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Erfahrungsberichte / Antw:Kleid und Kirche
« Letzter Beitrag von Bernd am Heute um 22:29 »
Ja, Jens, so sehe ich das auch. Ich möchte durch mein Auftreten mit Kleid im Gottesdienst niemanden provozieren. Sondern eher dazu beitragen, dass das mit Zeit und Gewöhnung zu etwas wird, das gar keine Beachtung mehr findet und von allen als normal wahrgenommen wird.
Niemanden durch die Kleidung im GoDi zu provozieren ist nicht einfach und verlangt dann und wann einen Verzicht auf allzu große Freiheit. Paulus hat sich zur Freiheit in seinen Briefen geäußert. Zwar ging es nicht um Kleidung, sondern um Essgewohnheiten oder das Einhalten von Feiertagen, aber die Quintessenz ist diese: Wir haben allerlei Freiheiten, was diese "nicht heilsrelevanten" Dinge angeht, aber aus Liebe zu Menschen, die "im Glauben schwach" sind, können wir uns ggf. zurück nehmen.

Deshalb muss ich nicht auf Biegen und Brechen in jedem GoDi Kleider oder Röcke tragen. Kann auch mal eine Hose sein.

In Italien sah ich dagegen vor Kirchtüren Abbildungen von kurzen Beinkleidern oder ärmellosem Oberteilen mit einem roten X durch diese hindurch. In Italien wären viele von uns so nicht in eine Kirche gelassen worden.

LG, Micha

Im Mailänder Dom war ich in den 90er Jahren mit Rock drin und auch drauf. Damals kostete es glaubich hoch aufs Dach auch schon Eintritt. Ein paar Tage später haben sie mich nicht mehr reingelassen. Gut, dann bin ich halt nicht mehr aufs Dach. Welche Röcke ich damals trug, weiß ich nicht mehr konkret. Aber ich hatte da überwiegend knielange Sachen dabei oder wadenlang.

Vor bald ziemlich genau 25 Jahren haben sie mich zum Pater Pio nur reingelassen mit einer Stola, die ich mir über die Schultern hängen musste, weil ich ein armfreies Tanktop getragen habe. [...]

Wenn ich sage, dass ich durch das Tragen eines Kleids in Kirchen nicht provozieren möchte, dann spielt da schon mit rein, dass ich mir bewusst überlege, welche Kleidung ich in welchem Umfeld tragen kann. Nach meiner Erfahrung ist allein die Tatsache, als Mann ein Kleid zu tragen, in der Regel nichts, was großes Aufsehen oder Ärgernis erregt (von Ausnahmen wie dem Aufhänger dieser Diskussion mal abgesehen). Aber auch innerhalb der Kleider-Stile gibt es sexuell Aufreizenderes oder farblich Unpassenderes, was dann eher negativ auffällt, und andere Kleider, die sich harmonisch ins Gesamtbild einer Gottesdienstgemeinde einfügen.

Ich war auch schon (als Tourist) in italienischen Kirchen unterwegs und habe diese Hinweisschilder ernst genommen. Als ich vor zwei Jahren im Kleid im Mailänder Dom (und auf dessen Dach) war, habe ich mir an diesem Tag extra ein längeres Kleid angezogen, so dass Knie und Schultern bedeckt waren. Das war dort überhaupt kein Problem. (Vermutlich hat sich bei den Verantwortlichen des Mailänder Doms zwischen den 1990er Jahren und den 2020er Jahren auch etwas getan im Umgang mit vielfältig gekleideten Tourist*innen.)
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Erfahrungsberichte / Antw:Kleid und Kirche
« Letzter Beitrag von Bernd am Heute um 22:12 »
Wow! Da hat sich ja echt eine lebendige Diskussion hier entwickelt. Dass manche von euch eine religiöse Affinität haben, wusste ich, aber es sind auch ein paar mehr hier zu Wort gekommen, deren Interesse an solchen Fragen ich gar nicht erwartet hätte.

