Ich versprach Zwischenergebnisse. Hier im Beitrag wird gleich ein Teil des aktuellen Zwischenergebnisses genannt.
Natürlich kann die Analyse der Ergebnisse Fragen aufwerfen. Z.B. welche Lebenssituation führte dazu, dass der betreffende Satz zutrifft?
Denn es gibt eine Reihe unterschiedlicher Konstellationen, die dazu führen können, dass die ein und dieselbe Antwort zutrifft. Wer Beispiele von mir braucht: bitte nachfragen.
Jede Antwortmöglichkeit wirft neue Fragen auf. Das war mir von Anfang an bewusst. Und so manches wäre spannend, weiter zu hinterfragen, sicherlich.
Eine der sechs Antwortmöglichkeiten hat mich dann aber doch ziemlich überrascht:
Satz 1: "Ich trage Rock oder würde gerne Rock tragen, und mir ist es egal, was andere Leute von mir denken, eingeschlossen meine Kinder, meine Eltern, meine Partnerin"
Denn fast ein Fünftel der Teilnehmer wählte bis dato diesen Satz. Ich
sprach es schon mal an, will aber hier mal erklären, was mich daran so erstaunt.
Jeder Leser im Forum kennt die gelegentliche Aussage hier im Forum:
"Ist mir doch egal, was die Leute von mir/über mich denken!"Diese Aussage wird mit Sicherheit selten voll umfänglich ohne Nebenbedingungen zutreffen. Ich denke, es wird kaum Menschen geben, denen es wirklich in allen Belangen egal ist, was andere Leute von einem denken. Und was die Leute so denken, wird auch oft herumerzählt. Ist es wirklich in allen Belangen einem egal, was die Leute von einem denken und über einen erzählen? Kann ich mir nicht vorstellen.
Insofern wird diese Aussage, wenn sie hier im Forum fällt, überwiegend im Zusammenhang mit dem Rocktragen stehen. Und da wird in erster Linie gemeint sein: "Ist mir doch egal, wenn die Leute mich für queer, divers, trans, LGBTQ+ oder sonst sowas oder sogar für 'normal' halten."
Ich glaube, in diesem Punkt wird mir die Forumsgemeinde überwiegend zustimmen, dass die kurze Aussage oben eigentlich die lange Aussage von hier meint.
Soweit, so gut!
Ich bin aber deswegen so überrascht, dass etliche Abstimmer Satz 1 gewählt haben, weil es nicht nur um "die Leute" geht, sondern weil mein Satz explizit auch enge Familienmitglieder mit einschließt. Also Mama, Papa, Kind 1, Kind 2 ...
und die Partnerin.
Mir fällt es sehr schwer zu glauben, dass einem wirklich egal sein kann, was die eben genannten engen Personen über einen denken. Ja, ich kann mir jedoch in der Tat vorstellen, dass es Familienkonstellationen gibt, wo man sich seit Jahren nicht mehr anguckt, nicht mehr redet, wo sowieso alles zerrüttet ist - ohne Vorwurf -, oder sowieso keine Kinder da und keine Eltern mehr da sind und man sich mit der Partnerin sowieso gerade in Trennung befindet.
Dass knapp ein Viertel unserer Teilnehmer diese Aussage 1 als für sich zutreffend gewählt haben, verwundert mich eben.
Und ich frage mich, wer kann Satz 1 für sich wählen?
Also die Fälle von eben aus dem längeren Absatz obendrüber.
Vielleicht auch, weil man aus Neugier irgendetwas anklicken musste, um an die Ergebnisse der Umfrage zu gelangen?
Vielleicht, weil man den Satz in seiner vollen Bedeutung nicht erkannt hat?
Vielleicht, weil man den Satz anders aufgefasst hat, wie er gemeint war?
Wie ich mir Satz 1 nochmal angeschaut habe (gerade auch mit der Verknüpfung in der Aufzählung, die ja nur aus Kommas besteht), so ist mir aufgefallen, dass man diesen Satz tatsächlich auch auf eine andere Weise noch auffassen kann, wie er allerdings überhaupt nicht gemeint ist:
"Ich trage Rock oder würde gerne Rock tragen, und mir ist es egal, was andere Leute von mir denken, eingeschlossen meine Kinder, meine Eltern, meine Partnerin"
Mir ist es egal, was andere Leute von mir denken.
Allen meinen Kindern ist es egal, was andere Leute von mir denken.
Allen meinen Elternteilern ist es egal, was andere Leute von mir denken.
Meiner Partnerin ist es egal, was andere Leute von mir denken.
Ooops! So war das nicht gemeint!
Diese Art, den Satz aufzufassen, entstellt komplett den Sinn, wie er gemeint war.
Wenn der Satz so aufgefasst wird, kann ich mir vorstellen, dass er häufiger zutreffen wird.
Mein Satz war so gemeint:
Mir ist es egal, was die anderen Menschen von mir denken,
und mir ist es auch egal, was meine Kinder und meine Eltern und meine Partnerin von mir denken.Vielleicht hätte ich den Satz anders bauen sollen, wie es eigentlich grammatikalisch besser wäre:
"I
ch trage Rock oder würde gerne Rock tragen, und mir ist es egal, was andere Leute, eingeschlossen meine Kinder und meine Eltern und meine Partnerin, von mir denken., eingeschlossen meine Kinder, meine Eltern, meine Partnerin"
Gerade in letzter Zeit weiche ich von dieser grammatikalisch zutreffenderen Satzstruktur ab, vor allem, wenn die Erläuterung, was mit dem einen Wort gemeint ist, komplexer ist. Das setze ich immer mal wieder bewusst ein, um die Satzaussage lesbarer zu machen, weil die Erläuterung den Rest des Hauptsatzes so weit weg von seinem Anfang schiebt oder weil zu viele Kommas die Erfassung des Satzes erschweren. Bei meinem Satz 1 verwendete ich auch dieses Stilmittel. Aber ohne zu ahnen, dass man dadurch diesem Satz eine völlig andere Bedeutung geben kann, die ich nicht meinte.
Sprache ist ein wunderbares Werkzeug.
Sprache hat aber auch so seine Tücken.