Autor Thema: Kleid und Kirche  (Gelesen 418 mal)

Offline high4all

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Antw:Kleid und Kirche
« Antwort #15 am: Gestern um 13:21 »
Im ersten Brief an die Korinther hat Paulus in den Kapiteln 8 bis 10 einige Dinge über die christliche Freiheit geschrieben.

Kapitel 8: Bereit sein, um des schwächeren Bruders willen auf Freiheiten zu verzichten. Beispiel: Götzenopferfleisch

Zitat
1 Was aber das Götzenopfer angeht, so wissen wir, dass wir alle die Erkenntnis haben. Die Erkenntnis bläht auf; aber die Liebe baut auf. 2 Wenn jemand meint, er habe etwas erkannt, der hat noch nicht erkannt, wie man erkennen soll. 3 Wenn aber jemand Gott liebt, der ist von ihm erkannt. 4 Was nun das Essen von Götzenopferfleisch angeht, so wissen wir, dass es keinen Götzen gibt in der Welt und keinen Gott als den einen. 5 Und obwohl es solche gibt, die Götter genannt werden, es sei im Himmel oder auf Erden, wie es ja viele Götter und viele Herren gibt, 6 so haben wir doch nur einen Gott, den Vater, von dem alle Dinge sind und wir zu ihm, und einen Herrn, Jesus Christus, durch den alle Dinge sind und wir durch ihn. 7 Aber nicht alle haben die Erkenntnis. Einige essen’s als Götzenopfer, weil sie immer noch an die Götzen gewöhnt sind; und so wird ihr Gewissen, weil es schwach ist, befleckt. 8 Aber die Speise macht’s nicht, wie wir vor Gott stehen. Essen wir nicht, so fehlt uns nichts, essen wir, so gewinnen wir nichts. 9 Seht aber zu, dass diese eure Freiheit für die Schwachen nicht zum Anstoß wird! 10 Denn wenn jemand dich, der du die Erkenntnis hast, im Götzentempel zu Tisch sitzen sieht, wird dann nicht sein Gewissen, da er doch schwach ist, verleitet, das Götzenopfer zu essen? 11 Und so geht durch deine Erkenntnis der Schwache zugrunde, der Bruder, für den doch Christus gestorben ist. 12 Wenn ihr aber so sündigt an den Brüdern und Schwestern und verletzt ihr schwaches Gewissen, so sündigt ihr an Christus. 13 Darum, wenn Speise meinen Bruder zu Fall bringt, will ich nimmermehr Fleisch essen, auf dass ich meinen Bruder nicht zu Fall bringe.

Kapitel 9: Das Beispiel des Paulus: Verzichte, um andere für Christus zu gewinnen

Kapitel 10, 23-33: Dankbar genießen, aber Rücksicht auf das Gewissen des anderen; alles zur Ehre Gottes.

Zitat
23 Alles ist erlaubt, aber nicht alles dient zum Guten. Alles ist erlaubt, aber nicht alles baut auf. 24 Niemand suche das Seine, sondern was dem andern dient. 25 Alles, was auf dem Fleischmarkt verkauft wird, das esst, und prüft es nicht um des Gewissens willen. 26 Denn »die Erde ist des Herrn und was darinnen ist« 27 Wenn euch einer von den Ungläubigen einlädt und ihr wollt hingehen, so esst alles, was euch vorgesetzt wird, und prüft es nicht um des Gewissens willen. 28 Wenn aber jemand zu euch sagen würde: Das ist Opferfleisch, so esst nicht davon, um desjenigen willen, der es gesagt hat, und um des Gewissens willen. 29 Ich rede aber nicht von deinem eigenen Gewissen, sondern von dem des andern. Denn warum sollte ich meine Freiheit beurteilen lassen vom Gewissen eines andern? 30 Wenn ich mit Danksagung am Mahl teilnehme, warum sollte ich mich Lästerer nennen lassen wegen etwas, wofür ich danke? 31 Ob ihr nun esst oder trinkt oder was ihr auch tut, das tut alles zu Gottes Ehre. 32 Erregt keinen Anstoß, weder bei den Juden noch bei den Griechen noch bei der Gemeinde Gottes, 33 so wie auch ich jedermann in allem zu Gefallen lebe und suche nicht, was mir, sondern was vielen dient, damit sie gerettet werden.

