meiner Ankunft hatte sie diesen Fakt wohl schlicht nicht wahrgenommen.
Und nun kam sie ins Schwärmen, wie toll doch Röcke wären, und wie blöd, dass Männer davon keinen Gebrauch machten, und wie toll, dass ich das mache, auch gepaart mit meiner Motivation, die eben eine andere ist als man anfangen würde zu denken, wenn man das sieht.

Und ihr Mann, knapp 70, stimmte ihr zu. Und er meinte, er würde das gerne auch mal ausprobieren wollen.

Also: auch so kann Öffentlichkeitsarbeit sein: Sich nach seinen eigenen Wünschen kleiden und danach unter Leuten nicht verschlossen sein, sondern wenn es zur Rede kommt, einfach drüber sprechen, bereitwillig, freundlich, offen.

Sicher: dieses Gespräch wirkte jetzt nur punktuell. 'Öffentlichkeitsarbeit' als solche - im Sinne der Thread-Überschrift - richtet sich ja an eine größere Öffentlichkeit gleichzeitig. Aber solange wir das strukturell nicht organisiert bekommen, macht eben jeder im Kleinen in seinem Bereich das, was möglich ist, was sinnvoll ist, einfach drüber reden, wenn andere Leute was dazu wissen wollen.

Dazu passend auch die Bilder bezgl. meines Outfits, vor allem das eine Bild zeigt, wie die Dame mich am Tisch erlebt hat. Denn das eine Bild (leider habe ich Sonja bereits abgeschnitten) hat genau die bewusste Dame von uns beiden gemacht: Link
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Ja, das ist ein praktikabler Weg der Öffentlichkeitsarbeit: jeder wirke in seinem Kreise, wie Adalbert Stifter es so schön formulierte, auch wenn er dabei sicher nicht ans männliche Rocktragen dachte.

Schön auf jeden Fall auch, dass der Mann so interessiert war!

LG, Micha 
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