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Ganz herzlichen Dank für Deine Erklärung, lieber Bernd. Wir beide befinden uns wertemäßig auf derselben Seite.
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In der Theologie verweist immer wieder gerne auf normative Quellen wie die Bibel, den Koran, die Veden, buddhistische Sutren usw., interpretiert diese aber immer wieder neu und anders als bisher und woanders. Alle diese verschiedenen Interpretationen behaupten, den eigentlichen Sinn der jeweils zitierten Stelle in der jeweiligen Heiligen Schrift richtig zu verstehen. Das behaupten oft auch ganz entgegengesetzte Interpretationen. Wie kommen aber so gänzlich unterschiedliche Interpretationen zustande?
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Jedenfalls erlebt man dieses Vorgehen immer wieder, egal in welcher Religion. So verändern sich dann auch die Religionen, durchlaufen Paradigmenwechsel oder passen sich einfach veränderten Umständen an, und doch haben die Gläubigen den Eindruck, es mit derselben Religion zu tun zu haben, die seit Jahrhunderten oder Jahrtausenden existiert und sich selbst beim Lauf durch die Geschichte immer treu geblieben ist.
[...]
Ich denke, dass wir oft unsere ethischen Maßstäbe auf unsere jeweilige Heilige Schrift projizieren, auch wenn die Autoren (vielleicht auch Autorinnen) der Heiligen Schriften andere ethische Maßstäbe hatten. Aber natürlich sind unsere ethischen Maßstäbe auch durch unsere jeweiligen Heiligen Schriften, so diese wichtig für uns sind, beeinflusst  oder auch geprägt. Historisch-kritische wissenschaftliche Forschung arbeitet unter anderem auch die ethischen Maßstäbe der Autoren heraus. Und dadurch bemerken wir Unterschiede und auch Gemeinsamkeiten. Wenn das so ist, dass in den Bibelstellen zur Homosexualität Ausbeutungsverhältnisse gemeint waren, dann würde ich sagen, dass man als gläubiger Christ oder Jude eine gleichberechtigte und freie homosexuelle Beziehung nicht mit Rückgriff auf diese Bibelstellen verurteilen kann. Sollte es aber doch nicht so sein, bleibt nur die Wahl zwischen einer Übernahme der Verurteilung der Homosexualität oder eine Ablehnung dieser Bibelstellen. Letzteres ist für einen gläubigen Juden oder Christ ja schwierig, sofern die Bibel für ihn wichtige oder gar wichtigste normative Quelle ist. Deswegen lehnen auch einige religiöse Richtungen die historisch-kritische Erforschung ihrer Heiligen Schriften ab.

Für mich ist es, wenn ich wissen will, wie eine Religion tickt,  nicht genug, die jeweiligen Heiligen Schriften zu lesen, sondern ich muss mich auch damit beschäftigen, wie diese von den Gläubigen interpretiert werden. Und dabei stoße ich dann auf eine recht große Vielfalt in jeder Religion.

LG, Micha

Ja, Micha, ich denke auch, wir stehen "wertemäßig auf derselben Seite".

Ich würde betonen, wir haben als Christ*innen wirklich Glück, dass unsere Heilige Schrift gar nicht behaupt, wörtlich direkt von Gott zu stammen. So konnte sich in der modernen Zeit die historisch-kritische Methode zumindest im theologisch-wissenschaftlichen Bereich durchsetzen. Wer wie die meisten Ausprägungen des Islam eine Heilige Schrift hat mit dem Anspruch, direktes wörtliches und unfehlbares Gotteswort zu sein, der hat es da mit der Integration neuer Erkenntnisse viel schwieriger.

Unsere jüdischen und christlichen Vorfahren, die den Kanon der biblischen Schriften festgelegt haben (also was zur Bibel gehört und was nicht), haben da eine ganz vielfältige Sammlung von Texten mit unterschiedlichster Entstehungsgeschichte zusammengestellt. Das ist für mich ein reicher Schatz von Erfahrungen, die Menschen mit ihrer Spiritualität gemacht haben, und von Erkenntnissen, die sie daraus über Gott abgeleitet haben. Die Bibel wurde von verschiedensten Menschen verfasst, inspiriert von Gott, sicherlich, aber nicht diktiert. Gott hat es offenbar zugelassen, dass Menschen immer wieder unterschiedliche spirituelle Wege gegangen sind. Und dass neuere gesellschaftliche Kontexte zu anderen Gotteserkenntnissen geführt haben. Das kann man alles schon innerhalb der biblischen Bücher gut ablesen. Aus dem historischen Kontext der Entstehungszeit gerissen, sind manche biblischen Texte heute problematisch. Und trotzdem erzählen sie uns etwas über den Glauben der Menschen, die sie damals verfasst haben. Die Aussagen der Bibel sind so vielfältig wie die Schöpfung, von der gläubige Menschen sagen, dass sie auf Gott zurückgeht.