Dass Beispiel vom Umgang mit Götzenopferfleisch lässt sich m.E. auf die Kleidung übertragen, die ich für den Gottesdienst auswähle. Es stellt sich mir immer die Frage, ob ich mein Ding durchziehe und damit Leute vor den Kopf stoße und in ihrem Glauben verunsichere, oder ob ich auf diese Leute Rücksicht nehme.

Im Übrigen sind Menschen, die stark im Glauben sind, nicht unbedingt solche, die in der Öffentlichkeit "starke Auftritte" haben. Ebenso sind Menschen, die schwach im Glauben sind, nicht unbedingt an einem "schwachen Auftreten" in der Öffentlichkeit erkennbar. Mitunter ist es genau umgekehrt.

Herr, ich danke Dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele. (Psalm 139,14)

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Wenn wir es recht überdenken, so stecken wir doch alle nackt in unsern Kleidern. (Heinrich Heine

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Antw:Kleid und Kirche
« Antwort #16 am: Gestern um 13:56 »
Lieber Hajo,

ist Deiner Meinung nach der Glaube eine Leistung des Menschen oder eine Gnade Gottes?

LG, Micha
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Offline Uckermärker

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Antw:Kleid und Kirche
« Antwort #17 am: Gestern um 14:53 »
Ich finde den Vergleich vom Essen von Opferfleisch mit dem Tragen von unüblicher Kleidung schwierig.

Beim Essen von Opferfleisch ging es um eine religiöse Handlung.
Vergleichbar wäre es vielleicht, wenn ich in einer Burka zum Gottesdienst gehen würde.
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Offline Skirtedman

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Antw:Kleid und Kirche
« Antwort #18 am: Gestern um 15:57 »
In Italien sah ich dagegen vor Kirchtüren Abbildungen von kurzen Beinkleidern oder ärmellosem Oberteilen mit einem roten X durch diese hindurch. In Italien wären viele von uns so nicht in eine Kirche gelassen worden.

LG, Micha

Im Mailänder Dom war ich in den 90er Jahren mit Rock drin und auch drauf. Damals kostete es glaubich hoch aufs Dach auch schon Eintritt. Ein paar Tage später haben sie mich nicht mehr reingelassen. Gut, dann bin ich halt nicht mehr aufs Dach. Welche Röcke ich damals trug, weiß ich nicht mehr konkret. Aber ich hatte da überwiegend knielange Sachen dabei oder wadenlang.

Vor bald ziemlich genau 25 Jahren haben sie mich zum Pater Pio nur reingelassen mit einer Stola, die ich mir über die Schultern hängen musste, weil ich ein armfreies Tanktop getragen habe. Etliche Frauen mussten das gleiche machen. Ich war der einzige Mann mit Stola. Gut, ich war auch der einzige Mann im Rock. Ob ich auch der einzige Mann ohne Hose war, weiß ich nicht mehr. Vielleicht ein paar Ordensleute, die dann aber ja keinen Rock, sondern eher sowas wie ein Kleid tragen. 'Kutte' sagt ja der Volksmund, um nicht den Verdacht zu schüren, Männer würden 'Kleider' tragen. 'Pater Pio' umschreibt die Wallfahrtsstäte in San Giovanni Rotondo.
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Offline Skirtedman

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Antw:Kleid und Kirche
« Antwort #19 am: Gestern um 16:34 »
Interessante Frage. Nunja, in diesem Falle 'interessant', weil nett ausgedrückt mir aber die Relevanz hier noch nicht so klar ist. Aber jedem das Seine. Jedem seine Fragen...  ;)

Ich finde wie Jens, den Vergleich in Hajos Argumenten zwischen den beschriebenen Ratschlägen von Paulus und dem Tragen unüblicher Kleidung schwierig. Mir fällt es schwer, aus den Worten Paulus´ für mich eine Handlungsempfehlung abzuleiten.

