Ja, Eure Diskussion, Zwurg und MAS, führte weit am Thread-Thema vorbei.
Und doch machte sie ziemlich deutlich, dass da viel Unzufriedenheit mit der Gesellschaft, dem Zeitgeist, dem Wandel und mit der allgemeinen Situation vorhanden ist. Es gibt viele Herausforderungen, die zu bewältigen wären, gesellschaftlich wie politisch.
Vieles in der Welt wäre vielleicht leichter, wenn allgemein mehr Frauen in die wirklichen Entscheidungspositionen kämen. Vielleicht könnte das eine wirkliche Bereicherung sein.
Andererseits ist aber auch ein Mosaikstein der Wirklichkeit, dass der Feminismus ebenso einen gewissen Anteil an den Entwicklungen hat. Also zumindest jene gewissen Stimmen im Feminismus, die darauf abzielen, dass der Phänotyp weiblich in der Gattung Mensch nicht nur auf die Funktion der Gebärmaschine reduziert gesehen werden soll. Feminismus also, der sagt: "Es ist okay, wenn Du, Frau, Dich auf Karriere, Selbstverwirklichung konzentrierst, wenn Du Dich gegen Familie entscheidest".
Neben der Babypille war auch der Weg der Frau weg von Kindern und Küche mit ein Grund, weshalb in den Staaten der "ersten" und "zweiten" Welt, also auch hier in Deutschland, die Geburtenrate stark eingebrochen ist. Feminismus als "Mitschuld" sei hier also durchaus zu nennen. Daneben aber gibt es weltweit auch die Entwicklung - quasi wie ein Automatismus - dass mit Erstarken der Wirtschaftskraft (Wirtschaftswachstum) ein Rückgang der Geburtenraten einher gehen.
Ich hatte gerade auf diesen Effekt im Thread "
...soooo cool..." näher hingewiesen. Zu spüren bekommen wir dies ja im Moment in Deutschland ganz deutlich mit Blick auf die aktuellen Probleme rund um die Sicherung der Renten, Lebensarbeitszeiten und Fachkräftemangel. Diese Probleme reichen ja bis hin zu den Themenfeldern Globalisierung und Migration.
Es ist alles so verdammt eng verzahnt. Und als eine durchaus ernstzunehmende, und schwer überwindbare Quelle von Vorbehalten gegenüber Homosexualität und Transgender (MAS sei Dank für die griffigen Worte für einen weiterreichenden Themenkomplex) ist eben, wie dort im andern Thread festgestellt, quasi notwendigerweise die Kernzelle Familie.
Das mag auf die Gesamtgesellschaft abfärben, und der gesamtgesellschaftliche Druck strahlt auch wieder erneut und weiterhin zurück auf die Kernzelle Familie.
Es gibt aber auch noch ein anderes Dilemma-Feld, aus dem Vorbehalte bis hin zu Hass gegen Homosexualität und Transgender entspringen. Die zweite Quelle lässt sich kurz schematisch zusammengefasst auf nationaler Ebene ansiedeln.
Es geht um die Selbstverteidigung eines Staates, quasi sich selbst zu behaupten im Umfeld der Nachbarstaaten, der politischen Blöcke und im gesamten globalen Kontext: Wirtschaft und Militär!
Schaut Euch um, die ganze Führungs- und Machtelite in unserem Bruderland USA besteht aus einflussreichen Männern. Wo sind da Frauen an ähnlichen Stellen? Durch solche Vorbilder bleiben verkrustete Männlichkeitsbilder in ihrer Kruste stecken und haben keine Chance, mit der Botschaft bereichert zu werden: "Mann, es ist okay, wie Du bist. Entfalte Dich, entdecke Deine Potenziale!"
Stattdessen wird von Männern erwartet, sich armeeartig den Altvorderen unterzuordnen, die eingetretenen Pfade schön brav nicht zu verlassen, und wer es doch tut, wird nicht für voll genommen. Das ist die Botschaft, die die ganzen Musks, Trumps, Putins und Gefolgsleute aussenden.
Die Männlichkeit steckt fest in einer Sackgasse. Und wenn niemand dagegen hält, zementiert sich das noch mehr.
Eingangs hier im Beitrag, an dem ich nun grade schreibe, erwähnte ich den Feminismus als eine Chance, aber auch als Teilhabe an etlichen heutigen Problemfeldern. Hier gehe ich nun auf das ein, was ich - wie eben zitiert - als "verkrustete Männlichkeit" beschrieben habe. Das ist eine große Zwangsjacke, in der wir Männer feststecken.