Persönlich glaube ich, dass es Gott bei der Schöpfung wichtig war, Menschen als Gegenüber zu haben, die sich frei entscheiden können was sie glauben und was sie tun. Und dass Gott darauf vertraut, dass wir Menschen neue, bessere Erkenntnisse zulassen, als es früheren Generationen möglich war. Z.B. lehnen wir heute aus christlicher Sicht jegliche Form von Sklaverei ab. Das war lange Zeit nicht so. Und in der Bibel gibt es Erzählungen, in denen die positiv dargestellten Protagonist*innen Sklav*innen halten, ohne dass dies problematisiert würde. Ich bin fest davon überzeugt, dass es Gott gefällt, wenn wir heute die Würde jedes Menschen betonen und Sklaverei ablehnen.

Ich habe im "Zeitfenster-Gottesdienst" meiner Kirchengemeinde letzten Dezember darüber gepredigt, wie ich als Physiker auf Schöpfung schaue und in welcher Rolle ich dabei Gott sehe. Wen das interessiert, findet hier das YouTube-Video meiner Predigt und mein Manuskript zum Download: https://www.zeitfenster-aachen.de/2025/12/bernd-jantzen-gottes-wunderschoene-ueberraschende-schoepfung-2/
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Spass und Allgemeines / Antw:In welcher Stadt bin ich hier im Rock?
« Letzter Beitrag von Bahner am Heute um 21:03 »
Da schau an, ist die Ki doch nicht so gut. Bad Steben wäre gleich ums Eck. ich war aber weiter weg.

Die zwei Buchstabe sind schon beteiligt, aber das Du bei deiner Weinverträglichkeit nur zwei Bier ( äh,  Maßen; dann ok) brauchst......

Nicht nur Krüge wurden aus dem edlen Material dort gefertigt. ::)
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Erfahrungsberichte / Antw:Kleid und Kirche
« Letzter Beitrag von Ludwig Wilhem am Heute um 20:48 »
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Dieses Kleid hatte ich letztens zu einer Beerdigung angezogen, denn die verstorbene durfte Einschlafen und es war extrem warm. Keiner der Trauergäste fand es  unangemessen, auch beim anschließenden "Leichenschmaus" gab es kein erstaunen, obwohl mich nur wenige kannten. Mit schwarzem Anzug wäre ich mir komisch vorgekommen. Das Gestreifte war in meinen Augen für diesen Anlass absolut passend.  LG Ludwig
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Spass und Allgemeines / Antw:In welcher Stadt bin ich hier im Rock?
« Letzter Beitrag von Skirtedman am Heute um 20:39 »
Nun, der Main ist lang, und die Wesr auch.

Was soll ich machen, wenn die KI Dich mit Biedermeier verwechselt und an den Brunnen nach Bad Steben verfrachtet?

Trinkt man bei Steampunk-Festivals auch Bier aus Porzellankrügen?

Wenn ja, dann warst Du nicht auf dem Festival in der wunderschönen Glockenstadt Gescher (auch noch nie gehört),
sondern an dem Fluß Lb, bei dem man vielleicht nach dem zweiten Bier schon vier Buchstaben sieht.
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Rund um den Rock / Antw:Adäquate Kleidung - Sommer
« Letzter Beitrag von Ludwig Wilhem am Heute um 20:34 »
Moin Wolfgang, danke für deine Anmerkungen, aber auch bei 35°C war mir dieses Leinenkleid (extrem dünn und leicht) nie zu warm, besser als alle T-Shirts etc. Obwohl meine Frau sich schon an alle Röcke und viele Kleider gewöhnt hat, möchte sie mich mit diesem Kleid nicht in der Öffentlichkeit begleiten. Aber das scheint bei ihr ein altes Trauma aus ihrer Kindheit zu sein und so trage ich es nur zu Hause. Aber was soll's. Mann ist ja nicht ständig unterwegs. LG Ludwig
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Spass und Allgemeines / Antw:In welcher Stadt bin ich hier im Rock?
« Letzter Beitrag von Bahner am Heute um 20:08 »
Soso, ich seh aus wie kleine Mädchen.....kaum zu glauben bei 1,80....

