Willkommen, SkirtMusician!
Ich kann mich Micha ziemlich anschließen. Auch ich habe nach und nach ganz allmählich meine Scheu davor verloren, auch weiterreichend feminin geltende Kleidungsstücke für meine Eigengestaltung zu verwenden. Und doch werde ich scheinbar ausschließlich nur als Mann wahrgenommen - was mir auch recht ist, weil ich das ja auch zweifelsohne bin.
Mir macht es in den meisten Situationen mittlerweile auch nichts mehr aus, eventuell als schwul oder ggf. irgendwas mit LGBTQ wahrgenommen zu werden, auch wenn das vermutlich eher selten vorkommt.
Gestern aber gerade könnte das vielleicht der Fall gewesen sein, vielleicht auch nicht. Jedenfalls kam ich mit einem Kumpel in einer gutbesetzten Gartenwirtschaft an. Zwei Frauen an einem der ersten Tische sprachen uns an, weil sie uns Stunden zuvor schon irgendwo anders wahrgenommen hatten. Wir wurden eingeladen, uns zu ihnen dazu zu setzen. Ich dachte tatsächlich, dies seien Mutter und Tochter. Nachdem ich kräftig ins Fettnäpfchen getreten bin, erklärte die eine, die andere sei ihre Frau. Später kam noch ihre Mutter hinzu. Es war eine interessante Stunde oder zwei an diesem Tisch. Ein potenziell vermuteter Beziehungsstatus zu meinem Kumpel war nie Gegenstand des Gesprächs, eventuell war das aber der auslösende Kick gewesen, uns anzusprechen. Vielleicht hat sich diese Vermutung auch im weiteren Gespräch aufgelöst, da wir über Dinge sprachen, wo ich auch meine Ex-Freundinnen erwähnen musste.
Ich trug da übrigens einen Rock. Und eine kleine witzige Begebenheit gab es an dieser Örtlichkeit auch noch. Davon habe ich
an passender Stelle noch was geschrieben.
Hosen trage ich derzeit auch maximal noch zur Gartenarbeit. Das aber seit einigen Jahren selbst beim Heckeschneiden oder Baumfällen auch schon nicht mehr.
Ich bin etwas älter als Du. Aber ähnlich wie Du fing ich auch in Deinem Alter so an, verstärkt in der Öffentlichkeit Röcke zu tragen. Angefangen schon als Teenager, bin ich dann rund um 20 zunächst weit weg von meiner Heimat in Röcken rumgelaufen. Als ich damit zunehmend sicherer wurde, fing ich Anfang/Mitte 20 an, auch langsam in meiner Stadt das vorsichtig einzuführen und dann auch im Studium an einer technisch-naturwissenschaftlichen Hochschule mit 96% Männeranteil. Und so in Deinem Alter war es auch, wo ich mich entschieden habe, keine Hosen mehr tragen zu müssen. Das ist nun schon über 30 Jahre her, damals war der allgemeine Widerstand noch sehr stark spürbar. Kaum ein Tag verging, wo nicht mehrfach irgendwelche dahergelaufenen Leute mit witzig oder weniger witzig gemeinten Kommentaren versucht haben, sich vor anderen Leuten über mich lautstark lustig zu machen.
Diese Zeiten sind zum Glück längst vorbei. Zwar gibt es noch fremde Leute, die mich mal (aber normal, nicht diffamierend und nicht lautstark für die anderen) vielleicht verwundert ansprechen, aber dies immer freundlich oder dann eben genau so, wie gestern in diesem Gartenlokal.
Ich kann Dich nur ermuntern, Dich nicht vom Röcketragen abhalten zu lassen. Ich habe dadurch unglaublich viel Lebensqualität hinzugewonnen.
Gruß,
Wolfgang