Autor Thema: Öffentlichkeits-Arbeit für "Rock am Mann" - Diskussion  (Gelesen 21030 mal)

Offline cephalus

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Antw:Öffentlichkeits-Arbeit für "Rock am Mann" - Diskussion
« Antwort #105 am: Gestern um 11:12 »
wer einen Rock trage, sei wahrscheinlich mit seiner männlichen Rolle unzufrieden, was sie für sich selbst nicht so sehen.

Ist das nicht doch so?
Natürlich nicht in jedem Punkt, aber selbst Transfrauen dürften nicht in jeder Beziehung mit ihrer Rolle bei Ursprungsgeschlecht unzufrieden sein.

Teil einer idealtypischen Männerrolle in unserem Kulturkreis ist:
-   Ausschließlich Hosen zu tragen
-   Bier zu mögen
-   Interesse für Fußball zu haben
-   Die Hauptverantwortung für Kinder an Frauen zu delegieren
-   Karriere über Familie zu stellen
-   Stark und präsent aufzutreten, öffentlich wie privat
-   Latent immer die Konkurrenz zu anderen Männern suchen
-   Usw…

Diese Liste könnte ich fast beliebig erweitern.

Jedenfalls sind die gerade genannten Rollenverpflichtungen, ein Teil derjenigen, denen ich mich nicht füge, mit denen ich unzufrieden bin.

Ja, in jüngeren Jahren habe ich mich oft widerwillig den Erwartungen gefügt und z.B. gelangweilt in Gesellschaft Fußball geschaut, mit einem Bier in der Hand.

Und ja, dass ich Röcke und Kleider trage ist auch ein Ausdruck davon, dass mir dies Rollenklischees mittlerweile egal sind, wie auch vice versa.

Offline Skirtedman

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Antw:Öffentlichkeits-Arbeit für "Rock am Mann" - Diskussion
« Antwort #106 am: Gestern um 11:29 »
Hallo Bernd!

Das hast Du ganz hervorragend ausgedrückt.

Und Micha seine Antwort auch'

Ja, so ist es wohl. Und wenn dann noch die Angst dazu kommt, doch noch für nicht eindeutig cisgender und heterosexuell gehalten zu werden, weil man der Toleranz der Mehrheitsgesellschaft doch nicht so recht traut, ist die Hürde, selbst einen Rock anzuziehen, riesig groß.

Es ist schon zum Mäusemelken!

Aber auch, wenn Mann es sich für sich selbst schlecht vorstellen können sollte, kann er doch einsehen, dass es grundsätzlich Gleichberechtigung bedeutet, wenn Männer genau so gut die freie Wahl zwischen Rock und Hose haben wie Frauen. Das müsste doch in alle Birnen passen!

LG, Micha

...auch wenn da etwas Verbitterung in seinen Worten zu Tage tritt.
Dass Männer nur Hosen tragen, ist weder körperlich noch geistig gesund.
Wie tief muss der psychische Knacks wohl sein, dass Männer sich nicht endlich auch mehr Freiheiten gönnen!?

Offline Zwurg

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Antw:Öffentlichkeits-Arbeit für "Rock am Mann" - Diskussion
« Antwort #107 am: Gestern um 12:09 »
wer einen Rock trage, sei wahrscheinlich mit seiner männlichen Rolle unzufrieden, was sie für sich selbst nicht so sehen.

Ist das nicht doch so?
Natürlich nicht in jedem Punkt, aber selbst Transfrauen dürften nicht in jeder Beziehung mit ihrer Rolle bei Ursprungsgeschlecht unzufrieden sein.

Teil einer idealtypischen Männerrolle in unserem Kulturkreis ist:
-   Ausschließlich Hosen zu tragen
-   Bier zu mögen
-   Interesse für Fußball zu haben
-   Die Hauptverantwortung für Kinder an Frauen zu delegieren
-   Karriere über Familie zu stellen
-   Stark und präsent aufzutreten, öffentlich wie privat
-   Latent immer die Konkurrenz zu anderen Männern suchen
-   Usw…

Diese Liste könnte ich fast beliebig erweitern.

Jedenfalls sind die gerade genannten Rollenverpflichtungen, ein Teil derjenigen, denen ich mich nicht füge, mit denen ich unzufrieden bin.

Ja, in jüngeren Jahren habe ich mich oft widerwillig den Erwartungen gefügt und z.B. gelangweilt in Gesellschaft Fußball geschaut, mit einem Bier in der Hand.

Und ja, dass ich Röcke und Kleider trage ist auch ein Ausdruck davon, dass mir dies Rollenklischees mittlerweile egal sind, wie auch vice versa.


In deinen Aufzählungen finde ich mich durchaus wieder.

Wir haben damals vor über 30 Jahren in der Landesmännergruppe der KLJB über ähnliche Themen diskutiert.
Es gibt ja doch einige Dinge die Männer von Frauen unterscheiden.
Und unser Ziel war es eben das Leben von Männern zu verbessern, denn die Dinge die du aufgezählt hast, führen ja auch bei einigen Männern zu einem vorzeitigen Tod, durch Krankheiten oder auch erhöhte Suizidrate.

