Unter der Gefahr, dass ich wieder alles zutexte, bevor jemand anderes seine wertvollen Gedanken äußern konnte...
Die Frage, wie kann man sonst auf insbesondere den männlichen Teil (insbesondere die wertvolle Jugend) persönlich einwirken?
Nun, ich habe keine Jungs, noch nicht mal Kinder. Auch keine Enkel. Und auf meine Neffen (die übrigens alle irgendwann mal meine Coolness mir gegenüber ausgedrückt haben) konnte ich auch nicht viel einwirken, denn ich wollte sie ja nicht "versauen". Ja, alles so blöde Gedanken, die man sich macht. Und die Kinder meiner Nichten und Neffen sind räumlich oder situativ so unendlich weit weg. "Einwirkkraft" fast ausgeschlossen. Vermutlich tauge ich eher für ein Beispiel, das nicht das Maß von deren Eltern ist.
und zumindest ein Sohn hat keine Scheu auch mal ein Kleid zu tragenn, wenn er nicht gerade Freunde treffen wird 
Und, sie lehnen jede Art von Drogen legal wie Illegal, vehement ab, auch gegen ihren Freundeskreis.
Da hast Du Glück gehabt, oder ganz vieles richtig gemacht.
Aber genau das ist Problem. Drogen, legal wie illegal, betreffen ja eher die älteren Nachwachsenden. Die Verlockungen gibt es überall. Die oft auch gerade dann attraktiv werden, wenn in anderen Bereichen es gerade nicht so rund läuft. Drogen gibt es ja mittlerweile auch elektronischer Art, und die können auch die ganz jungen Menschen betreffen. Da können ganz viele Kompetenzen zwar trainiert werden, aber andere eben auch auf der Strecke bleiben.
Die Kollegin die so heftig reagiert hat, ist Mitte 40 - schwieriges Umbruchsalter?
Umbruchsalter. Ja, deren gibt es viele. Auch schon ab Kleinstkindalter.
Studien zeigen, dass gerade diese Übergänge schwierig sind. Von einem Lebensabschnitt in den nächsten. Da gibt es in den ersten 25 Lebensjahren derer viele. Z.B. von der Schule zur Ausbildung bzw. Studium. Oder von der Grundschule in die nächste Schule. Oder vom Kindergarten in die Grundschule. Die Zahl derer wächst, die zu Anfang der Grundschule erst noch langwierig lernen müssen, einen Stift zum Schreiben bzw. Malen zu halten. Diese Motorik ist vielfach nicht geübt. Und fast trifft es immer Jungens. Jetzt mehrfach mitbekommen.
Vorschulkinder malen sehr gerne und viel. Und die Bilder, die von Kindern gemalt sind, hängen vielfach herum, man kriegt sie ja geschenkt. Und meist von Lisa, Laura oder Sophie. Da hängen kaum welche von Tim und Tom oder Erek. Der hellblaue Strampler sorgt ja schon dafür, dass dem kleinen Mann lieber Bauklötze und Bagger geschenkt werden als Wachsmalstifte oder ein Malblock. Rumsitzen und still vor sich hin malen, nicht für meinen Sohn! Der muss krabbeln, toben, sein Testosteron ausleben! So die vorgefasste Meinung.
Jungs tun sich ganz schwer mit den Anforderungen des Schulsystems. Viel schwerer als Mädels. Nicht wegen den Genen, schon gar nicht wegen des Testosterons, das kommt erst viel später wieder ins Spiel, sondern wegen der Prägung. Sie kommt von überall her, nicht nur von den Eltern.
Und kommt die neue Phase, kommen neue Jungs ins Spiel, die auch genau das bestärken, was nicht nur von den Eltern kommt. Auch von den Medien und so. Können sie nicht mithalten, was die Peers so verlangen, oder die Lehrerin, dann fängts an, schnell schwierig zu werden.
Genau dieses Übergänge, die kleinen oder größeren Umbrüche, sind eine besonders große Gefahr für Jungs, nicht mehr mithalten zu können, und wo sie sich dann aus dem Anforderungsschema ausklinken. Und sie werden entweder auffällig, oder unerkannt versteckt depressiv (was Jungs ja nicht zeigen dürfen) oder sie versuchen das mit einer übertrieben versuchten Anpassung an die Erwartungen zu überdecken. Nicht, dass Mädels nicht auch gefährdet werden, aber diesen werden deutlich breitere Entfaltungsräume zugestanden als Jungs. Einfach so, ohne dass man darüber nachdenkt. Ist halt so.
Vielleicht sollten wir alle ein wenig darüber nachdenken, ob es immer "ist halt so" sein muss. Ob nicht auch die Ermunterung, sich etwas anderem als dem allgemeinen Erwartungshorizont der Gesellschaft zuzuwenden, eine Hilfestellung mit einem gewissen gesellschaftlichen Wert darstellen kann, das Individuum, ob Junge oder Mädel, für alles was mal kommen wird, resilienter, leistungsfähiger, widerstandsfähiger zu machen. Jungs bleiben da halt viel häufiger auf der Strecke, zeigen alle Statistiken.