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« Letzter Beitrag von MAS am Gestern um 20:24 »
Da es mir auf der Seele brannte, habe ich doch schon geantwortet:
"Sehr geehrtes Kommunikationsteam Initiative Fleisch,
Toleranz im Sinne von Duldung von etwas, das man eigentlich lieber nicht hätte, ist im gesellschaftlichen Zusammenleben eine Grundtugend, ohne die es nicht geht.
Respekt im Sinne eines Berücksichtigens von Interessen anderer Menschen ist noch höher anzusiedeln.
Insofern toleriere ich auch Vielfleischessende.
Indes habe ich mit Ihrer Argumentationsweise ein Problem. Auf der verlinkten Seite mit dem Nationalgericht schreiben Sie, die Diskussion werde laut und manchmal moralisierend geführt. Haben Sie Wörter mit „moral…“ noch wo anders stehen? Ich fand sie nicht. Jedenfalls werfen Sie anscheinen anderen Menschen vor, moralische Argumente zu verwenden, statt einfach tolerant zu sein. Moral oder Ethik scheint mir für Sie einen geringeren Stellenwert zu haben als Geschmack. Über Geschmack sollte man ja nicht streiten, aber über Moral oder Ethik zu streiten ist was anderes.
Ich selbst verzichte großenteils auf Fleisch, nicht, weil es mir nicht schmeckt, sondern weil ich Gewissensbisse habe. Der Fleischkonsum in der momentanen Höhe in unserer Gesellschaft kann, wenn ich das richtig sehe, mit nur artgerechter Haltung nicht bedient werden. Stimmt das? Nichtartgerechte Haltung widerspricht meiner Vorstellung von Tierwohl. Zudem kommt in der Massentierhaltung, dass ein solcher Betrieb die Tiernahrung nicht selbst produzieren und die Gülle nicht selbst im eigenen Betrieb verbrauchen kann. Also muss Tiernahrung zugekauft und Gülle anderswo entsorgt werden. Was bringt beides anderswo enorme ökologische Probleme mit sich. Diese Probleme könnten wir vermeiden, in dem wir direkt pflanzliche Nahrung für uns anbauen, statt damit unsere Nahrung zu füttern. Das wäre zudem viel energiesparsamer und damit klimafreundlicher. Das sind alles Überlegungen, die mit Geschmack nichts zu tun haben.
Einen hohen Fleischkonsum zu tolerieren, bedeutet, diese Probleme zu tolerieren.
Menschen, denen diese Probleme egal sind, solange es ihnen schmeckt, machen die Anstrengungen von Menschen zunichte, die durch verantwortungsvolle Ernährung versuchen, diese Probleme zu beseitigen. Ist da Respekt gegenüber Menschen, denen ihr Geschmack wichtiger ist als die Lösung der genannten Probleme wirklich die angemessene Forderung? Man kann diese Probleme wirklich nur durch gemeinsame Anstrengung lösen. Solange die Mehrheit der Menschen nicht mithilft, bringen die Versuche einer Minderheit nichts. Daher kommt es wohl, dass die Diskussion manchmal laut und moralisierend wird.
Meine Großnichte und ihr Freund machten neulich den Jagdschein, um sich das Fleisch, das sie essen wollen, selbst zu schießen und so unabhängig von der Fleischindustrie und der Massentierhaltung Fleisch essen zu können. Das ist für einige wenige ein gangbarer Weg, aber nicht für 80 Mio. Deutsche oder für 8 Mrd. Erdenbürger.
Ich bezeichne mich übrigens nicht als Flexitarier, denn es hat wenig mit Freude an Flexibilität zu tun, sondern eher an eine nicht ganz konsequente Durchführung meiner Überzeugungen gemäß dem Spruch: „Der Geist ist willig, das Fleisch ist schwach“. Mir fehlt es einfach an asketischer Disziplin. Das hat aber auch den Vorteil, dass ich Schwächen anderer Menschen auch gut verstehen kann.
Mit freundlichen Grüßen,
Michael A. Schmiedel"
LG, Micha