Und das hat ja auch mit dem Rollenverhalten zu tun, dem viele nicht entkommen können.
Leider hat unsere Arbeit damals scheinbar nicht viel gebracht
Den größten Mut erfordert es den eigenen Weg zu gehen

Offline cephalus

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« Antwort #108 am: Gestern um 12:42 »
Leider hat unsere Arbeit damals scheinbar nicht viel gebracht

Ich glaube schon, dass es etwas bringen kann, nur muss man die Erwartungen anpassen, wenn es punktuell für einen kurzen Zeitraum passiert.

Die Erfolge von feministischen Bestrebungen oder homosexuellen Initiativen sind auf die letzten Jahrzehnte betrachtet, beachtlich und trotzdem nicht am Ziel.

Initiativen von Millionen über ein halbes Jahrhundert bewirken was - entsprechend weniger kann man im Kleinen erreichen, aber das beutet nicht, dass es umsonst war.


Offline Zwurg

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« Antwort #109 am: Gestern um 13:27 »
Leider hat unsere Arbeit damals scheinbar nicht viel gebracht

Ich glaube schon, dass es etwas bringen kann, nur muss man die Erwartungen anpassen, wenn es punktuell für einen kurzen Zeitraum passiert.

Die Erfolge von feministischen Bestrebungen oder homosexuellen Initiativen sind auf die letzten Jahrzehnte betrachtet, beachtlich und trotzdem nicht am Ziel.

Initiativen von Millionen über ein halbes Jahrhundert bewirken was - entsprechend weniger kann man im Kleinen erreichen, aber das beutet nicht, dass es umsonst war.

Wenn ich mich mit meinem Vater vergleiche geht die Entwicklung rückwärts.
Er trank auch wenig Bier und interessierte sich nicht überaus für Fußball.
Er hat viel gearbeitet, es war aber möglich das er alleine als Familienernährer fungieren konnte.
Gut er trug keine Röcke, in seinen Kopf hineinschauen konnte ich nicht. (Als er aber dement wurde versucht er immer wieder in Kleidungsstücke meimer Mutter zu schlüpfen, was aber nicht funktionierte weil er wesentlich größer und doppelt so schwer war.)
Er war trotzdem mit 60 zu Hause und konnte seine Rente ohne Abschläge geniesen.

In unserere Generation müssen meist beide Geschlechter arbeiten um über die Runden zu kommen.
ich kann sicher nicht mit 60 zu Hause bleiben, fraglich ob ich es mit 65 tun kann.
So wird der Druck zu arbeiten, sich um die Karrirere zu kümmern und die damit verbundenen Schmerzen mit Alkohol und Fußball zu übertünchen. Da tröstet es mich nicht, das der Feminismus und die Anerkennung der Homosexuellen weitergkommen.

Wir wollten damals eine Entlastung der Männer, mehr Lagerfeuertime, mehr Zeit für die Familie, insgesamt mehr Freiheit.

Aber das Gegenteil ist doch der Fall, hauptsächlich weil das Geld fehlt.
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Offline MAS

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Antw:Öffentlichkeits-Arbeit für "Rock am Mann" - Diskussion
« Antwort #110 am: Gestern um 17:10 »
Gude zusammen!

Ich meinte eigentlich nicht so sehr eine Unzufriedenheit mit manchen Merkmalen der männlichen Rolle, sondern mit der männlichen Rolle überhaupt, also anders gesagt, den Wunsch nach einer nicht-männlichen Rolle, sei sie weiblich, geschlechtsneutral oder sonst wie.

LG, Micha
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Offline JoHa

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« Antwort #111 am: Gestern um 22:47 »
Als Bewohner eines Dorfes (ca. 110 Personen) in einem Dorf von ca. 5600 Personen werde ich oft mit den herkömmlichen Rollenmodellen der Vergangenheit konfrontiert,, die auch heute noch sehr oft von den Müttern überliefert werden.
In unserem kleinen Ortsteil werde ich als politisch Aktiver gehört und anerkannt, als gelegentlicher Rockträger kritisch beäugt und toleriert.
Mehr erwarte ich in unserer Region und unserer Umgebung, -fast  80% konservativ katholisch-, nicht.
Ich bin erst seit 20 Jahren hier, nicht religiös engagiert, für die SPD im Rat (gewesen) und oft öffentlich im Rock unterwegs.
Niemand hat sich deswegen von mir distanziert, von den üblichen Frotzeleien mal abgesehen. 
"Bitte lasse Anzeigen zu"
Da fehlt das Komma.

Offline MAS

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Was hat es mit den 110 und den 5600 auf sich, lieber Joachim? Sind die 110 die Bewohner Deines Dorfteils und die 5600 die Bewohner des ganzen Dorfes? Oder wie meinst Du es?

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