"Frauen und Kinder zuerst!", dieser Befehl ging mir nicht ganz so einfach in mein Hirn zu akzeptieren, warum diese Bevorzugung. Natürlich mag es ein soziales Anliegen sein, Frauen und Kindern eine Bevorzugung zu gewähren, weil sie als besonders hilfsbedürftig gelten. Zudem gelten Frauen und Kinder eher als die, die nicht mit anpacken können, um eventuell größeres Unheil zu verhindern (auf einem sinkenden Schiff zum Beispiel). Zudem ist es sinnvoll, wenn die Mütter sich um ihre Kinder kümmern, denn Kinder ohne Mütter sind in solchen Gefahrensituationen noch mehr Belastungen ausgesetzt. Alles Punkte, die einem verständlich erscheinen. Den Sinn dahinter muss man aber als Mann erst einmal verstehen - vor allem, wenn man mal selbst in solch eine Situation geraten würde.
"Frauen und Kinder zuerst!" hat aber noch einen anderen Hintergrund. Denn Kinder sind diejenigen, die nach ein paar Jahren selbst wieder entweder als Mütter fungieren können, oder als Anpacker. Ausserdem können gerettete Frauen auch jetzt sofort schon als neue Mütter fungieren. "Frauen und Kinder zuerst" hat also auch noch einen strategischen Hintergrund.
Wenn also die Männer draufgehen bei Krieg oder Katastrophen, dann bleibt wenigstens der Nachwuchs und die potentiell noch werdenden Mütter der Gesellschaft erhalten, um perspektivisch die Wehrkraft und die Wirtschaftskraft zu gewährleisten.
Folglich sind Frauen und Kinder wertvoller für die Langfrist. Für die Kurzfrist müssen Männer sich eben opfern, um diese Langfrist zu sichern.
Und da ist alles, was Wehrkraft und Wirtschaftskraft zersetzen kann, nicht willkommen.
Zum Beispiel Homosexualität im Militär galt als wehrkraft-zersetzend. Dem Schutz von Frauen im Sinne von "Frauen und Kinder zuerst!" war u.a. auch geschuldet, weshalb Frauen lange Zeit nicht ins Militär einziehen durften. Zudem galt die Präsenz von Frauen im Dienst an der Waffe ebenso als wehrkraft-zersetzend. Verteidigung soll sich aufs Verteidigen konzentrieren und nicht mit Liebesgedöns vom Verteidigen ablenken.
Homosexualität und Transgender gelten wegen ihrer programmierten Kinderlosigkeit in Langfrist-Perspektive als wehr- und wirtschafts-zersetzend. Dies gilt es, sich einmal bewusst zu machen. Vielleicht mag dies fast mit biologischer Herleitung unter einer radikal-anmutenden Sichtweise aber dennoch tief verwurzelt in den Gesellschaften stecken, wogegen Homosexualität und Transgender aber immer noch zu kämpfen haben.
Kurzum: Wirtschaft und Militär sind ebenso eine (zwei) Kernzelle(n) für anhaltende Homosexuellen- und Transgender-Feindlichkeit. Dies wirkt sich auf allen Ebenen unseres Zusammenlebens aus.
Deshalb haben Staaten mit starker Fokussierung aufs Militär und/oder starker Fokussierung auf nationalem Protektionismus auch die deutlich rigideren Mittel, Homosexualität und Transgender zu unterbinden.
Geht es militärisch oder wirtschaftlich nicht gut, wachsen auch die Animositäten und die politischen Vorgaben gegen Homosexuelle und Transgender.
Wir hier, die wir als Männer vielfach einfach nur Röcke statt Hosen tragen wollen, sind davon insofern davon betroffen, weil unsere treulose Unartigkeit, Hosen nicht selbstverständlich gefolgsartig zu tragen, mit Homosexualität und Transgender in Verbindung gebracht wird. Und darum reihen sich die Männer ganz unhinterfragt ein in diese Vorgaben, gesellschaftlich am Wehr- und Wirtschaftsvermögen teilhaben zu können, ohne Zweifel an ihrer 'gesellschaftlichen Tauglichkeit' aufkommen zu lassen.
Darum streben alle Männer, die mehr von ihrer Karriere sich erhoffen, nach dem Erscheinungsbild der Altvorderen. Allzuviel Mode, Verspieltheit, Flattern und Bling-Bling, ja und Farbe ist da fehl am Platz. In Wirtschaft und Verwaltung bleibt mit zunehmender Position das Erscheinungsbild des Mannes so ziemlich auf einer Stelle stehen. In Deutschland ist es noch immer der preußisch-militärische Drill, der in die Führungsriegen hineinstrahlt. Aber in anderen Ländern ist das kaum anders. Im Militär sind es die Armeeuniformen. In der Zivilgesellschaft sind es zivile Kopien der Armeeuniformen, in die sich der Mann selbstredend begibt, will er was erreichen.
Der Mann opfert so seine Individualität.
Vielleicht wäre bei all den gesellschaftlichen wie politischen Herausforderungen ein wenig geholfen, wenn
- mehr Frauen in den hierarchischen Strukturen sich befänden
- der Mann mehr Individualität sich trauen würde zu zeigen
(Nochmals der Link zu dem anderen Quell der Vorbehalte, nämlich der Kernzelle Familie:
da bzw. einige Beiträge schon vorher)