Da denke ich an Micha, der irgendwann zuvor schrieb, wie Bibelstellen abhängig sind von Interpretationen. Wenn jemand Rückschlüsse daraus zieht für sein eigenes Handeln im Leben, bitteschön. Dennoch sehe ich solche Worte auch lieber in einem entsprechenden Zusammenhang, wozu diese Worte dienten, aus welcher Motivation sie heraus formuliert wurden und Eingang in die Bibel fanden. Natürlich kann ich diese aufkommenden Fragen mir gar nicht alle selbst beantworten, aber das Bild, das mir bei diesen Worten entsteht, beschreibt für mich eine sehr unbekannte Situation. Ich kann mich nicht erinnern, Götzenopferfleisch gegessen zu haben. Und auf mir lebensnahe Situationen das Beschriebene zu transponieren, fällt mir recht schwer. Das mögen Experten tun oder Bibelkreise, die sich ein Thema vornehmen, doch darin steckt dann sehr viel Interpretation und dann fangen schon die Schwierigkeiten an, daraus Allgemeingültigkeiten abzuleiten. Zumal ich darin widersprüchliches finde.

Und zumal zudem bereits die Übersetzungen der Bibeltexte bereits Interpretationen sind. Denn so einfach lässt sich gar nicht alles 1:1 übersetzen und in einer anderen Sprache ohne bestimmte Anpassungen verständlich machen. Und auch das variiert ja zudem noch mit der Zeit. Lutherdeutsch ist ja oftmals heute bereits schon nicht mehr ohne Interpretationen zu verstehen.

Aber Hajo, ich respektiere ja, dass Du aus Gründen vor Deinen Glaubenskollegen nicht vehement auf Deine Röcke und Kleider beharrst. Ist Deine freie Entscheidung. Meine sähe anders aus. Vielleicht gibt es irgendeine überzeugendere Bibelstelle, mich darüber ins Zweifeln zu bringen. Ich bin aber ziemlich sicher, dass diese Bibelstelle in meinem Verständnis von Nächstenliebe dann auch dazu hätte dienen müssen, Frauen vom Hosentragen abzubringen.
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Antw:Kleid und Kirche
« Antwort #20 am: Gestern um 17:26 »
Ich bin aber ziemlich sicher, dass diese Bibelstelle in meinem Verständnis von Nächstenliebe dann auch dazu hätte dienen müssen, Frauen vom Hosentragen abzubringen.

Das wurde ja auch oft versucht und wird in einigen christlichen Denominationen auch getan.

LG, Micha
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Offline Skirtedman

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Antw:Kleid und Kirche
« Antwort #21 am: Gestern um 18:23 »
Stimmt, hast recht!
Ich wette, die allermeisten von uns hier Angemeldeten im Forum hätten echte Schwierigkeiten, so wo ein spirituelles Zuhause zu finden.
Dass Männer nur Hosen tragen, ist weder körperlich noch seelisch gesund.
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Offline cephalus

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Antw:Kleid und Kirche
« Antwort #22 am: Gestern um 18:42 »

Niemanden durch die Kleidung im GoDi zu provozieren ist nicht einfach und verlangt dann und wann einen Verzicht auf allzu große Freiheit.  zu Menschen, die "im Glauben schwach" sind, können wir uns ggf. zurück nehmen.
[...]
Deshalb muss ich nicht auf Biegen und Brechen in jedem GoDi Kleider oder Röcke tragen. Kann auch mal eine Hose sein.

