Auch wenn mein folgender Beitrag von dem - wie ich finde - wichtigen Fazit meines letzten Beitrags ablenkt,
muss ich doch noch mal unter einem anderen Aspekt auf das Bibelzitat und seiner vorliegenden Übersetzungen werfen.
Also die neuere Übersetzung (hrsg. 2016), wo versucht wurde, eine zeitgemäßere Sprache zu finden:
Eine Frau soll nicht die Ausrüstung eines Mannes tragen und ein Mann soll kein Frauenkleid anziehen; denn jeder, der das tut, ist dem HERRN, deinem Gott, ein Gräuel.
Die vorherige oder anderweitig oft anzutreffende Übersetzung:
Eine Frau soll keine Männerkleidung tragen, und ein Mann soll keine Frauenkleidung tragen, denn der HERR, dein Gott, verabscheut jeden, der so etwas tut.
Interessant ist, dass im Versuch der zeitgemäßeren Sprache, nicht mehr von Frauenkleidung und Männerkleidung gesprochen wird,
sondern von Frauenkleidung und Männerausrüstung.
Für mich offenbart das, dass der Versuch der Experten, eine zeitgemäßere Wortwahl zu finden, die Tatsache berücksichtigt, dass Frauen sich längst Männerkleidung zu eigen gemacht haben. Eine Frau z.B., die in einem Laienamt im Gottesdienst z.B. die Fürbitten oder eine Lesung hält, ist also durchaus in Hosen akzeptiert. Um diese Akzeptanz nicht zu gefährden, war es wohl den Experten nicht möglich, an diese Stelle explizit von Männerkleidung zu sprechen. Darum wählten sie eine andere Wortwahl, das Bibel-Gebot irgendwie auszudrücken. "Ausrüstung eines Mannes" lässt natürlich schnell an das Soldatentum denken. Ob das nun so gewollt ist, könnte eine eigene Frage sein.
Interessant wäre übrigens, was in kommentierten Bibelausgaben zu dem betreffenden Bibelzitat steht. Vielleicht hat ja jemand einen einfachen Zugang zu solch einer kommentierten Bibel.
Hingegen bin ich auf eine interessante Auslegung dieser Bibelstelle gestoßen, zu der ich gleich noch ein paar Worte beifügen muss. Zunächst aber begegnete ich folgender, deutlich älteren Wortwahl zu dieser Bibelstelle:
Eine Frau soll keine Männersachen auf sich haben, und ein Mann soll keine Frauenkleider anziehen; denn jeder, der dies tut, ist dem HERRN, deinem Gott, ein Gräuel.
Diese Wortwahl verwendete wohl schon Calvin im 16. Jahrhundert. Vielleicht steht das so auch in der Luther-Bibel. Jedenfalls ist da auch nicht konkruent von "Kleidung" zu lesen, was mich vermuten lässt, dass auch in der hebräischen Urfassung nicht die 1:1 zu spiegelnde Wortwahl geschrieben steht, die da "Männerkleidung" bzw. "Frauenkleidung" meint.
Dennoch wird bei der Analyse dieser Bibel-Stelle immer der Fokus auf "Kleidung des anderen Geschlechts" gelegt. Was immer sehr viel Raum zur Interpretation und Auslegung bietet.
Und letztem Zitat bin ich begegnet bei einer langen Diskussion über abweichendes Geschlechtsverhalten, was sowohl den sich als Mann fühlenden Mann im Rock betreffen kann, aber auch Transmenschen und alles, was es sonst noch an Ausprägungen geben kann. Dort, auf dieser Internetseite, wird das ganze nicht unparteiisch beleuchtet. Sondern mit einer klar abzulesenden Tendenz. Das sollte jedem klar sein, wenn er das liest. Man muss dieser Tendenz nicht zustimmen. Aber es versammelt viele weitere Zitate und Auslegungen zu dieser Bibelstelle, gleich welcher Tendenz. Deshalb befinde ich diese Internetseite für empfehlenswert für jeden, der sich damit thematisch noch ein wenig auseinandersetzen möchte, vor allem eben wegen der vielen herangezogenen unterschiedlichen Quellen, nicht wegen der bevorzugten Tendenz dieser Internetseite:
https://bekennende-kirche.de/artikel/johannes-calvin-ueber-5-mose-225-eine-orientierungshilfe-angesichts-der-heutigen-transgender-debatte/Und ja, es geht längst nicht nur um Transgender-Debatte, es geht durchaus ebenso auch um Cis-Männer mit Rock-Ambitionen.
Wer übrigens hinter der "Bekennenden Kirche" steckt, habe ich gar nicht weiter nachgeforscht, mir geht es nicht um die Aneignung der dortigen Sichtweise, mir geht es um die Sammlung der verschiedenen Quellen unterschiedlicher Positionen und ja, dann halt um eine mögliche Auslegung, die eben nur eine mögliche Auslegung ist.
Es sollte jeder selbst in der Lage sein, sich ein davon unabhängiges, individuelles Bild zu machen.