Nuja, vieel ist grad nicht zu sehen, ich dacht die Suchspezialisten haben das gleich. Gut, die Bildqualität von Handy isses halt nicht.

Eine Stadt, in deren Burg, gelegen an bedeutendem Fluß mit vier Buchstaben am We ein feines Steampunkfest stattfand. Soll ich noch Schwerter erwähnen??

Grüße Rolf   
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Erfahrungsberichte / Antw:Kleid und Kirche
« Letzter Beitrag von MAS am Heute um 19:23 »

Niemanden durch die Kleidung im GoDi zu provozieren ist nicht einfach und verlangt dann und wann einen Verzicht auf allzu große Freiheit.  zu Menschen, die "im Glauben schwach" sind, können wir uns ggf. zurück nehmen.
[...]
Deshalb muss ich nicht auf Biegen und Brechen in jedem GoDi Kleider oder Röcke tragen. Kann auch mal eine Hose sein.

Ich hätte nie gedacht, dass Kleidung als Provokation gewertet werden könnte.
Ich meine jetzt ausdrücklich kein Shirt mit Parole in einer entgegengesetzten Umgebung.
Wurde sie bei Bernd eigentlich auch nicht, die falsche Schlußfolgerung war ja das eigentliche Problem.

Aus einer religiösen oder theologischen Perspekive hatte ich das noch nie betrachtet, habe aber dennoch noch nie etwas Einröhriges zu Gottesdiensten o.ä. getragen. Es erschien mir bislang irgendwie unpassend, ohne eine stichhaltige Begründung dafür zu haben.

Wo es einen Dresscode gibt, lieber Cephalus, kann jede diesem nicht entsprechende Kleidung als Provokation verstanden werde. Erinnerst Du Dich an die Empfindung als Provokation, als die Grünen 1980 mit Strickpullovern in den Bundestag einzogen und Joschka Fischer in Turnschuhen seinen Eid ablegte?

LG, Micha
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Erfahrungsberichte / Antw:Kleid und Kirche
« Letzter Beitrag von MAS am Heute um 19:18 »
Stimmt, hast recht!
Ich wette, die allermeisten von uns hier Angemeldeten im Forum hätten echte Schwierigkeiten, so wo ein spirituelles Zuhause zu finden.

Ob Mensch und Angebot zusammen passen hängt von vielen Faktoren ab. Die Kleidungsfreiheit ist nur einer davon.

LG, Micha
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Erfahrungsberichte / Antw:Kleid und Kirche
« Letzter Beitrag von cephalus am Heute um 18:42 »

Niemanden durch die Kleidung im GoDi zu provozieren ist nicht einfach und verlangt dann und wann einen Verzicht auf allzu große Freiheit.  zu Menschen, die "im Glauben schwach" sind, können wir uns ggf. zurück nehmen.
[...]
Deshalb muss ich nicht auf Biegen und Brechen in jedem GoDi Kleider oder Röcke tragen. Kann auch mal eine Hose sein.

Ich hätte nie gedacht, dass Kleidung als Provokation gewertet werden könnte.
Ich meine jetzt ausdrücklich kein Shirt mit Parole in einer entgegengesetzten Umgebung.
Wurde sie bei Bernd eigentlich auch nicht, die falsche Schlußfolgerung war ja das eigentliche Problem.

Aus einer religiösen oder theologischen Perspekive hatte ich das noch nie betrachtet, habe aber dennoch noch nie etwas Einröhriges zu Gottesdiensten o.ä. getragen. Es erschien mir bislang irgendwie unpassend, ohne eine stichhaltige Begründung dafür zu haben.
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