Autor Thema: Öffentlichkeits-Arbeit für "Rock am Mann" - Diskussion  (Gelesen 21943 mal)

Offline MAS

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Antw:Öffentlichkeits-Arbeit für "Rock am Mann" - Diskussion
« Antwort #120 am: Gestern um 21:57 »
Ja, lieber Bernd, wir müssen unterscheiden zwischen unserm jeweiligen Selbstkonzept und gesellschaftlichen Erwartungen an uns. "Gender" ist indes für beides der korrekte Begriff. Man sagt ja auch "soziales Geschlecht" dazu, im Unterschied zum biologischen (wobei ich meine, man müsste hier "biotisch" schreiben, denn man sagt ja auch "sozial" und nicht "soziologisch", aber Sprache ist selten konsequent logisch.) Ich sage aber auch gerne "kulturelles Geschlecht" im Unterschied zum natürlichen.

Aber man kann Selbstkonzept und gesellschaftliche Erwartungen auch nicht so hundertprozentig voneinander trennen, da sie sich gegenseitig beeinflussen. Vor allem beeinflussen gesellschaftliche Erwartungen die Selbstkonzepte, entweder, in dem man sich ihnen anpasst oder indem man ihnen widerspricht oder sich gar von ihnen emanzipiert. Aber vollkommen frei von den Erwartungen der Gesellschaft bzw. der Mitmenschen sind wir nie oder zumindest ist das selten.

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Offline MAS

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Antw:Öffentlichkeits-Arbeit für "Rock am Mann" - Diskussion
« Antwort #121 am: Gestern um 22:26 »
Etwas abseits des Hauptthemas, hier ein Video, dass dem Klischee, Bier sei reine Männersache, widerspricht:
https://www1.wdr.de/nrw/rheinland/biersammlung-zuelpich-loswerden-102.html
Hier ist die ganze Geschichte: https://www1.wdr.de/fernsehen/lokalzeitgeschichten/videos/hauskauf-mit-altlast-wohin-mit-13-000-flaschen-bier-clip-hauskauf-mit-altlast-100.html

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Offline Zwurg

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Antw:Öffentlichkeits-Arbeit für "Rock am Mann" - Diskussion
« Antwort #122 am: Gestern um 23:06 »
Irgendwie schon schade, das nun die Biersammlung, in der bestimmt sehr viel Arbeit und Lebenszeit steckte, nun aufgelöst und zerstört wird.

Das erinnert mich an ein Filmzitat: " All diese Momente werden verloren sein, wie Tränen im Regen."

Ich tinke nicht viel Bier. Ich kaufe meist zu Beginn des Sommers 2 Kasten Bier. Manche nehme ich auf die Mittelalterfeste mit und gebe sie auch weiter. Den Rest habe ich Mühe bis zum nächsten Sommer aufzubrauchen.
Im Moment mag ich gerne Schönramer Dunkel.
Den größten Mut erfordert es den eigenen Weg zu gehen

Offline MAS

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Antw:Öffentlichkeits-Arbeit für "Rock am Mann" - Diskussion
« Antwort #123 am: Gestern um 23:49 »
Ja, so empfinde ich auch wegen der Sammlung. Ich habe ja auch einige Dosen und Flaschen gesammelt, aber alle leer. Und viel weniger als das da.

Mein Konsum ist höher als Deiner, was aber auch keine Kunst ist. Von Schönramer hatte ich glaube ich auch mal was.
Ja:
D   
By   
Petting   
Privatbrauerei Schönram   
Oberg. dkl.: St
Imperial Stout
Alk.: 9,5 %
(Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Hafermalz, Hopfen, Hefe)   
Fla   0,33 l   
Siegburg, zu Hause;
(gekauft bei Rewe in Königswinter-Ittenbach,Sa 26.3.2016, €)

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Online Skirtedman

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...

Ja, ich kann mich der Sichtweise von Bernd voll und ganz anschließen.

Auch ich entspreche in vielen Dingen wie Charakter, Verhalten, Interessen nicht dem, was man gemeinhin als "typisch männlich" darstellt und eine gewisse Typisierung von "was ein Mann so macht" vornimmt "und was nicht". Und dennoch kann ich so unbehelligt mein Leben führen. Ja, und auch mit meiner Kleidung kann ich das ebenso. Das finde ich toll. Freilich sieht man mein Uninteresse an Fahrzeugtypen, Sportergebnissen und meine nicht ausgeprägten Grillvorlieben meistens mir nicht auf Anhieb an. Meine Kleidungsvorlieben aber sofort.

Ich finde es richtig und wichtig, sich darüber Gedanken zu machen, wie andere Menschen, besonders Männer, zu unserem Kleidungsstil stehen und inwieweit das noch eine breitere Welle in der Gesellschaft nehmen könnte, und woran es liegt, dass es noch immer nicht eine breitere Masse von uns als Inspirationsgeber adaptiert hat.