Ich hätte nie gedacht, dass Kleidung als Provokation gewertet werden könnte.
Ich meine jetzt ausdrücklich kein Shirt mit Parole in einer entgegengesetzten Umgebung.
Wurde sie bei Bernd eigentlich auch nicht, die falsche Schlußfolgerung war ja das eigentliche Problem.

Aus einer religiösen oder theologischen Perspekive hatte ich das noch nie betrachtet, habe aber dennoch noch nie etwas Einröhriges zu Gottesdiensten o.ä. getragen. Es erschien mir bislang irgendwie unpassend, ohne eine stichhaltige Begründung dafür zu haben.

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Antw:Kleid und Kirche
« Antwort #23 am: Gestern um 19:18 »
Stimmt, hast recht!
Ich wette, die allermeisten von uns hier Angemeldeten im Forum hätten echte Schwierigkeiten, so wo ein spirituelles Zuhause zu finden.

Ob Mensch und Angebot zusammen passen hängt von vielen Faktoren ab. Die Kleidungsfreiheit ist nur einer davon.

LG, Micha
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Antw:Kleid und Kirche
« Antwort #24 am: Gestern um 19:23 »

Niemanden durch die Kleidung im GoDi zu provozieren ist nicht einfach und verlangt dann und wann einen Verzicht auf allzu große Freiheit.  zu Menschen, die "im Glauben schwach" sind, können wir uns ggf. zurück nehmen.
[...]
Deshalb muss ich nicht auf Biegen und Brechen in jedem GoDi Kleider oder Röcke tragen. Kann auch mal eine Hose sein.

Ich hätte nie gedacht, dass Kleidung als Provokation gewertet werden könnte.
Ich meine jetzt ausdrücklich kein Shirt mit Parole in einer entgegengesetzten Umgebung.
Wurde sie bei Bernd eigentlich auch nicht, die falsche Schlußfolgerung war ja das eigentliche Problem.

Aus einer religiösen oder theologischen Perspekive hatte ich das noch nie betrachtet, habe aber dennoch noch nie etwas Einröhriges zu Gottesdiensten o.ä. getragen. Es erschien mir bislang irgendwie unpassend, ohne eine stichhaltige Begründung dafür zu haben.

Wo es einen Dresscode gibt, lieber Cephalus, kann jede diesem nicht entsprechende Kleidung als Provokation verstanden werde. Erinnerst Du Dich an die Empfindung als Provokation, als die Grünen 1980 mit Strickpullovern in den Bundestag einzogen und Joschka Fischer in Turnschuhen seinen Eid ablegte?

LG, Micha
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Offline Ludwig Wilhem

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Antw:Kleid und Kirche
« Antwort #25 am: Gestern um 20:48 »
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Dieses Kleid hatte ich letztens zu einer Beerdigung angezogen, denn die verstorbene durfte Einschlafen und es war extrem warm. Keiner der Trauergäste fand es  unangemessen, auch beim anschließenden "Leichenschmaus" gab es kein erstaunen, obwohl mich nur wenige kannten. Mit schwarzem Anzug wäre ich mir komisch vorgekommen. Das Gestreifte war in meinen Augen für diesen Anlass absolut passend.  LG Ludwig
Ich trage Röcke oder Kleider gerne, denn es sind Kleidungsstücke für uns alle.

Online Bernd

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Antw:Kleid und Kirche
« Antwort #26 am: Gestern um 22:12 »
Wow! Da hat sich ja echt eine lebendige Diskussion hier entwickelt. Dass manche von euch eine religiöse Affinität haben, wusste ich, aber es sind auch ein paar mehr hier zu Wort gekommen, deren Interesse an solchen Fragen ich gar nicht erwartet hätte.

