Ich weiß, lieber Wolfgang, aber so hatte ich es von "Transvestismus" unterschieden, bevor ich wusste, dass man beide Begriffe auch gleichsetzen kann, dass also "cross" und "trans" hier gleichbedeutend verstanden werden können.
Nein, nein, nein!
Kann man, wenn man auf diesem Gebiet unwissend ist, aber der Hintergrund ist doch der, dass der Begriff "Crossdresser" tatsächlich ursprünglich von Betroffenen gewählt wurde, um sich bewusst vom Begriff "Transvestismus" abzusetzen, weil das T-Wort mit einer Erkrankung gleichgesetzt wurde. Dass die Soziologie diesen Begriff aufnahm, um alles zu beschreiben, was nicht zwingend pathologisch sein muss, rückt das C-Wort wieder sehr viel näher an das T-Wort. Von den Betroffenen war das so nicht beabsichtigt.
Noch ein anderer Aspekt war mit am Wirken: Die Menschen, die sich mit dem C identifizierten, wollten auch nicht automatisch mit der Verbindung zur Homosexualität gleichgesetzt werden, die dem T sehr anhaftete. Das entfernt die ursprüngliche Intention vom C noch einmal vom T.
Darum sind die Gleichsetzungen mit Vorsicht zu genießen. Und je näher man selbst an den Randbereich dieser Begriffe heranrückt, desto sinnvoller halte ich es, auf diese Unterscheidungen zu achten und nicht zu lapidarisieren.
Darum setze ich mich auch immer wieder dafür ein, dass wir, die wir schnell mit C oder T in Verbindung gebracht werden können, und wir uns selbst jedenfalls im grauen Umgebungsbereich bewegen, uns an den Selbstzuschreibungen der Crossdresser orientieren, wenn wir diesen Begriff verwenden.
Es ist für uns sehr hilfreich, wenn wir, die wir so nahe da dran sind, den Begriff Crossdresser auch im Sinne der Crossdresser-Szene verwenden. Es hilft uns ebenso untereinander hier in unserem Austausch, weil wir nicht jedesmal die Intentionen mit vielen Worten umschreiben müssen, sondern
klarer abgegrenzte Begrifflichkeiten verwenden können.
Es gibt eben noch keinen Begriff, jene Männer, die sich als Mann fühlen und einfach mehr Kleidungsfreiheit haben wollen, zu beschreiben. Frauen, die Hosen tragen wollten, hatten auch keinen Begriff für sich benötigt. Es hilft aber, das, was man nicht ist, zumindest klarer beschreiben zu können.
Und die Ziele von Crossdressern aus der Crossdresser-Szene decken sich nun einmal nicht mit den Zielen von den meisten hier. Crossdresser aus der Crossdresser-Szene wollen, wenn sie in Aktion sind, möglichst als Frau aufgefasst werden.
Viele von uns hier wollen genau das nicht.@Slothorpe
Du kannst Dich gerne weiterhin als Crossdresser fühlen und bezeichnen. Für mich lehne ich diese Bezeichnung aus vorgenannten Gründen ab. Manche Crossdresser (auch da sind nicht alle ganz sicher, wo fängt Crossdressing an, wo hört es auf) haben auch nicht immer Lust, sich stundenlang für einen Frauenauftritt vorzubereiten, um dann "en femme" in die Öffentlichkeit einzutauchen. Manche gehen dann auch schon mal gelegentlich als Crossdresser "en homme" unter die Leute.
Dann bist Du ein Crossdresser "en homme", Slothorpe. Vielleicht ist es sogar die bessere Eigenbezeichnung für Dich, da Du ja fast schon schade findest, wenn Männer die ganz selbstverständliche Kleidungsfreiheit genießen würden, wie sie Frauen zugestanden wird.
Du schreibst selbst, dass es kaum noch Kleidung gibt, die als typisch männlich zu deklarieren ist, weil den Frauen eben die ganze Kleidungsvielfalt zugestanden wird (weil sie sich einfach diese genommen haben). Wo bleibt die Gerechtigkeit, Männern, die Mann sein wollen, das nicht zuzugestehen? Mir geht dabei allerdings die Hutschnur auf, weil das der ausgeprägteste Sexismus heutiger Tage in unserer Kultur ist, der so offensichtlich zur Schau getragen wird, dass es kaum einen aufregt. Und der, der sich aufregt, wird gleich gerne in die pathologische Ecke gestellt.
Und hier nochmal den zu den Links bezgl. der lebensnahen Verwendung des Begriffes "Crossdresser": klick!