„Lassen wir uns doch erfreuen, wenn Blumenrock seinen Weg einschlägt und er seine Freude uns mitteilen möchte. Die Betonung davon mag zwar uns vielleicht etwas ungewöhnlich vorkommen, aber so hat jeder seine eigenen Vorlieben. Und davon geht die Welt auch nicht unter“
Das ist m.E. ein wunderbares Fazit!
Aber, lieber Wolfgang, zu Deinen Fragen nach der Bibel:
Die Bibel ist voller Gebote und Verbote. Für das Judentum gelten sie, wobei natürlich die spezifischen Tempelgebote ausgesetzt sind. Im Christentum werden schon viel weniger übernommen.
Wenn Du Dich so durch dieses Gebot bzw. Verbot angesprochen fühlst, dann erhebt sich die Frage, welchen Bezug Du generell zu biblischen Geboten und Verboten hast. Fühlst Du Dich ihnen verpflichtet?
Ich kann nicht sagen, wir dieses Ge- oder Verbot zur Zeit seiner Abfassung genau gemeint war und auch nicht, wie es im Laufe der ca. 2500 Jahre seit dem rezipiert, diskutiert, interpretiert usw. wurde. Da gibt es bestimmt Fachleute für.
Was ich sagen kann:
Generell ist das Thema "Geschlecht" in allen Kulturen und somit auch Religionen sehr zentral. Es hat mit vielen anderen Themen zu tun, wie Fortpflanzung, Erhalt der eigenen Gruppe (Familie, Volk, Religionsgemeinschaft usw.), geschlechtsspezifischen Rechten und Pflichten (Hierarchien, Erbrecht, Gruppenzugehörigkeit, Eherecht, ...).
Geschlechtsspezifische Kleidung macht sich nicht unbedingt an der Ein- oder Zweiröhrigkeit des Beinkleides fest. Auch zwei einander sehr ähnliche Gallabiyas können durch Details wie Stoff, Farbe, Muster, Faltenwurf u.a. in einer Kultur als eindeutig männlich und eindeutig weiblich unterschieden sein. Das ist Konvention, an die die Menschen sich gewöhnt haben und die sie als quasi natürlich empfinden. Das sieht man auch an den Sarongs in Südostasien und Ozeanien. In einigen Kulturen sind Männer- und Frauensarongs unterschiedlich gemustert oder geknotet. In einer anderen Kultur kann das wieder ganz anders sein. Man kann sich also auch dort gegengeschlechtlich kleiden, wo alle Gallabiyas oder Sarongs tragen. Dieses gegengeschlechtliche Kleiden kann die oben genannten geschlechtsspezifischen Rechte und Pflichten tangieren. Nimmt man durch gegengeschlechtliches Kleiden auch die Pflichten und Rechte des anderen Geschlechts für sich in Anspruch? Solche Fragen können für Verwirrung sorgen. Um diese zu unterbinden wird das gegengeschlechtliche Kleiden kurzerhand verboten.
Jetzt können wir fragen: Gibt es bei uns geschlechtsspezifische Rechte und Pflichten, die durch das Tragen andersgeschlechtlicher Kleidung tangiert werden?
Und hat das Tragen andersgeschlechtlicher Kleidung einen Einfluss auf den Bestand der eigenen Gruppe?
Die Beantwortung dieser Fragen hat einen Einfluss darauf, ob wir das Tragen andersgeschlechtlicher Kleidung für problematisch halten oder nicht.
LG, Micha