[...]
Ganz herzlichen Dank für Deine Erklärung, lieber Bernd. Wir beide befinden uns wertemäßig auf derselben Seite.
[...]
In der Theologie verweist immer wieder gerne auf normative Quellen wie die Bibel, den Koran, die Veden, buddhistische Sutren usw., interpretiert diese aber immer wieder neu und anders als bisher und woanders. Alle diese verschiedenen Interpretationen behaupten, den eigentlichen Sinn der jeweils zitierten Stelle in der jeweiligen Heiligen Schrift richtig zu verstehen. Das behaupten oft auch ganz entgegengesetzte Interpretationen. Wie kommen aber so gänzlich unterschiedliche Interpretationen zustande?
[...]
Jedenfalls erlebt man dieses Vorgehen immer wieder, egal in welcher Religion. So verändern sich dann auch die Religionen, durchlaufen Paradigmenwechsel oder passen sich einfach veränderten Umständen an, und doch haben die Gläubigen den Eindruck, es mit derselben Religion zu tun zu haben, die seit Jahrhunderten oder Jahrtausenden existiert und sich selbst beim Lauf durch die Geschichte immer treu geblieben ist.
[...]
Ich denke, dass wir oft unsere ethischen Maßstäbe auf unsere jeweilige Heilige Schrift projizieren, auch wenn die Autoren (vielleicht auch Autorinnen) der Heiligen Schriften andere ethische Maßstäbe hatten. Aber natürlich sind unsere ethischen Maßstäbe auch durch unsere jeweiligen Heiligen Schriften, so diese wichtig für uns sind, beeinflusst  oder auch geprägt. Historisch-kritische wissenschaftliche Forschung arbeitet unter anderem auch die ethischen Maßstäbe der Autoren heraus. Und dadurch bemerken wir Unterschiede und auch Gemeinsamkeiten. Wenn das so ist, dass in den Bibelstellen zur Homosexualität Ausbeutungsverhältnisse gemeint waren, dann würde ich sagen, dass man als gläubiger Christ oder Jude eine gleichberechtigte und freie homosexuelle Beziehung nicht mit Rückgriff auf diese Bibelstellen verurteilen kann. Sollte es aber doch nicht so sein, bleibt nur die Wahl zwischen einer Übernahme der Verurteilung der Homosexualität oder eine Ablehnung dieser Bibelstellen. Letzteres ist für einen gläubigen Juden oder Christ ja schwierig, sofern die Bibel für ihn wichtige oder gar wichtigste normative Quelle ist. Deswegen lehnen auch einige religiöse Richtungen die historisch-kritische Erforschung ihrer Heiligen Schriften ab.

Für mich ist es, wenn ich wissen will, wie eine Religion tickt,  nicht genug, die jeweiligen Heiligen Schriften zu lesen, sondern ich muss mich auch damit beschäftigen, wie diese von den Gläubigen interpretiert werden. Und dabei stoße ich dann auf eine recht große Vielfalt in jeder Religion.

LG, Micha

Ja, Micha, ich denke auch, wir stehen "wertemäßig auf derselben Seite".

Ich würde betonen, wir haben als Christ*innen wirklich Glück, dass unsere Heilige Schrift gar nicht behaupt, wörtlich direkt von Gott zu stammen. So konnte sich in der modernen Zeit die historisch-kritische Methode zumindest im theologisch-wissenschaftlichen Bereich durchsetzen. Wer wie die meisten Ausprägungen des Islam eine Heilige Schrift hat mit dem Anspruch, direktes wörtliches und unfehlbares Gotteswort zu sein, der hat es da mit der Integration neuer Erkenntnisse viel schwieriger.