Wir haben schon vielfach hier im Forum uns Gedanken dazu und zu den Rollenbildern bzw. Rollenerwartungen von Männern gemacht. Vielleicht hatten wir es bisher noch nie so schön ausgedrückt, wie Ihr das in den letzten Tagen hier gemacht habt.

Ich weiss, wie wünschenswert für viele von uns es wäre, wenn wir zahlenmässig mehr in der Gesellschaft sichtbar wären. Es würde auch die tatsächliche oder virtuelle Last von uns einzelnen nehmen, uns immer wieder erklären zu müssen oder uns mit falschen Zuordnungen konfrontiert zu sehen. Um noch selbstverständlicher Rock und Kleid im Alltag tragen zu können, ist es am wichtigsten, dass in der Gesellschaft allgemein bekannt wird, dass es eben auch Männer gibt, die sich voll und ganz als Männer sehen und trotzdem Röcke bzw. Kleider tragen möchten. So, wie es sich herumgesprochen hat, dass Frauen Hosen, Kleider oder Röcke tragen, ohne damit eine darüber hinaus gehende Botschaft ausdrücken zu wollen.

Die einzige Möglichkeit, das zu vermitteln, ist (abseits einer potenziell forums- oder vereinsbasierten Öffentlichkeitsarbeit) dass das jeder von uns in seinem eigenen Lebensbereich vorlebt und in Begegnungen mit anderen Menschen verbal oder non-verbal vermittelt, dass der Rock am männlichen Mensch nichts weiter zu bedeuten hat, wie eine Hose am weiblichen Mensch.

Frauen haben viele Rollenerwartungen, die man in den 50er Jahren noch an eine Frau hatte, inzwischen abgelegt. Es käme heute wahrscheinlich niemand in der Mehrheitsgesellschaft mehr auf die Idee, die Rollenerwartung an Frauen beim Punkt Kleidung wieder auf nur noch Rock oder Kleid zu verengen. Rein formal gibt es heute eigentlich keine Rollenerwartung an die Frau mehr, was Bekleidung betrifft (wenn man von Details absieht).

Vielleicht müssen wir in unseren eigenen Köpfen auch erst einmal den Gedanken streichen, dass wir mit unserer freien Kleidungswahl nicht den Erwartungen entsprechen. Ich hege ja auch keine Gedanken in meinem Kopf, wie Person X oder Y sich zum nächsten Zusammentreffen kleiden wird. Warum sollen andere an mich Erwartungen haben, wie ich mich kleide?
Dass Männer nur Hosen tragen, ist weder körperlich noch geistig gesund.
Wie tief muss der psychische Knacks wohl sein, dass Männer sich nicht endlich auch mehr Freiheiten gönnen!?

Offline MAS

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Ich finde Deinen Text sehr gut, lieber Wolfgang, muss aber leider einem Satz widersprechen:

Zitat
Es käme heute wahrscheinlich niemand in der Mehrheitsgesellschaft mehr auf die Idee, die Rollenerwartung an Frauen beim Punkt Kleidung wieder auf nur noch Rock oder Kleid zu verengen.]Es käme heute wahrscheinlich niemand in der Mehrheitsgesellschaft mehr auf die Idee, die Rollenerwartung an Frauen beim Punkt Kleidung wieder auf nur noch Rock oder Kleid zu verengen.

Ich kenne christliche Gemeinden, in denen die Frauen genau so wenig Hosen tragen, wie die Männer Röcke. Gut, jetzt kann man fragen, ob diese Gemeinden zur Mehrheitsgesellschaft gehören. Vielleicht sind sie ein letzter Posten der gegenderten Kleidungsaufteilung. Aber es gibt sie noch.

Gleich fahre ich mal wieder nach Bielefeld als "normaler" Mann im Rock und tue, wie von Dir geheißen.

LG, Micha
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Online high4all

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Und dann gibt es da noch die sogenannten "Tradwifes" in sozialen Medien, die das alte Rollenbild der Frau in diversen Filmchen propagieren, die mich stark an Reklamefilme der 1950er und 1960er Jahre erinnern.
Herr, ich danke Dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele. (Psalm 139,14)

Never be limited by other people's limited imaginations. (Dr. Mae Jemison)

Wenn wir es recht überdenken, so stecken wir doch alle nackt in unsern Kleidern. (Heinrich Heine

Offline cephalus

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Das mit männlicher Rolle mit der Mann zufrieden ist und die Ausgestalltung im Zusammenhang mit eigenen und fremden Erwartungen haben wir ausgiebig bsprochen.

