Der Reporter kann nicht einmal mit dem Taschenrechner umgehen oder sagt bewusst die Unwahrheit. Anfangs sind 58% der Straftaten als rechtsextrem eingestuft, am Ende nur noch 38% Der Anteil ist also zurückgegangen und nicht, wie behauptet, gestiegen. Das Verhältnis hat sich also umgedreht und man muss nunmehr fragen, wer heuer für die 62% verantwortlich ist, die nicht näher benannt werden.
Aufgrund Deiner Zahlen habe ich mir dahingehend noch einmal den Beitrag angeschaut, und ich muss sagen, damit hast Du einen Punkt. Es ist tatsächlich sehr unscharf und somit missverständlich, wie der gesprochene Text die gezeigte Statistik kommentiert. "...und immer häufiger kommen die Straftaten aus dem Phänomenbereich rechts", so der Kommentar. Das lässt einen Zuhörer in der Tat interpretieren, dass deren Anteil an den queerfeindlichen Straftaten gestiegen sei. Die Statistik aber weist, wie Du richtig analysiert hast, aus, dass der Anteil gesunken ist. Dennoch darf das nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Zahl der Straftaten 'aus dem Phänomenbereich rechts' im betrachteten Zeitraum dennoch erheblich gestiegen ist, nämlich versechsfacht. Dass die Gesamtzahl der erfassten Straftaten auch gestiegen ist, und zwar noch stärker (fast verzehnfacht) ist richtig und bedauerlich, ist aber kein angenehmer Grund, den Anstieg aus dem rechten Umfeld zu beschönigen.
Ich halte die Einstufung von Straftaten zu einem gewissen politischen Milieu ohnehin für schwierig. Die Zuordnung wird nur ähnlich unscharf sein wie der begleitende Kommentar des Berichtsautors. Vermutlich werden nur solche Straftaten einem politischen Lager zugeordnet, wenn genügend Hinweise dafür vorhanden sind. Bei vielen werden diese Hinweise aber nicht in ausreichendem Maße vorliegen und bleiben also deshalb auch unklassifiziert.
Fakt ist, dass politisch rechts angehauchte Gedanken inzwischen straßentauglicher geworden sind und Polemik bis Hass- und Hetztiraden gesellschaftsfähiger geworden sind, gerade seit rund 10 Jahren durch verschiedene Ereignisse der Weltgeschichte. Das lädt auch Menschen ein, sich weniger zurückzuhalten, die sich sonst eher nicht zu radikaleren Einstellungen zurechnen würden. Ich bin mir recht sicher, dass das den starken Anstieg der unklassifizierten Straftaten mit erklärt.
Straftat bleibt Straftat - auch wenn Straftaten durchaus auch aus politischem Interesse als solche gewertet werden könnten, unsere deutsche Geschichte hat das ja gezeigt, aber auch überall andernorts auf der Welt gibt es genügend Beispiele. Dennoch: jede Straftat ist eine zuviel, das möchte ich festhalten. Dass die Zahl der registrierten Straftaten seit 10 Jahren ansteigt, hat freilich noch weitere Hintergründe, denn erst seit jüngeren Jahren ist der - ich benutze bewusst die selbe Wortführung, aber möglichst neutral gemeint - denn erst seit jüngeren Jahren ist der 'Phänomenbereich queer' sichtbar geworden. Und zudem trauen auch sich erst nach und nach die Betroffenen, solche Vergehen anzuzeigen. Diese Zusammenhänge sollen allerdings nicht dazu dienen, diese Straftaten zu beschwichtigen.
Es stellt sich doch generell die Frage, warum sich jemand so schwer damit tut, einen Menschen, der sich anders ausdrücken oder fühlen möchte als gesellschaftlich vorgegeben, zu tolerieren. Mit welchem Ziel muss solch ein Mensch vehement ausgegrenzt werden oder attackiert werden? Was fällt denn so schwer daran, jeden nach seiner eigenen Façon glücklich werden zu lassen. Welche Freiheiten anderer Menschen werden dadurch beschränkt, dass ein Peter nun lieber eine Petra sein will?
Was hat man denn davon, gegen andere Menschen Hass und Hetze zu schüren? Ist nicht ein unaufgeregtes Zusammenleben für alle letztendlich angenehmer?