Unsere jüdischen und christlichen Vorfahren, die den Kanon der biblischen Schriften festgelegt haben (also was zur Bibel gehört und was nicht), haben da eine ganz vielfältige Sammlung von Texten mit unterschiedlichster Entstehungsgeschichte zusammengestellt. Das ist für mich ein reicher Schatz von Erfahrungen, die Menschen mit ihrer Spiritualität gemacht haben, und von Erkenntnissen, die sie daraus über Gott abgeleitet haben. Die Bibel wurde von verschiedensten Menschen verfasst, inspiriert von Gott, sicherlich, aber nicht diktiert. Gott hat es offenbar zugelassen, dass Menschen immer wieder unterschiedliche spirituelle Wege gegangen sind. Und dass neuere gesellschaftliche Kontexte zu anderen Gotteserkenntnissen geführt haben. Das kann man alles schon innerhalb der biblischen Bücher gut ablesen. Aus dem historischen Kontext der Entstehungszeit gerissen, sind manche biblischen Texte heute problematisch. Und trotzdem erzählen sie uns etwas über den Glauben der Menschen, die sie damals verfasst haben. Die Aussagen der Bibel sind so vielfältig wie die Schöpfung, von der gläubige Menschen sagen, dass sie auf Gott zurückgeht.

Persönlich glaube ich, dass es Gott bei der Schöpfung wichtig war, Menschen als Gegenüber zu haben, die sich frei entscheiden können was sie glauben und was sie tun. Und dass Gott darauf vertraut, dass wir Menschen neue, bessere Erkenntnisse zulassen, als es früheren Generationen möglich war. Z.B. lehnen wir heute aus christlicher Sicht jegliche Form von Sklaverei ab. Das war lange Zeit nicht so. Und in der Bibel gibt es Erzählungen, in denen die positiv dargestellten Protagonist*innen Sklav*innen halten, ohne dass dies problematisiert würde. Ich bin fest davon überzeugt, dass es Gott gefällt, wenn wir heute die Würde jedes Menschen betonen und Sklaverei ablehnen.

Ich habe im "Zeitfenster-Gottesdienst" meiner Kirchengemeinde letzten Dezember darüber gepredigt, wie ich als Physiker auf Schöpfung schaue und in welcher Rolle ich dabei Gott sehe. Wen das interessiert, findet hier das YouTube-Video meiner Predigt und mein Manuskript zum Download: https://www.zeitfenster-aachen.de/2025/12/bernd-jantzen-gottes-wunderschoene-ueberraschende-schoepfung-2/

Online Bernd

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Antw:Kleid und Kirche
« Antwort #27 am: Gestern um 22:29 »
Ja, Jens, so sehe ich das auch. Ich möchte durch mein Auftreten mit Kleid im Gottesdienst niemanden provozieren. Sondern eher dazu beitragen, dass das mit Zeit und Gewöhnung zu etwas wird, das gar keine Beachtung mehr findet und von allen als normal wahrgenommen wird.
Niemanden durch die Kleidung im GoDi zu provozieren ist nicht einfach und verlangt dann und wann einen Verzicht auf allzu große Freiheit. Paulus hat sich zur Freiheit in seinen Briefen geäußert. Zwar ging es nicht um Kleidung, sondern um Essgewohnheiten oder das Einhalten von Feiertagen, aber die Quintessenz ist diese: Wir haben allerlei Freiheiten, was diese "nicht heilsrelevanten" Dinge angeht, aber aus Liebe zu Menschen, die "im Glauben schwach" sind, können wir uns ggf. zurück nehmen.

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In Italien sah ich dagegen vor Kirchtüren Abbildungen von kurzen Beinkleidern oder ärmellosem Oberteilen mit einem roten X durch diese hindurch. In Italien wären viele von uns so nicht in eine Kirche gelassen worden.

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Vor bald ziemlich genau 25 Jahren haben sie mich zum Pater Pio nur reingelassen mit einer Stola, die ich mir über die Schultern hängen musste, weil ich ein armfreies Tanktop getragen habe. [...]

