9
« Letzter Beitrag von Bernd am Gestern um 21:34 »
Ich denke, wir müssen unterscheiden:
Einerseits die Geschlechtsidentität (Gender), die ich empfinde: Nehme ich mich selbst als männlich oder weiblich oder beides/keines davon wahr? Die meisten hier im Forum (nicht alle) sehen sich wohl als Männer (und das gilt auch für mich).
Andererseits die gesellschaftliche Rolle, die Stereotypen mit unserem Geschlecht verknüpft. Also die Erwartungen der Gesellschaft, wie sich ein Mann geben soll (im Gegensatz zu einer Frau). Das betrifft Verhaltensweisen, Interessen, Charakterzüge, ... Und eben auch Kleidung.
Wer als Mann Rock oder Kleid trägt, weicht hier von der gesellschaftlichen Rollenerwartung ab. Ähnlich auch ein Mann, der kein Bier mag, in einem frauentypischen Beruf arbeitet oder als Hausmann auf die Kinder aufpasst.
Wer sich als Mann identifiziert, kann trotzdem für jeden dieser Bereiche eigenständig entscheiden, was ihm zusagt und was nicht, wo er also in seiner Lebensweise eher männliche Rollenbilder und wo eher weibliche Rollenbilder bevorzugt (oder auch etwas ganz eigenes). Wenn jemand mit einzelnen männlichen Rollenbildern nicht einverstanden ist, heißt das nicht, dass er deswegen seine männliche Geschlechtsidentität ablehnt.
Die als Rollenbilder genannten Aspekte sind alles Bereiche, wo es heute weitgehend frei möglich ist, sein Leben so oder anders zu gestalten. Das ruft dann manchmal Unverständnis oder Ablehnung hervor, aber wenn man dazu steht, ist es in der Regel möglich.
Und das gilt auch für Rock oder Kleid am Mann: Es entspricht nicht dem gesellschaftlichen Rollenbild eines Mannes. Und wird vermutlich auch perspektivisch nicht von einer Mehrheit der Männer adaptiert werden. Aber es wird weitgehend akzeptiert, wenn Einzelne das machen.
Insofern bin ich eigentlich ganz zufrieden mit der aktuellen Situation in westlichen Gesellschaften: Ich kann als Mann im Kleid, der auch sonst vielen männlichen Stereotypen nicht entspricht, weitgehend akzeptiert und unbehelligt leben. Und durch mein Vorbild vielleicht ab und zu den einen oder anderen zu ähnlichem inspirieren, auch wenn das so schnell wohl keine Massenbewegung werden wird.