Aber:

Was bewegt die Menschen, die sich als nicht binär und damit irgendwo im Spektrum zwischen männlich und weiblich betrachten?
Wo liegt der Unterschied zu infrage gestellten Rollenverhalten?
Oder ist doch nur eine Konsequenz aus den jeweiligen Erwartungen, die man nach innen und aussen, so griffig zusammenfassen kann.

Online Skirtedman

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Durchaus interessante Fragen.

Das werden sicherlich nur Betroffene hinreichend erklären können.

Mein Eindruck als Aussenstehender ist, dass eher Deine letzte Vermutung am häufigsten zutreffen wird:
"eine Konsequenz aus den jeweiligen Erwartungen, die man nach innen und aussen, so griffig zusammenfassen kann."

Auch wenn Menschen, die sich nicht-binär verstehen, scheinbar die Rollenerwartungen aufbrechen, arbeiten sie jedoch stark mit diesen Rollenerwartungen. Ohne diese würde es schwerer fallen, sich als dazwischen zu verorten.

Und dann gibt es da noch die sogenannten "Tradwifes" in sozialen Medien, die das alte Rollenbild der Frau in diversen Filmchen propagieren, die mich stark an Reklamefilme der 1950er und 1960er Jahre erinnern.

Ja, das sind diese 'reaktionären' Kräfte, die meist mit weiterreichendem Interesse sich die vermeintlich 'guten alten Zeiten' wieder herbeiträumen.

Das Wiedererstarken von traditionellen Leitbildern betrifft ja auch männliche Rollenverständnisse. Gerade gestern wurde ich in der Tagesschau auf den überwiegend in sozialen Medien verbreiteten Memen des "Looksmaxxing" aufmerksam. Wo es darum geht, mit Muskelaufbau, Körperoptimierung durch Fettweghungern, aber auch Körperoptimierung mit manueller Wangenknochenbearbeitung (mit Hämmern für ein markanteres Aussehen) einem überzogenen Männlichkeitsideal nachzueifen, um sich so für mehr Erfolg bei Frauen und in Karriere zu optimieren.

Es gibt halt immer und zu allem irgendwelche (überzogenen) Gegenbewegungen.

Zitat
Es käme heute wahrscheinlich niemand in der Mehrheitsgesellschaft mehr auf die Idee, die Rollenerwartung an Frauen beim Punkt Kleidung wieder auf nur noch Rock oder Kleid zu verengen.]Es käme heute wahrscheinlich niemand in der Mehrheitsgesellschaft mehr auf die Idee, die Rollenerwartung an Frauen beim Punkt Kleidung wieder auf nur noch Rock oder Kleid zu verengen.

Ich kenne christliche Gemeinden, in denen die Frauen genau so wenig Hosen tragen, wie die Männer Röcke. Gut, jetzt kann man fragen, ob diese Gemeinden zur Mehrheitsgesellschaft gehören. Vielleicht sind sie ein letzter Posten der gegenderten Kleidungsaufteilung. Aber es gibt sie noch.

Ja, und genau deswegen habe ich von der Mehrheitsgesellschaft gesprochen. Diese gehören nicht dazu.

Es gibt auch noch andere zumeist religiös getriebene Rollenerwartungen und -erfüllungen, in deren Umfeld Frauen ebenso defintiv keine Hosen tragen. Und die sind durchaus mit einem gewissen Anteil in unserer Gesellschaft sichtbar. Auch wenn man sie wahrscheinlich mit deutlichen Prozentzahlen beziffern kann, sind sie aber trotzdem ebenso nicht Bestandteil der hier gemeinten 'Mehrheitsgesellschaft'.

Und selbst wenn man die betroffenen Frauen, die sich diesen Erwartungen unterordnen oder sie aus freier Entscheidung erfüllen, wenn man diese Frauen befragen würde, ob sie einem allgemeinen Hosenverbot für Frauen zustimmen würden, bin ich der festen Überzeugung, dass viele dem nicht zustimmen würden.

Den Begriff 'Mehrheitsgesellschaft' habt Ihr, Micha und Bernd, ja hier eingeführt. Ich finde ihn ganz brauchbar, weil man sich darunter in diesem unserem Kontext etwas vorstellen kann. Und 'Mehrheitsgesellschaft' fühlt sich in meinem Verständnis ausgreifender an, als nur ein vages 50 Prozent + ein kleines x sich vorzustellen, sondern ich sehe da schon eine ziemliche Mehrheit darin, die sich bei mindestens deutlich zwei Drittel, wenn nicht sogar deutlich höher bewegt.

Und selbst würde man nicht die Gesellschafts-Mehrheit, sondern nur die Hälfte der Gesellschaft befragen, nämlich ausschließlich die Männer, ob ein Hosenverbot für Frauen ausgesprochen werden solle, bin ich mir sicher, es würde sich dafür längst keine Mehrheit mehr finden lassen.
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