Wenn ich sage, dass ich durch das Tragen eines Kleids in Kirchen nicht provozieren möchte, dann spielt da schon mit rein, dass ich mir bewusst überlege, welche Kleidung ich in welchem Umfeld tragen kann. Nach meiner Erfahrung ist allein die Tatsache, als Mann ein Kleid zu tragen, in der Regel nichts, was großes Aufsehen oder Ärgernis erregt (von Ausnahmen wie dem Aufhänger dieser Diskussion mal abgesehen). Aber auch innerhalb der Kleider-Stile gibt es sexuell Aufreizenderes oder farblich Unpassenderes, was dann eher negativ auffällt, und andere Kleider, die sich harmonisch ins Gesamtbild einer Gottesdienstgemeinde einfügen.

Ich war auch schon (als Tourist) in italienischen Kirchen unterwegs und habe diese Hinweisschilder ernst genommen. Als ich vor zwei Jahren im Kleid im Mailänder Dom (und auf dessen Dach) war, habe ich mir an diesem Tag extra ein längeres Kleid angezogen, so dass Knie und Schultern bedeckt waren. Das war dort überhaupt kein Problem. (Vermutlich hat sich bei den Verantwortlichen des Mailänder Doms zwischen den 1990er Jahren und den 2020er Jahren auch etwas getan im Umgang mit vielfältig gekleideten Tourist*innen.)

Offline Stanley McLeod

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Antw:Kleid und Kirche
« Antwort #28 am: Gestern um 23:13 »
Ich bin aber ziemlich sicher, dass diese Bibelstelle in meinem Verständnis von Nächstenliebe dann auch dazu hätte dienen müssen, Frauen vom Hosentragen abzubringen.

Das wurde ja auch oft versucht und wird in einigen christlichen Denominationen auch getan.

LG, Micha

Leider ist dem tatsächlich so, ich muss dem Micha da zustimmen. Ich bin selbst freikirchlich unterwegs, aber ich hätte mir niemals vorstellen können eine Gemeinde zu besuchen, die Menschen auf Grund von Äußerlichkeiten ausschließt. Bei meiner Gemeinde ist es jedenfalls so, dass man sich in diesem  Punkt weitestgehend am gesellschaftlich akzeptierten Rahmen orientiert, vielleicht abgesehen von provokativ aufreizender Bekleidung bei Frauen. Ob ich dort als Mann im Rock oder Kleid akzeptiert würde kann ich tatsächlich nicht beurteilen, da ich in den Jahren seit ich dort bin keinen Mann erlebt habe, der das getan hätte. Aber auch nicht wüsste, ob es jemanden mit einer ähnlichen Sichtweise wie der meinigen gibt.

Persönlich würde ich mich aber auch wie Hajo an der Paulusstelle orientieren und versuchen soweit möglich vielleicht Anstoß zu sein, aber nicht anstößig.

Interessant fände ich wie die Menschen in der Gemeinde reagieren würden, wenn man sie mit der Tatsache konfrontiert, dass das Tragen von Hosen für Frauen gerade im christlichen Kontext lange Zeit verpönt und in vielen Gemeinden ein Ausschlusskriterium war, und wie geschrieben ja leider in einigen Denominationen auch heutzutage immer noch ist.

Ich bin kein Bibelcrack, aber man kann vermutlich für fast jede Argumentation für oder gegen alternative Bekleidung für Männer in der Bibel finden.

LG Stanley
Modische Freiheit sollte nicht nur für Frauen gelten. Männer sind auch gleichberechtigt ;).

Offline BlueBayou

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« Antwort #29 am: Gestern um 23:25 »
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Klasse Outfit!
Nicht mein Stil - aber definitiv ein Stil, der vom Mainstream abweicht, durchdacht ist und Deine eigene Linie darstellt.

COOL!

Aber mit den Piercings, vor allem dem Septum und den langen Haaren stichst Du vermutlich auch in Hosen/ langeweiliger Männerkleidung heraus.
 
Ich glaube, die Leute würden auch bei einem weniger ungewöhnlichem Outfit eher zum Pfarrer, als zum unbekannten Gemeindemitglied gehen.


 

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